Salvador Espriu: Analyse eines Gedichts über Heimat und Exil

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Autor: Salvador Espriu

Datum: 1954

Das Gedicht entstand 1954, über zwölf Jahre nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs und mehr als sechs Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg.

Thema des Gedichts: Heimatliebe und Exil

Das Gedicht thematisiert den inneren Konflikt des lyrischen Ichs, das den Wunsch hegt, das eigene Land zu verlassen und in den Norden auszuwandern. Der Sprecher beschreibt sein aktuelles Land als „feige, wild und alt“ und sehnt sich nach einem Ort, an dem die Menschen „edel und rein“ sind. Gleichzeitig empfindet der Protagonist eine tiefe Verbundenheit zu seiner Heimat. Es ergeben sich zwei Interpretationsmöglichkeiten:

  • Der Wunsch nach Auswanderung ist echt, da das Bleiben als Feigheit und Angst vor dem Unbekannten empfunden wird.
  • Der Dichter drückt aus, dass er sein Land trotz seiner Mängel liebt, da es sein Geburts- und Lebensort ist.

Analyse des Gedichts

Das Gedicht offenbart den inneren Widerspruch des lyrischen Ichs angesichts der Situation in seinem Land, das einer Diktatur und Sklaverei unterliegt. Das Thema des inneren Exils spiegelt die Repression unter dem Franco-Regime wider, unter der die Menschen im Land lange Zeit litten. Ein symbolisches Exil verdeutlicht die Spannungen zwischen Salvador Espriu und seiner Heimat.

Der Dichter beklagt sich bitterlich über sein Land und beschreibt es als „feige“, da Katalonien sich nicht gegen die Ungerechtigkeiten auflehnen konnte. Er kritisiert zudem, dass das Land weit entfernt vom Ideal der Zivilisation ist, von dem die junge Generation von 1936, der er angehörte und die die Republik verteidigte, träumte.

Adjektive und biblische Einflüsse

Im Gedicht sind zwanzig Adjektive sorgfältig verteilt, die die gesamte Spannung und Ausdruckskraft des Werkes tragen. Das Gedicht ist zudem stark von der Bibel beeinflusst, was auf die konstante Lektüre des Autors zurückzuführen ist.

Struktur des Gedichts

Das Gedicht ist organisch aufgebaut; das Entfernen eines Teils würde seinen Sinn zerstören.

Drei Strophen, drei Teile

  • Erste Strophe (Verse 1-7)

    Ausdruck des Willens des Autors, sein Land zu verlassen. Das lyrische Ich beklagt die Situation der Menschen, die ihre Freiheit verloren haben, und äußert den Wunsch, in den Norden (nach Europa, wo die Demokratie gesiegt hat) zu gehen.

    Es werden viele Adjektive verwendet: einige negative (feige, alt, wild) in Bezug auf Katalonien, und andere positive (sauber, edel, gebildet, wohlhabend, frei, glücklich und schlaflos) in Bezug auf die Bewohner des restlichen Europas.

  • Zweite Strophe (Verse 8-13)

    Diese Strophe zeigt die soziale Zensur, der das lyrische Ich unterworfen ist, wenn es sich endgültig entscheidet, das Land zu verlassen. Die Bewohner des Landes missbilligen diese Handlung, während das lyrische Ich darüber lachen würde. Das Wort „Gemeinde“ in diesem Teil identifiziert die Vorstellung des Begriffs „Nation-Gruppe“ im Kontext eines religiösen Gesetzes.

    Ein Fingerzeig erscheint auch wörtlich (wie „der Vogel, der das Nest verlässt“, so verlässt der Mensch seinen Platz), was die Ablehnung der Menschen widerspiegelt.

    Im letzten Vers des zweiten Teils schreibt der Autor über einen „trockenen Ort“. Espriu spielt hier mit dem Begriff der Wüste (Trockenheit) – in Anlehnung an das Exil der Israeliten in der Wüste – und der Dürre Kataloniens unter der Militärdiktatur, wo es keine Freiheit gab, selbst die eigene Kultur auszudrücken.

  • Dritte Strophe (ab Vers 14 bis Ende)

    Bestätigung der Loyalität gegenüber dem Land: Das lyrische Ich hat nie gesagt, dass es Katalonien verlassen würde, da es trotz der Beschreibung als „feige und wild“ eine verzweifelte Liebe zu seiner Heimat empfindet.

Formale Merkmale

Das Gedicht besteht aus 20 Strophen mit einem unregelmäßigen Metrum. Es ist in freien Rhythmen geschrieben und reimlos.

Rhetorische Figuren

Vergleich

  • Vers 9: „Wie der Vogel, der das Nest verlässt“

Aufzählungen

  • Vers 6: „edel, gebildet, wohlhabend, frei und glücklich schlaflos“
  • Vers 19: „arm, schmutzig, traurig, unglückliche Heimat“

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