Sehbehinderung und Taubblindheit: Ursachen und Merkmale
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Was ist eine Sehbehinderung?
Eine Sehbehinderung ist eine dauerhafte Veränderung der Augen, der Impulsleitungsbahnen oder des visuellen Kortex, die zu einer deutlichen Einschränkung der Sehfähigkeit führt. Sie reicht von absoluter Blindheit bis hin zu leichten Veränderungen des Sehvermögens. Jede Situation erfordert individuelle Bedürfnisse, Ressourcen und spezifische Interventionen.
Wie misst man Sehbehinderung?
Die Beurteilung der Sehfunktion erfolgt anhand zweier Parameter:
- Visus (Sehschärfe): Bezieht sich auf die Fähigkeit, feine Details von Objekten zu unterscheiden. Dies hängt von der Größe des Objekts, dem Abstand zum Auge sowie der Ausleuchtung und dem Kontrast zum Hintergrund ab.
- Gesichtsfeld: Bezieht sich auf den gesamten Raum, den das Auge wahrnehmen kann, ohne sich zu bewegen. Dies wird für jedes Auge einzeln gemessen.
Kategorien der Sehbehinderung
- Blindheit: Geringes Lichtempfinden, das eine Tätigkeit, die visuelle Wahrnehmung erfordert, unmöglich macht.
- Totale Blindheit: Völliges Fehlen des Sehvermögens.
- Partielle Blindheit: Personen, die Lichtrichtung und Massen wahrnehmen können, deren Sehvermögen jedoch nicht für schulische oder berufliche Aktivitäten ausreicht.
- Tiefe Hypovision: Höhere Restsehfähigkeit (ca. 20%). Farben und Volumen sind definierbar, das Lesen ist jedoch verlangsamt.
- Visuelle Schwäche (Low Vision): Es verbleibt eine visuelle Restkapazität von ca. 30%, die Schulbildung mit Materialanpassungen ermöglicht.
- Tiefe Sehbehinderung: Schwierigkeiten bei detaillierten Sehaufgaben.
- Visuelle Limitation: Erfordert angemessene Beleuchtung und Hilfsmittel wie spezielle Brillen.
- Amblyopie (Schwachsichtigkeit): Gekennzeichnet durch reduzierte Sehschärfe ohne organische Läsion („faules Auge“). Eine Behandlung ist bis zum 8. oder 10. Lebensjahr möglich, danach ist sie praktisch irreversibel.
Ursachen für Blindheit
- Erbkrankheiten: z. B. Farbenblindheit.
- Angeborene Krankheiten: z. B. Röteln während der Schwangerschaft.
- Sekundäre Krankheiten: Retinopathie des Frühgeborenen (durch übermäßigen Sauerstoff).
- Tumore: z. B. Gliom der Netzhaut.
Funktionelle Einschränkungen
Menschen mit Sehbehinderung nutzen verstärkt das Gehör zur Raumwahrnehmung. Rehabilitationstechniker helfen bei der Mobilität und lebenspraktischen Fertigkeiten. Soziale Kompetenzen (wie Blickrichtung oder Mimik) können aufgrund mangelnder Imitationsmöglichkeiten beeinträchtigt sein. Der Zugang zu Informationen erfolgt je nach Grad der Behinderung über vergrößerte Schriften, Braille oder Hörverfahren.
Taubblindheit: Definition und Herausforderungen
Taubblindheit bezeichnet eine Person mit einer kombinierten Seh- und Hörschädigung. Dies führt zu schweren Lern- und Verhaltensschwierigkeiten, da die beiden wichtigsten Sinne zur Informationsaufnahme fehlen. Nur etwa 10% der Betroffenen sind vollständig taub und blind.
Kommunikation und Mobilität
Da das Gehirn 95% der Informationen über Augen und Ohren aufnimmt, wird bei Taubblindheit der Tastsinn (Hände, Körper, Haut) zum primären Empfänger für Formen, Texturen und Temperaturen.
Typen der Taubblindheit
- Angeboren/Prälingual: Taubblindheit vor dem Spracherwerb.
- Taub geboren, späterer Sehverlust: z. B. Usher-Syndrom.
- Blind geboren, späterer Hörverlust: z. B. durch ototoxische Medikamente.
- Postlingual: Erwerb der Taubblindheit im Erwachsenenalter.
Das Usher-Syndrom
Eine genetisch bedingte Erkrankung, die Schwerhörigkeit und fortschreitenden Sehverlust durch Retinitis pigmentosa kombiniert.
Symptome der Retinitis Pigmentosa
- Nachtblindheit: Erste Anzeichen in der Adoleszenz; Schwierigkeiten bei der Anpassung an Lichtwechsel.
- Verengung des Gesichtsfeldes: Tunnelblick durch Netzhautdegeneration.
- Verlust der zentralen Sehschärfe: Unfähigkeit, Details zu erkennen.
Unterschiede: Gehörlosigkeit vs. Schwerhörigkeit
- Gehörlosigkeit: Das Gehör ist für das tägliche Leben nicht funktional; die Sprache kann nicht über das Hören erworben werden. Die visuelle Wahrnehmung ist der Hauptkanal.
- Schwerhörigkeit: Das Gehör ist eingeschränkt, aber mit oder ohne Prothese funktional für den Alltag und den Spracherwerb.