Sicherheit auf See und Grundlagen der Navigation

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Sicherheit auf See

Verhalten bei schlechtem Wetter

Wind und Wasser:

Definition: Jede Crew muss basierend auf ihrer Erfahrung, der Situation und dem Boot ihre Sicherheitsgrenzen kennen. Es gibt keine allgemeine Definition dafür, wann man auf „schlechtes Wetter“ trifft.

Trimm und Stabilität: Bei schlechtem Wetter sollte das Schiff so getrimmt sein, dass Stampfen, Rollen und gefährliche Wellenbegegnungen minimiert werden, um die Stabilität nicht zu gefährden.

  • Rollen (Balance): Die Querbewegung des Bootes (Seitwärtsneigung). Diese Bewegung kann sehr heftig sein, wenn die See von der Seite kommt, was vermieden werden sollte.
  • Stampfen (Kopf): Die Längsbewegung, bei der Bug oder Heck in die Wellen schlagen (Slamming). Dies tritt auf, wenn die Wellen von vorne oder hinten kommen; die Intensität nimmt zu, je spitzer der Winkel zur Welle ist.
  • Überkommende See: Als Folge von Wellenbewegungen kann Wasser an Bord gelangen. Im Allgemeinen ist es besser, die Wellen mit dem Bug zu nehmen, da so weniger Wasser in die Plicht gelangt.
  • Stabilität nicht gefährden: Gefährliche Situationen sollten vermieden werden, da sie die Stabilität des Schiffes beeinträchtigen. Ein sicherer Kurs führt meist über den Bug oder das achtern liegende Viertel gegen die See.

Begriff der Stabilität: Die Querstabilität ist die Tendenz des Schiffes, sich wieder aufzurichten. Die Längsstabilität ist der Widerstand des Schiffes gegen Trimmänderungen.

Aufbrechen von Synchronisation: Dies geschieht durch Änderung der Geschwindigkeit oder des Kurses.

  • Transversal: Wenn die Rollperiode des Schiffes der Wellenperiode entspricht, kann es zu gefährlichen Aufschaukelungen kommen. In diesem Fall muss der Kurs geändert werden.
  • Longitudinal: Wenn die Stampfperiode mit der Wellenfolge synchronisiert ist, muss die Geschwindigkeit angepasst werden.

Verwendung von Trimmklappen: Wenn ein Boot bei hoher Geschwindigkeit dazu neigt, mit dem Heck einzusinken, reduzieren Trimmklappen am Heckspiegel diesen Effekt hydraulisch und bringen das Schiff in eine horizontale Lage.

Sicherheitsmaßnahmen an Bord bei schlechtem Wetter

  • Bullaugen und Luken prüfen: Bei schlechtem Wetter müssen alle Öffnungen geschlossen sein, damit kein Wasser ins Innere dringt.
  • Lüftungsschlitze prüfen: Der Verschluss hängt von der Schwere des Wetters ab.
  • Speigatten prüfen: Diese müssen frei sein, damit Wasser nach Lee abfließen kann.
  • Sonstige Öffnungen: Alle Öffnungen, durch die das Boot fluten könnte, müssen überprüft und ggf. geschlossen werden.
  • Stauung und Laschen: Die Ladung muss ordentlich verstaut sein, um den Schwerpunkt nicht gefährlich zu verändern. Alles muss fest verzurrt sein (Laschen). Die Stauung sollte nach dem Prinzip „Last-in-First-out“ erfolgen. Das Schiff muss „seeklar“ gemacht werden.
  • Bodenventile schließen: Alle Seeventile müssen geschlossen werden, außer jenen, die für den Maschinenbetrieb notwendig sind.
  • Kursplanung (Reiseweg): Der Weg von A nach B muss vor der Abfahrt unter Berücksichtigung von Risiken, Reserven, Strömung und Wind geplant werden.
  • Abwettern: Den Sturm mit dem Bug im Wind aussitzen, bis er nachlässt. Die Maschine wird nur zur Steuerung genutzt. Segelboote gehen beigedreht in die „Beiliegewartestellung“.
  • Laufen vor dem Sturm: Wenn der Sturm zu stark zum Aufkreuzen ist, läuft man mit dem Wind (vor dem Laken). Manöver müssen schnell und präzise erfolgen.
  • Gefahr der Leeküste: Eine Küste in Lee ist bei Sturm extrem gefährlich, da man darauf getrieben wird. Man muss versuchen, in den Windschatten eines Felsens zu gelangen, zu ankern oder Hilfe zu rufen.

