Der Schrei & The Great Masturbator — Analyse und Ikonographie
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El Grito (Der Schrei) — Grunddaten
FC -> Name: El Grito (Der Schrei). Erster Titel: "Hoffnungslosigkeit" / Autor: Edvard Munch / Auftraggeber: - / Datum: Ende des 19. Jahrhunderts. Einordnung: Die Sammlung ist Teil des "Frieses des Lebens", einer Reihe von Werken mit Überlegungen über Liebe, Krankheit, Einsamkeit und Tod. Es gibt eine erste Version mit dem Namen "Die Hoffnungslosigkeit". Es existieren mehrere Versionen des Schreis. Stil: Expressionismus / Herkunft: Das Werk wurde in Paris präsentiert / Standort (heute): National Gallery of Oslo.
D — Technik und Beschreibung
D -> Medium: Tempera und Öl / Größe: klein / Kurzbeschreibung: Auf einer Brücke befindet sich eine Figur, die nicht ganz menschlich wirkt und uns mit ihren Händen anruft. Im Hintergrund stehen zwei Menschen, die dieser Szene gegenüber gleichgültig erscheinen. Die Landschaft erinnert an einen letzten Sonnenuntergang, mit einigen Schiffen am Horizont. Träger: Pappe / Bildfigur: Figur.
AF — Formale Analyse
AF -> Zeichnung / Farbe: Flächige Farben ohne Mischen; bewusster Einsatz von warmen und kalten Farbtönen. Die überwiegende Verwendung intensiver Rottöne, Blau- und Weißnuancen verstärkt das Gefühl des Schmerzes. Licht: Kein ausgeprägtes Hell-Dunkel, stattdessen werden Farben für Lichteffekte verwendet. Pinselführung: leicht, schnell. EDC (Elemente der Komposition): Asymmetrie, Unordnung als Gefühl; keine einheitliche räumliche Verteilung; vertikale und horizontale Linien. Große Bedeutung der Diagonalen (z. B. das Geländer). Geschwungene Linien tragen zum Gefühl des Unbehagens der Protagonistin bei.
Komponenten: - (keine weiteren Angaben). Zentrales Bildmotiv: die Figur auf der Brücke, die das physikalische Zentrum überdeckt. Perspektive: sehr starke lineare Perspektive entlang des Geländers. Fehlen einer Luftperspektive: Der Hintergrund wirkt weniger scharf als der Vordergrund. Räumliche Gliederung / Pläne: Zwei deutlich erkennbare Pläne: ein vorderer Plan mit dem zentralen Protagonisten und ein Hintergrund mit den anderen Personen und der Landschaft. Gegebenenfalls lassen sich weitere Elemente in einem flachen zweiten oder dritten Plan sehen.
Anatomie und Ordnung: Kein Interesse an exakter anatomischer Zeichnung; die Darstellung ist nur ein Hauch von Mensch, mit unverhältnismäßig wirkenden Händen oder verdrehten Körpern. Natur und Bekleidung sind mit derselben geschwungenen Linie gemalt; das Kleid verweist nicht auf eine bestimmte Zeit oder Situation, sondern dient als universelles Zeichen. Expression: Hoffnungslosigkeit, Angst, Einsamkeit. Format: klein, symmetrisch (subjektiv). Zeit / Rhythmus: mittlere Bilddauer; rhythmische Linien der Brücke.
Weitere Merkmale: Sensationswirkung, die den Betrachter emotional berühren will. Detailgrad: nicht viele Details; wenige Kind- oder Schmuckelemente.
IMCI — Beziehungen und Stilmerkmale
IMCI -> Beziehungen zu anderen urheberrechtlich geschützten Werken: Andere Werke des "Frieses des Lebens", wie "Melancholie", "Die Stimme", "Tanz des Lebens" oder "Vampire". Vergleichbare Werke: Karl-Johan, Sonnenuntergang zu Fuß mit starken Diagonalen, kleinen menschlichen Figuren und dem Gefühl der Einsamkeit trotz Anwesenheit anderer Personen. Bezug zum Stil der Zeit / Einflüsse: Verwandtschaft zu den Postimpressionisten wie Van Gogh und Gauguin, insbesondere im Einsatz der Farbe; Parallelen zu Matisse und dem Fauvismus.
