Die Sequenz: Ursprung und formale Merkmale
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1. Sequenzen
a. Herkunft des Begriffs und liturgische Evolution
Der Begriff Sequenz leitet sich von lateinisch sequor („folgen“) ab, da sie aufgrund ihrer Position direkt auf das „Halleluja“ folgt. Ein Mönch aus St. Gallen, Notker Balbulus, beschrieb, wie er die Sequenz erfand: Er begann, Wörter unter bestimmte lange Melismen zu schreiben, um sich die Melodie besser einprägen zu können.
Schon früh löste sich die Sequenz von den liturgischen Gesängen und entwickelte sich zu einer autonomen Kompositionsform. Zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert entstanden hunderte Sequenzen in ganz Europa. Sie übten einen erheblichen Einfluss auf die Abläufe und zeitgenössischen Formen der weltlichen Musik aus. Einige Sequenzen, wie beispielsweise das Dies irae, sind in ihrer Form eng mit der Hymne verwandt.
b. Merkmale und das strophische Prinzip des Parallelismus
Als eigenständige Form des Gregorianischen Chorals weist die Sequenz folgende Funktionen und Merkmale auf:
- Die Organisation des Textes erfolgt in Linienpaaren, die gelegentlich von ungeraden Sätzen durchsetzt sind.
- Die Verse jeder Strophe wurden mit derselben Melodie gesungen, wobei jedes Paar eine eigene Melodie und unterschiedliche Länge aufweist.
- Die Linienpaare nehmen in der Silbenzahl bis zu einer Grenze zu, nach der sie wieder abfallen. Die längsten Linien entsprechen in der Regel dem Beginn der Melodie sowie dem Höhepunkt an musikalischer Ausdruckskraft und Spannung.
Dieses Prinzip ist als strophischer Parallelismus bekannt und steht in engem Zusammenhang mit weltlichen Musikgenres. Der Aufbau basierte auf parallelen Versen, was durch die musikalische und literarische Verdoppelung die Länge der Komposition erweiterte. Diese Amplitude ist dem Genre angeboren; sie ähnelt den Hymnen, ist jedoch komplexer als die einfache Erweiterung durch wiederholende Verse.
Die Strophenform des Paares erschien im 9. Jahrhundert und verbreitete sich in den Jahrhunderten XI, XII und XIII. Die ersten Zentren dieser Kompositionsform waren St. Gallen, St. Martial und Winchester.
Weitere Merkmale:
- Der melodische Stil besitzt einen Charakter, der zwischen rezitativisch und melismatisch schwankt.
- Die Auslegung folgte einer repetitiven Struktur oder einem Wechselgesang (Antwortpsalm). Möglicherweise wurde sie durch Instrumente wie die Orgel oder die Geige begleitet.