Treibanker: Eine trichterförmige Membran, die über das Heck (oder den Bug) ausgebracht wird, um das Schiff stabil im Wind zu halten und die Driftgeschwindigkeit zu reduzieren.

Manöver bei Gewitterböen: Eine Böe ist ein abruptes Wetterphänomen. Die Dichtigkeit des Schiffes muss gewährleistet sein. Man muss auf plötzliche Windzunahme und Sichtverlust vorbereitet sein. Die Crew muss Rettungswesten anlegen.

Schutz vor Gewittern und Einfluss auf den Kompass

Gewitter können elektrische Geräte beschädigen. Elektronik sollte ausgeschaltet werden. Ein Blitzableiter ist ratsam. Nach einem Einschlag muss der Magnetkompass auf Ablenkung geprüft werden.

Navigation bei geringer Sicht

Sichtminderungen entstehen durch Nebel, Schnee, Starkregen oder Dunkelheit.

  • Vorsichtsmaßnahmen bei Nebel: Geschwindigkeit drosseln, Schallsignale geben, Lichter einschalten, Radarüberwachung intensivieren und einen sicheren Kurs steuern.
  • Radarreflektor: Ein Metallkörper (meist acht Tetraeder), der das Schiff auf dem Radar anderer Schiffe sichtbar macht. Er sollte hoch montiert werden.
  • Verkehrsreiche Gebiete meiden: Bei schlechter Sicht Kanäle und Schifffahrtsstraßen meiden. Erhöhte Wachsamkeit ist Pflicht.
  • Nachtnavigation: Rundum-Wachsamkeit, Sicherheitsgurte an Deck verwenden, präzise Navigation, Funkbereitschaft auf Kanal 16.

Navigation in flachen Gewässern

Flachwasser sollte gemieden werden. Falls nötig: Geschwindigkeit reduzieren, Echolot überwachen, Seekarte genau prüfen, Anker bereitmachen und auf Brandung achten.

Sicherheitsausrüstung nach Zonen (4, 5 und 6)

Historischer Text vor Gesetzesänderung

Kategorie C: Schiffe bis 12 Meter, bis 25 Meilen Küstenabstand. Ausrüstung: Kompass, Fernglas, Navigationsbesteck, Seekarten, Nebelhorn, Flagge, Taschenlampe, Signalspiegel, Radarreflektor, Rettungswesten, Rettungsring mit Licht, 6 Raketen, 6 Fackeln, Pütz, Lenzpumpen, Verbandskasten, UKW-Funk.

Anpassung an aktuelle Gesetzgebung

Die Ausrüstung richtet sich nach den Zonen 4 (12 Meilen), 5 (5 Meilen) und 6 (2 Meilen).

  • Rettungswesten: 100 % der Personen an Bord. Zone 4: 150N (CE), Zone 5/6: 100N (CE).
  • Pyrotechnik: Zone 4 benötigt 6 Raketen, 6 Fackeln und 1 Rauchsignal. Zone 5/6 benötigt 3 Fackeln.
  • Ankergeschirr: Die Leinenlänge sollte mindestens das Fünffache der Bootslänge betragen. Die Kettenvorlauf-Länge entspricht mindestens der Bootslänge.

Feuerlöscher-Vorgaben

Länge < 10m (Kabine)1x Typ 21B
10m - 15m1x Typ 21B
15m - 20m2x Typ 21B
20m - 24m3x Typ 21B

Zusätzlich abhängig von der Motorleistung (kW). Feuerlöscher müssen leicht zugänglich sein. Bei Benzinmotoren ist eine feste Löschanlage im Motorraum empfohlen.

Notfälle auf See

1 Unfälle und Erste Hilfe

  • Allgemein: Ruhe bewahren, Verletzten aus der Gefahrenzone bringen, schnell handeln.
  • Wunden: Desinfizieren und verbinden.
  • Blutungen: Arterielle Blutungen (hellrot, pulsierend) durch Druckverband oder Abbinden stoppen.
  • Verbrennungen: Kühlen, nicht aufstechen, steril abdecken.
  • Bewusstlosigkeit: Stabile Seitenlage.
  • Medizinische Funkberatung: Über UKW oder Telefon Kontakt zum Medical Center aufnehmen.