Stilmerkmale (Tiefe):
- Verformung vor allem menschlicher Figuren.
- Einsatz starker, reiner Farben.
- Interesse an Emotionen statt an objektiver Darstellung der Realität.
- Themen wie Einsamkeit, Krankheit und Tod.
- Einsatz von Linie und Kurve, um Gefühle zu vermitteln.
Innovation: Munch gilt als Vorläufer bzw. Wegbereiter des Expressionismus. Einflussfaktoren: Goya (z. B. die "Schwarzen Gemälde") sowohl technisch als auch thematisch.
IIC — Ikonographie und Bedeutung
IIC -> Genremäßige Einordnung: menschliche Figur. Ikonographische Anmerkungen: Munch selbst erklärt, dass das Motiv der Stadt aus einer Erfahrung stammt, die er an einem Tag beim Spaziergang mit zwei Freunden machte: "Ein Himmel von Blut und Feuer — ich hörte ein Heulen, das die unendliche Natur durchdrang." Die Szene ist nicht nur als persönliche Erfahrung lesbar, sondern als Symbol für die Hoffnungslosigkeit des Menschen in einer Welt der Einsamkeit und des Sinnverlusts. Munchs Leben war stark von familiären Umständen, Krankheit und dem Tod mehrerer Angehöriger geprägt. Es wird berichtet, dass die Inspiration für die Hauptfigur von einer peruanischen Mumie stammte, die er in Paris gesehen haben soll.
FIF — Zweck und Wirkung
FIF -> Zweck: Ausdruck innerer Angst und existenzieller Schönheit; zugleich Suche nach neuen Wegen in der Maltechnik. Bezüge zu Theorien: Theoretische Referenzen wie Kierkegaard, Nietzsche und Dramen von Ibsen werden genannt. Historischer Kontext: Paris in einer Zeit von Boykotten, Generalstreiks und politischer Gewalt, eine sehr schwierige Situation. Wirkung: Bestimmender Einfluss auf die Entstehung der deutschen Expressionistengruppe "Die Brücke" und auf den Expressionismus insgesamt (auch in filmischen Bereichen).
The Great Masturbator — Grunddaten
FC -> Name: The Great Masturbator / Autor: Salvador Dalí / Auftraggeber: - / Datum: 1929. Einordnung: Das Gemälde bildet eine in sich geschlossene Welt des Autors, die verborgene Aspekte des täglichen Lebens und des Unbewussten darstellt. Stil: Surrealismus / Ursprung: Teatre-Museu Dalí (Figueres) / Aktueller Standort: Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía (Madrid).
D — Technik und Beschreibung
D -> Medium: Öl / Größe: klein / Kurzbeschreibung: Das Gemälde ist Teil einer Obsession Dalís; es spiegelt seine Faszination für Gala wider und kommuniziert verborgene Aspekte ihrer Beziehung. Träger: Leinwand / Bildfigur: Figur (zentral deformiert).
AF — Formale Analyse
AF -> Zeichnung / Farbe: Detaillierte, präzise Zeichnung. Licht: Lichtfokus nach rechts; teils willkürlich inszeniert. Komposition / Linien: Surrealistische Verzerrung der Anatomie; Proportionen zwischen den Objekten sind unwirklich. Ausdruck: sexuelle Themen, Obsessionen in Bezug auf Gala. Zeitliche Wahrnehmung: mittlere Dauer. Farbigkeit: Helle, oft warme mediterrane Farben; Mischung von leuchtenden Farben mit präziser Zeichnung, um realistische Landschaftselemente darzustellen. Typische warme Nuancen des Mittelmeerraums sind vorhanden. Pinselführung: zeichnerisch genau.
Zentrales Bildmotiv: eine große, auffällige Nase bzw. ein deformiertes Gesicht als zentrales Element, um verschiedene Objekte zu tragen. Pläne: Vordergrund mit surrealen Objekten; die Figur selbst ist bewusst unmöglich dargestellt. Bewegung / Rhythmus: Suche nach Gleichgewicht zwischen den Elementen der Malerei; illusionistische Effekte des Surrealismus.
