Was ist eine Sekte? Definition, Merkmale und Gefahren

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Was ist eine Sekte?

Die Frage nach der Definition einer Sekte ist aus mehreren Gründen komplex:

  • Noch nie wurde eine Sekte unter diesem Namen bekannt.
  • Es besteht kein Konsens unter Theoretikern über eine einheitliche Definition.
  • Es handelt sich um einen strittigen Begriff.
  • Wird er einer religiösen Minderheit zugeschrieben, erzeugt dies unnötige und ungerechte Vorurteile.
  • Kritisiert wird nicht der Glaube einer bestimmten Gruppe, sondern ihre Praxis. Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass die Bezeichnung als Sekte eine Kritik an den Überzeugungen darstellt.

Definition nach Langone (1988)

Es existiert jedoch folgende Definition: „Eine Sekte (Cult) ist eine Gruppe oder Bewegung, die eine übermäßige Hingabe an eine Person, Idee oder Sache fordert und unethische Techniken der Überredung und Manipulation ihrer Anhänger einsetzt, um die Ziele des Gruppenleiters zu erreichen. Dies führt zur Kontrolle über die Mitglieder und bringt tatsächlichen oder potenziellen Schaden für die Mitglieder, ihre Angehörigen oder die Gesellschaft im Allgemeinen mit sich.“ (Langone, 1988).

Unterschiede zwischen einer Kirche und einer Sekte

  • Kirche: Versucht, andere Kirchen und Religionen zu erreichen. Sekte: Fördert Hass gegen jede andere Kirche.
  • Kirche: Zeigt Einrichtungen und rituelle Praktiken öffentlich. Sekte: Unterhält geheime Einrichtungen und Vorschriften.
  • Kirche: Die Leiter fördern trotz Fehlern Brüderlichkeit, Frieden und Freiheit für ihre Gläubigen. Sekte: Die Anführer agieren aus Angst und schränken die Freiheit ihrer Anhänger ein.
  • Kirche: Der Ein- und Austritt erfolgt durch freiwillige Entscheidung. Sekte: Der Ausstieg ist schwierig; die Person wird psychologisch, emotional und wirtschaftlich gefangen gehalten.
  • Kirche: Versucht, der Gesellschaft zu dienen und ermutigt Gläubige, christliche Werte innerhalb dieser zu leben. Sekte: Will sich von der Gesellschaft abgrenzen. Den Anhängern wird eingeprägt, dass die Gesellschaft schlecht sei und man sich nicht einmischen solle.

Wie Sekten agieren

Sekten versuchen zuerst, Anhänger zu gewinnen. Dies wird als Missionierung bezeichnet, in die riesige Summen an finanziellen und personellen Ressourcen investiert werden. Oft werden Medien wie Radio oder Fernsehen genutzt. Den Menschen wird ein warmes, gemütliches Umfeld geboten, in dem die Mitglieder sehr sicher in ihren Überzeugungen wirken. Für Menschen, die einsam sind, sich in einer Glaubenskrise befinden oder ein niedriges Selbstwertgefühl haben, ist diese Botschaft der Erlösung besonders ansprechend.

Methoden der Kontrolle

Sobald eine Person der Sekte beigetreten ist, manifestieren sich verschiedene Kontrollmechanismen:

  1. Kontrolle über das Verhalten: Der Person wird vorgeschrieben, was sie tun oder lassen soll, mit wem sie interagieren darf und mit wem nicht, wohin sie gehen darf und wohin nicht. Sie wird aufgefordert, über ihr Tun zu berichten oder um Erlaubnis zu fragen.
  2. Kontrolle von Informationen: Die Informationen, die Personen erhalten, bevor sie der Gruppe beitreten, werden kontrolliert. Die Lehre wird nur gefiltert und progressiv vermittelt. Es gibt Dinge, die erst nach einer gewissen Zeit offenbart werden. Zudem wird der Informationsfluss nach außen kontrolliert (Gesetz des Schweigens). Anhänger dürfen nicht erzählen, was intern geschieht, und Außenstehende dürfen nicht an Zeremonien teilnehmen.
  3. Kontrolle von Ideen: Der Diskurs ist fanatisch. Es ist Mitgliedern nicht möglich, den Ideen des Anführers oder der Gruppe zu widersprechen. Widerspruch wird bestraft (manchmal sogar körperlich). Was der Anführer sagt, wird als absolute Wahrheit akzeptiert, was die eigene Vernunft außer Kraft setzt. Es findet eine Reform des Denkens statt – eine echte Gehirnwäsche.

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