Rousseau: Die Unterscheidung von Sein und Schein
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Sein und Schein bei Rousseau
Um die Unterscheidung zwischen Sein und Schein zu verstehen, ist es wichtig, einige Aspekte der Philosophie von Rousseau zu betrachten. Damit lassen sich die wesentlichen Unterschiede zwischen dem Naturzustand und der Zivilgesellschaft herausarbeiten.
Der Naturzustand
Im Naturzustand ist eine solche Unterscheidung nicht möglich, da der Mensch in einem Kontext lebt, in dem er kaum mit seinen Mitmenschen interagiert. Der natürliche Mensch lebt in einer unmittelbaren Beziehung zur Umwelt und steht der bloßen Tierheit näher als ein zivilisierter Mensch. Daher ignoriert der natürliche Mensch den Unterschied zwischen Sein und Schein und besitzt keine Vorstellung davon, etwas vorzutäuschen.
Für eine solche Unterscheidung sind Ehrgeiz, Gier und Macht notwendig, die sich im menschlichen Geist festsetzen. Der natürliche Mensch kann nicht scheinen, etwas anderes zu sein, als er ist, da ihm Rationalität und Ambitionen fehlen. Borges sagte in diesem Zusammenhang, dass der Junge Familien kannte, die sich während der Sommermonate versteckten, damit die Menschen in Montevideo dachten, sie würden den Sommer in der Stadt verbringen.
Zivilisation und Entfremdung
Um Rousseau zu verstehen, müssen wir seine Beschreibung des Naturzustands als Kontrast betrachten, der uns auf Aspekte der Zivilisation, Kultur und Moral führt. Mit der Zivilisation ändern sich die Dinge: Die Neigungen und Bedürfnisse des Menschen werden verfremdet, was ihn dazu führt, sich hinter einer Maske zu verstecken.
Die Zivilisation macht uns zu elenden Heuchlern und bringt Ungleichheiten hervor, die der Naturzustand nicht kannte. Der natürliche Mensch besitzt zwei Gefühle, die zur Harmonie mit der Umwelt beitragen:
- Selbsterhaltungstrieb: Er führt dazu, das eigene Leben vor Gefahren zu schützen.
- Natürliche Frömmigkeit: Sie lässt uns das Leiden anderer nachempfinden und ablehnen.
Der Naturzustand ist somit ein friedlicher und harmonischer Ort. Im Gegensatz dazu ist die Selbstliebe ein künstliches Gefühl, bei dem der Mensch andere als bloße Instrumente für das eigene Wohlergehen betrachtet. Die Folgen dieser Haltung sind Stolz, Neid und weitere negative Eigenschaften.