2 Mann-über-Bord-Manöver (MOB)

  • Prävention: Rutschfestes Schuhwerk, Lifelines und Gurte (besonders nachts).
  • Sofortmaßnahmen: Ruf „Mann über Bord!“, Rettungsmittel zuwerfen, Ausguck halten, Position im GPS markieren (MOB-Taste), Notruf (PAN PAN) absetzen.
  • Manöver: Butakow-Manöver (70° Drehung, dann Gegenkurs) oder die Q-Wende.
  • Unterkühlung (Hypothermie): Bei Körpertemperatur unter 35°C tritt Verwirrung ein, unter 31°C Bewusstlosigkeit. Den Patienten langsam erwärmen.

3 Technische Störungen

Bei Ruderausfall muss die Notpinne verwendet werden. Ist das Ruderblatt gebrochen, kann ein „Notruder“ (z. B. aus einem Paddel oder Eimern) improvisiert werden.

4 Schleppen

Die Schleppleine muss elastisch und ausreichend lang sein. Kursänderungen und Geschwindigkeitswechsel müssen sehr sanft erfolgen (max. 10 Knoten).

5 Kollision (Haverei)

Sofort stoppen, Lecks prüfen, Hilfe leisten. Alle Daten für den „Seeprotest“ und die Versicherung protokollieren.

6 Unfreiwilliges Auf Grund laufen

Schäden prüfen (Leckage), Gewichtsverteilung ändern, auf Flut warten oder sich freischleppen lassen. Stabilität bei Ebbe beachten.

7 Wassereinbruch

Lecks finden und abdichten (mit Pfropfen, Matten oder Lecksegeln). Lenzpumpen aktivieren. Die Motor-Kühlpumpe kann im Notfall als zusätzliche Lenzpumpe genutzt werden.

8 Brandschutz

Risikofaktoren: Sauerstoff, Brennstoff, Wärme. Löschmethoden: Kühlen (Wasser), Ersticken (CO2/Pulver), Entzug von Brennstoff.

Navigation

Theoretische Kenntnisse

1 Erdachse, Pole und Koordinatensystem

  • Pole: Nord- und Südpol.
  • Äquator: Teilt die Erde in Nord- und Südhalbkugel.
  • Meridiane: Längenhalbkreise von Pol zu Pol. Nullmeridian ist Greenwich.
  • Breiten- und Längengrade: Breite (l) von 0-90° N/S, Länge (L) von 0-180° E/W.

2 Seekarten

Seekarten enthalten Informationen über Küstenverläufe, Tiefen (Sonden), Bodenbeschaffenheit und Seezeichen. Maßstäbe variieren von Generalkarten (Ozean) bis zu Portolanen (Häfen).

5 Maßeinheiten

  • Seemeile (sm): 1852 Meter (entspricht einer Bogenminute auf dem Meridian).
  • Knoten (kn): Geschwindigkeit von einer Seemeile pro Stunde.

8 Magnetische Deklination (Missweisung)

Der Winkel zwischen geografischem Nord und magnetischem Nord. Dieser Wert ändert sich jährlich und muss anhand der Angaben in der Seekarte aktualisiert werden.

11 Gesamtkorrektur (Ablenkung und Missweisung)

Die Gesamtkorrektur (Ct) ist die Summe aus Missweisung (dm) und der schiffsspezifischen Ablenkung (Abl/Dev). Formel: Rv = Ra + Ct (Rechtweisender Kurs = Magnetkompasskurs + Gesamtkorrektur).

14 Wind und Strömung

  • Abdrift: Versetzung des Schiffes durch Wind.
  • Beschickung durch Strom: Versetzung durch Wasserbewegung. Der resultierende Weg über Grund (KüG) weicht vom Kurs durchs Wasser (KdW) ab.

15 Peilungen

Eine Peilung ist der Winkel zu einem Objekt. Deckpeilungen (zwei Objekte in einer Linie) sind die genauesten Standlinien zur Positionsbestimmung.

Übungen in der Seekarte

Beinhaltet das Eintragen von Koordinaten, Messen von Distanzen, Kursberechnungen unter Berücksichtigung von Wind und Strom sowie die Positionsbestimmung durch Kreuzpeilungen.

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