Details: Hummer, die Figur einer Frau (Gala), Köder, Löwe, eine Person, ein Paar, das eine einsame Figur umarmt, sowie weitere sekundäre Elemente.
IMCI — Beziehungen und Stilmerkmale
IMCI -> Beziehungen zu anderen Werken: The Persistence of Memory (1931), The Endless Enigma (1938). Vergleich mit zeitgenössischen Arbeiten: Verknüpfungen zu Miró, Picasso (z. B. Guernica) und Tendenzen außerhalb Spaniens.
Stilliche Tiefe:
- Der Geist verliert die Kontrolle.
- Sekundäre Thematisierung der Sexualität als offen dargestelltes Motiv.
- Plastische Abstraktion durch psychische Formen des Unbewussten.
- Versteckte und verbotene Gedanken als Quelle der Inspiration.
- Paranoisch-kritische Methode: bildliche Halluzinationen und harte, überraschte Formen.
Innovation: Dalí zeigte, dass alltägliche persönliche Erfahrungen Kunst hervorbringen können; er begründete durch seine Methoden den surrealen Ausdruck und die paranoisch-kritische Technik. Einflussfaktoren: Einflüsse aus Pointillismus, Kubismus und Futurismus; sowie akademische Ausbildung (School of Arts Madrid) und Vorbilder wie Vermeer und Meissonier in puncto Raumdarstellung und miniaturistische Technik.
CII — Genre, Ikonographie und Deutung
CII -> Genre: Surrealismus. Dalí stellt in diesem Gemälde eine Mischung mehrerer Bilder und Objekte dar: Seile, Muscheln, Steine, eine zersprungene Galle-Installation, ein Löwe, ein Hummer, eine Person, ein Paar, das sich umarmt, und eine Lilie. Es wird berichtet, dass das Thema des Gemäldes Dalís Wunsch betrifft, Gala (vor Beginn ihrer Beziehung) darzustellen: Szenen, in denen beide zusammen am Strand wandelten. Elemente erinnern an eine Küstenlandschaft (z. B. Muscheln).
Ikonologie / Ikonographie: Dalí nutzt die Bildfläche zur Darstellung persönlicher Anliegen, vor allem sexueller Natur. Die einzelnen Elemente tragen ikonographische Bedeutungen (iconologia):
- Muscheln und Steine: Symbolisieren Erlebnisse mit Gala am Strand von Cadaqués.
- Das Seil mit Haken: Bezug zur Familie, zur traditionellen Lebensweise; zugleich ein Wunsch, sich davon zu lösen.
- Gefühlston ("FEL Notes"): Leidenschaftliche, emotionale und sinnliche Reaktionen, die Gala hervorruft.
- Der Löwe: Steht für sexuelles Verlangen; die rosa Zunge kann als phallisches Symbol gelesen werden.
- Der Hummer: Mit Ameisen auf dem Bauch symbolisiert er Ängste; Ameisen sind ein wiederkehrendes Motiv für Verfall und Panik in Dalís Werk.
- Die Person: Repräsentiert das Leiden / die Verlorenheit.
- Das Paar, das sich umarmt: Symbolisiert Nähe und zugleich Trennung; ambivalente Intimität.
- Die Lilie: Symbolisiert Reinheit; im Kontext eine wechselhafte Bedeutung, die Masturbation als eine Form reiner Sexualität deuten kann.
FIF — Zweck, Theorie und Wirkung
FIF -> Zweck: Transport emotionaler, unbewusster Inhalte und Darstellung sexueller Obsessionen. Bezüge: Enge Verbindung zu Sigmund Freuds Theorien: Bedeutung des Unbewussten; Dalís paranoisch-kritische Methode zielte darauf ab, durch Halluzination neue Bildtypen zu entdecken. Die Farbe wird oft länglich eingesetzt, Lücken und Metamorphosen werden gebrochen; gesellschaftliche Konventionen werden in exzentrischer Form überführt.
Wirkung und Rezeption: Dalís Arbeit wirkte auf seine Zeitgenossen zunächst provokativ und wurde teilweise negativ rezipiert; bis zu dem Punkt, dass er aus surrealistischen Zirkeln ausgeschlossen wurde. Dennoch prägte sein Werk nachhaltig die Entwicklung des Surrealismus.