Sophisten und Sokrates: Erkenntnis, Wahrheit und Ethik

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Die Sophisten: Erkenntnis, Wahrheit und Recht

Die Frage, die die Sophisten beschäftigte, war die Möglichkeit der menschlichen Erkenntnis, die Natur der Wahrheit und die Definition des Rechts. Das Denken der Sophisten war das Ergebnis des Versagens der Physik im vorsokratischen Denken. Während die Vorsokratiker versuchten, den Logos durch die Physis zu erklären, konzentrierten sich die Sophisten auf die menschliche Welt (Mikrokosmos), da die physikalische Welt (Makrokosmos) als unerkennbar erschien.

Protagoras: Der Mensch als Maß aller Dinge

Nach Protagoras versucht der Mensch, die Realität subjektiv zu erfassen. Deshalb ist es völlig unmöglich, ein universelles Kriterium für die Wahrheit zu akzeptieren. Man kann nur von Wahrheit »relativ« sprechen. Da dieser Begriff irreführend ist, wird oft der Begriff »Gewissheit« (Certeza) bevorzugt.

Gorgias: Die Macht des Wortes

Gorgias akzeptierte keinen Standard der absoluten Wahrheit. Für Gorgias ist das Wort das, was Realität erschafft, sodass nur das existiert, was ausgesprochen werden kann.

Soziale Geltung und Ethik

Die Sophisten untersuchten die Werte, die der sozialen Geltung von Gesetzen, Sitten und allgemeinen Normen zugrunde liegen. Sie argumentierten, dass die stärkste Entwicklung von Standards jenen zugutekommt, die davon profitieren. Interesse, Bequemlichkeit und Leistung sind die einzigen Säulen, auf denen das soziale Gefüge ruht.

  • Der Sophist Kallikles sagte, dass Regeln aus Angst von den Starken zugunsten der Schwachen etabliert wurden.
  • Hippias und Antiphon verteidigten die Gleichheit der Menschen. Sie sagten, dass wir von Natur aus alle gleich sind, ob wir Hellenen oder Barbaren, da wir alle die gleiche Luft atmen.
  • Nach Kritias war es notwendig, Götter zu erfinden, um soziale Normen durchzusetzen. Die Götter wurden also von uns geschaffen.

Sokrates: Kritik am Relativismus und die Suche nach universeller Wahrheit

Sokrates entwickelte eine kritische Haltung gegenüber dem Relativismus, Skeptizismus und der Ethik der Sophistik.

Die Existenz universeller Standards

Sokrates sagt, dass es eine universelle Wahrheit gibt, die für alle Individuen gilt und die unsere Seele von Ewigkeit her durchdringt. Wenn der Mensch – wie Protagoras meint – das Maß aller Dinge ist und Werte wie Schönheit, Gerechtigkeit oder Güte je nach Subjekt variieren, würde die menschliche Fähigkeit zur Erkenntnis annulliert.

Sokrates ist überzeugt, dass universelle Standards der Gültigkeit existieren. Durch die Anwendung der Vernunft im Denkprozess können wir alle zum selben Ergebnis gelangen. Wahrheit, Güte, Gerechtigkeit und Schönheit sind zwar schwierig zu erreichen, aber sie existieren und bilden die Grundlage jeder menschlichen Gesellschaft.

Moralischer Intellektualismus

Die Aufgabe der Philosophie besteht darin, diese Konzepte mit Strenge zu definieren und dadurch Individualismus, Verwirrung und mangelnde Kommunikation zu überwinden. Sokrates lehrt, dass Fehler und das Böse das Ergebnis von Unwissenheit sein müssen. Diese Lehre wird als Moralischer Intellektualismus bezeichnet und identifiziert Tugend (Arete) mit Wissen.

Arete zeigt nun eine neue, moralisierende Dimension der Tugend. Sokrates vertritt die Ansicht, dass logisches Denken zur moralischen Wahrheit führt. Wer am besten weiß und nicht von Leidenschaften beherrscht wird, wird das Beste wählen.

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