Santa María del Naranco: Präromanisches Meisterwerk in Asturien

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Santa María del Naranco: Präromanisches Juwel

König Ramiro I. (842–850) von Asturien ließ diesen Bau im Stil des sogenannten „Ramirense“ als königliche Residenz und Erholungsort im Wald von Naranco, nahe der Hauptstadt Oviedo, errichten. Die heutige Kirche war ursprünglich die Aula Regia (Thronsaal) des Palastkomplexes, zu dem auch San Miguel de Lillo gehörte. Sie ist ein bedeutendes Überbleibsel der Architektur dieser Epoche.

Ihr künstlerischer Wert liegt in den fortgeschrittenen architektonischen Ansätzen ihrer genialen Baumeister. Ihr historischer Wert besteht darin, dass sie der einzige erhaltene königliche Salon dieser Zeit in Europa ist. Santa María nimmt Entwicklungen um zwei Jahrhunderte vorweg: Das Tonnengewölbe und die Strebepfeiler kündigen das statische System der Romanik an. Die Architekten wagten es, dem Innenraum eine ästhetische Rolle zuzuweisen, in einer Zeit, in der die Malerei oft Säulen simulierte. Die Gestaltung von Innen- und Außenbereich sorgt für große Harmonie und Eleganz.

Wichtige Fakten und Daten

  • Name: Santa María del Naranco
  • Architekt: Unbekannt
  • Zeitrahmen: Erbaut als Palast; 848 als Kirche geweiht
  • Ort: Oviedo, Asturien
  • Stil: Präromanische Kunst („Ramirense“)
  • Verwendete Materialien: Stein und Tuff
  • Abmessungen: 20 m (Länge) x 6 m (Breite)

Architektur des Exterieurs

Das Gebäude besitzt ein Satteldach und ist in drei Ebenen gegliedert, wobei die dritte Ebene fiktiv ist, da sie im Inneren dem oberen Teil des zweiten Stockwerks entspricht.

Längswände (Nord und Süd)

Die Längswände (Nord und Süd) zeichnen sich durch ihre Solidität und die geriffelten Strebepfeiler aus. Diese Pfeiler betonen die Vertikalität und Schlankheit des Baus und durchbrechen die Monotonie der Wandfläche, wodurch ein Spiel von Licht und Schatten entsteht.

  • Norden: Hier befindet sich der einzige Zugang zum zweiten Stock (oder ersten Obergeschoss): eine zweiläufige Außentreppe, die in einer Veranda mündet.
  • Süden: Im Gegensatz dazu ist hier ein Balkon angebracht.

Stirnwände (Ost und West)

Die kürzeren Stirnwände (Ost und West) sind durch prächtige Buchten gekennzeichnet, die die Hauptansichten bestimmen. Die fiktive dritte Etage zeigt typisch spanische Bogenfenster. Die Veranda wiederholt die Anordnung der Bögen und vermittelt einen Eindruck von Höhe.

Grundriss und Innenraumgestaltung

Der Grundriss bildet ein Rechteck, das in eine zentrale Kammer und zwei angrenzende Räume unterteilt ist.

Erdgeschoss

Das Erdgeschoss beherbergte wahrscheinlich die Wache und die Dienerschaft. Die Nebenräume dienten als Bad und Kapelle.

Hauptgeschoss (Aula Regia)

Das Hauptgeschoss, flankiert von den beiden seitlichen Balkonen, war der zentrale Veranstaltungsort für Empfänge und Feste. Die Organisation der architektonischen Elemente gilt als Meilenstein in der mittelalterlichen Wohnarchitektur.

Der gesamte Hauptraum zeichnet sich durch intensive vertikale Proportionen aus und wird von einem großen Tonnengewölbe überspannt. Dieses Gewölbe, das eine leichte Querneigung aufweist, wurde aus leichtem Tuffstein errichtet und durch Gurtbögen verstärkt.

Die tragende Mauer übernimmt die Funktion der Strebepfeiler und ist innen durch eine blinde Säulenarkade und außen durch Strebepfeiler verstärkt. Große Fenster dienen als Aussichtspunkte.

Der Salon ist an jeder Seite durch eine Art zweite innere Fassade mit Sturz abgetrennt. Die Ansicht der beiden Fassaden von außen erzeugt einen schönen perspektivischen Effekt.

Die architektonische Gliederung im Inneren ermöglicht es den Elementen, gleichzeitig eine strukturelle und eine ästhetische Funktion zu erfüllen. Dies nimmt zukünftige Formulierungen mittelalterlicher Architektur und Skulptur vorweg, die hier eng miteinander verbunden sind. So ragen Bögen aus der Decke, und Blendbögen mildern die Schwere der Wände. Der Innenraum ist durch vier gebündelte Säulen strukturiert, die eine gemeinsame Basis und ein gemeinsames Kapitell besitzen und die charakteristischen Sogueados-Schäfte (gedrehte Seilornamente) aufweisen.

Historischer und politischer Kontext

Das kleine Königreich Asturien, die letzte christliche Zuflucht gegen die muslimische Invasion, erklärte sich zum Erben und Verteidiger der westgotischen Tradition und legte die gesamte Macht in die Hände des Monarchen. Der König forderte eine Kunst, die Gott und der Krone gewidmet war, finanzierte und baute sie zu seiner Verherrlichung.

Die Dekoration von Santa María spiegelt diesen Anspruch wider: In den horizontalen Bändern, die die Fassade gliedern, ist das gestreifte Emblem der Monarchie zu sehen, was dem Palast eine sakrale Bedeutung verlieh. Im Jahr 848 wandelte Ramiro I. das Gebäude selbst in eine Kirche um.

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