Der Schelmenroman und Lazarillo de Tormes: Analyse, Struktur und Einfluss
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Literarische Gattungen: Überblick über Romanformen
Es gibt verschiedene Arten von Romanen:
- Schäferroman (Pastoral Novel): Die Charaktere sind Hirten und bukolische Figuren (z. B. Die sieben Bücher der Diana von Jorge de Montemayor).
- Abenteuerroman: Der Protagonist unternimmt eine Reise, die stets von Hindernissen begleitet wird.
- Roman der Celestina: Erzählt von der Liebe zweier Liebender, die immer auf eine Kupplerin zurückgreifen.
- Sentimentaler Roman: Erzählt von unglücklichen Leidenschaften.
- Ritterroman: Dessen Protagonist ist ein fahrender Ritter, der gegen Widrigkeiten kämpft, um die Liebe seiner Geliebten zu erlangen.
- Maurenroman: Dessen Charaktere Muslime sind und das Liebesthema im Vordergrund steht.
- Realistischer Roman oder Schelmenroman: (z. B. Lazarillo de Tormes).
Der Schelmenroman: Ursprung und Merkmale
Der Schelmenroman (Picaresque Novel), insbesondere Lazarillo de Tormes, entstand in Spanien als Spiegelbild der gesellschaftlichen Wirklichkeit der damaligen Zeit. Zu diesem Zeitpunkt gab es eine Abwanderung von den Feldern, und die Bevölkerung in den Städten nahm erheblich zu, was zu einer Fülle von Müßiggängern, Vagabunden und Gaunern führte.
Der Schelmenroman bricht mit allem, was zuvor existierte. Er ist die Autobiografie eines Schelms, der eine Abfolge von Episoden erzählt. Der Protagonist dient mehreren Meistern, was zur Darstellung verschiedener sozialer Kritikpunkte führt und letztendlich die Entehrung des Protagonisten thematisiert. Der Realismus, der mit den vielen idealistischen Romanen der Zeit bricht, wird durch das Werk Lazarillo de Tormes eingeleitet.
Autorschaft und frühe Ausgaben von Lazarillo de Tormes
Was die Erstausgaben betrifft: 1554 gab es drei Editionen, die vor Verlusten bewahrt wurden. Das Original stammt wahrscheinlich von 1540. Es wird auch darüber gesprochen, dass Lazarillo de Tormes (ELT) anonym veröffentlicht wurde. Es wurde verschiedenen Autoren zugeschrieben, obwohl es keine schlüssigen Beweise gibt (unter anderem Don Diego Hurtado de Mendoza).
Struktur und Aufbau des Romans
In Bezug auf die Struktur besteht der Roman aus einem Prolog und sieben Abhandlungen oder Kapiteln. Im Prolog wird angekündigt, dass es sich um eine Autobiografie handelt, in der der Autor (Lazarus) von seiner aktuellen Zeit (verheiratet und Weinherold) erzählt und sein früheres Leben schildert. Dies ist eine autobiografische Fiktion.
Das Buch beginnt wie ein Brief, den der Protagonist an „Euer Gnaden“ schreibt, um seine Geschichte zu erzählen: Lazarus, ein Kind, das gezwungen ist, seine Familie zu verlassen, dient mehreren Meistern und entwickelt verschiedene Gewerbe. Wir unterscheiden drei Teile:
- Teil 1 (Kindheit): Erzählt von seinem Dienst bei drei Meistern: einem Blinden, einem Priester und einem Knappen. Während der soziale Status der Meister steigt, nimmt das Elend des Lazarus zu.
- Teil 2 (Teenager): Dienst bei einem Mönch und einem Trommellehrer.
- Teil 3 (Jugend/Erwachsenenalter): Erzählt von seinem Dienst bei einem Kaplan, einem Gerichtsvollzieher und einem Dekan. In diesem Stadium arbeitet Lazarus für ein Gehalt: zuerst als Wasserträger, dann als Schweinehirt (*porquerón*) und schließlich als Ausrufer von Weinen. Die Hauptfigur fühlt sich am Höhepunkt seines Lebens, heiratet und hat ein Gewerbe.
Zentrale Themen und Stilmittel
Die Hauptthemen sind Ehre und Religion.
- Ehre: Die Ehre hängt von der Wertschätzung ab, die man von anderen erhält. Im Roman verteidigt Lázaro die Anstrengung und die persönliche Tugend, was jedoch ironisch ist. Am Ende erreicht er die Ehre, indem er eine Frau heiratet, die ihn mit einem Händler betrügt, und selbst nur einen geringen Handel (Ausrufer) ausübt.
- Religion: Fünf seiner Meister gehören dem kirchlichen Stand an.
Für den Stil sind Satire, Humor und die Fülle von Sprichwörtern und volkstümlichen Redewendungen wichtig.
Rezeption und literarischer Einfluss
Das Werk war ursprünglich als unterhaltsames und antiklerikales Buch gedacht, jedoch nicht als bösartig. Dennoch verurteilte die Inquisition bald darauf einige Abhandlungen.
Lazarillo de Tormes war so erfolgreich, dass Fortsetzungen des Buches geschrieben wurden. Es schuf ein ganzes literarisches Subgenre mit zahlreichen Werken, deren Protagonisten stets Schurken (Männer und Frauen) waren. Solche Romane wurden sogar bis ins 18. Jahrhundert hinein geschrieben.