Die soziale Frage und die Industrielle Revolution

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Die Entstehung der modernen Klassengesellschaft

Die neue Klassengesellschaft entstand aus der Französischen Revolution, welche die Dominanz der Stände im Ancien Régime beendete und Ideen der Gleichheit sowie Freiheit verkündete. In den industriellen Gesellschaften entstanden daraufhin die ersten sozialen Bewegungen. Der Kampf der Bourgeoisie basierte auf einem ideologischen Denken, das darauf abzielte, die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bedingungen zu ändern. Faktoren der Industriellen Revolution trugen dazu bei, dass die Bourgeoisie ihre Forderungen durchsetzte. Die Arbeitnehmer hingegen sahen die Ursache ihrer Armut in einer Gesellschaft, die von den Interessen der Arbeitgeber dominiert wurde. Aus dieser Notwendigkeit heraus entstand die frühe Arbeiterbewegung.

Gesellschaftliche Veränderungen und politische Philosophie

Die gesellschaftlichen Veränderungen vollzogen sich auf theoretischer Ebene (Kritik an den Gütern) und praktischer Ebene (Abschaffung des Feudalismus). Die politische Philosophie und die Wirtschaftstätigkeit identifizierten Faktoren, welche die Transformation von der Ständegesellschaft hin zu einer Klassengesellschaft vorantrieben.

Soziale Klassen und die führende Elite

Im 19. Jahrhundert bauten die herrschenden Klassen die neue Elite auf. In Westeuropa verlor der Adel zwar einige Privilegien, behielt jedoch einen Teil seiner wirtschaftlichen Macht durch ländliche oder städtische Liegenschaften. Durch die Teilnahme an Business-Projekten und dem Bankwesen verband er sich mit der aufstrebenden Bourgeoisie. In England verlängerte der Adel seine politische Macht in hohen Ämtern der Staatsverwaltung, im diplomatischen Korps und in der Armee.

Die Rolle der Bourgeoisie im Stadtzentrum

Das Stadtzentrum wurde zum Ort, an dem die Bourgeoisie ihre beherrschende Stellung festigte, was gleichzeitig eine Quelle von Konflikten und Ungleichheiten darstellte. Man unterschied verschiedene Schichten:

  • Großbürgertum: Kontrollierte Banken, Industrie- und Handelskammern sowie Regierungsbeamte des Staates.
  • Bürgerliche Akademiker: Techniker, Beamte und Wissenschaftler.
  • Kleinbürgertum: Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen, Handwerker und Angestellte.

Die Bourgeoisie war kultiviert, effizient und generierte neue Ideen. Am Ende des Jahrhunderts erreichte sie ihr wichtigstes revolutionäres Ziel: Die Kontrolle über die Hebel der Staatsmacht in Großbritannien, Frankreich, Belgien, den USA und den skandinavischen Ländern.

Die Situation der Bauernschaft und des Proletariats

Die Bauernschaft war die soziale Gruppe, die am wenigsten vom Ende des feudalen Systems profitierte. Es gab kaum reale Änderungen; viele arbeiteten Hand in Hand mit der Industrie oder wurden in das kapitalistische System als Lohnarbeiter integriert, woraufhin viele in die Städte abwanderten.

Das Proletariat war eine neue Klasse und ein direktes Produkt der Industriellen Revolution. Die Gesellschaft teilte sich in Arbeitgeber und Arbeitnehmer, in „neue Reiche“ und „neue Arme“, die als Ergebnis neuer Produktionsformen entstanden.

Vorfälle und Konflikte der sozialen Bewegungen

Die neuen industriellen Beziehungen führten zu Konflikten, die durch zwei Merkmale gekennzeichnet waren: Erstens durch Unruhen und gewaltsame Aufstände gegen die Strukturen früherer Perioden, und zweitens durch neue Konfliktformen wie Streiks, um Arbeitsrechte zu erstreiten. Die Arbeitskämpfe nahmen zu, als den Arbeitern bewusst wurde, dass die Produktion stieg, während ihr eigenes Wohlergehen durch Überbelegung und miserable Lebensbedingungen sank. Erste Proteste während der Französischen Revolution führten dazu, dass die Nationalversammlung ein Gesetz (Loi Le Chapelier) verabschiedete, welches Arbeitervereinigungen und Koalitionen für illegal erklärte.

Die Ursprünge der Arbeiterbewegung in England

Der soziale Konflikt infolge der Industrialisierung führte zur Geburt der Arbeiterbewegung in England. Die Ziele waren eine populäre Demokratie und der Kampf für Arbeiterwohlfahrt. Drei Faktoren waren entscheidend: Der Luddismus (sozialer Protest), die Bildung von Gewerkschaften und die politische Reaktion zur Bejahung einer Reformbewegung. Die Combination Acts regelten Prozesse und sahen drastische Strafen gegen Assoziationismus vor. Robert Owen förderte neue Arten von Genossenschaftsbanken, deren Mission der Verkauf und Austausch von Waren zwischen Kooperativen war. Staatlicher Druck, wie der Reform Act, limitierte jedoch die Expansion dieser Gruppen auf rein lokale Verbände.

Luddismus: Der Protest gegen die Maschinen

Beim Luddismus konkurrierten Maschinen mit den Arbeitern, was zur Ersetzung von Arbeitskräften führte. In England kam es zu Unruhen, bei denen Maschinen zerstört wurden. Das Parlament reagierte mit Gesetzen, die die Zerstörung von Anlagen mit der Todesstrafe (Capital Punishment) bedrohten. Der Name leitet sich von Ned Ludd ab, einem Weber, der aus Protest die Maschinen seines Patrons zerstörte.

Unionismus und die ersten Gewerkschaften

Der Unionismus kämpfte gegen Gesetze, die Personengesellschaften verboten und die Rechte der Arbeiter einschränkten. Das niedrige Bildungsniveau und die Notwendigkeit, die eigene Arbeitskraft zu jedem Preis zu verkaufen – was oft dazu führte, dass auch Frauen und Kinder in Fabriken arbeiten mussten – lösten heftige Unruhen aus. Die ersten Gewerkschaften entstanden im Untergrund als Produktions- und Konsumgenossenschaften zur gegenseitigen Hilfe. Diese Gewerkschaften verfolgten Ziele wie die Stärkung des Rechts und wirtschaftlichen Protektionismus. Erst 50 Jahre später erkannte das englische Parlament das Recht auf Gewerkschaftsbildung dauerhaft an.

Der Chartismus und die politische Beteiligung

Die arbeitenden Klassen erkannten durch den Chartismus, dass wirtschaftliche Forderungen allein nicht ausreichten. Sie richteten ihre Aktivität auf politisches Handeln und parlamentarisch-demokratische Beteiligung aus. Die Chartistenbewegung organisierte Kampagnen und Demonstrationen zur Verteidigung ihrer Rechte. Die erste Demonstration fand im Kontext einer schweren kommerziellen Krise und Arbeitslosigkeit statt. Das Scheitern der Chartistenbewegung lag an der Konfrontation zwischen dem Parlament und den Anführern. Eine zweite Welle unter Feargus O'Connor, einem Anhänger radikaler Methoden, gründete die erste politische Arbeiterpartei und veröffentlichte einen zweiten Brief, der vom Parlament erneut abgelehnt wurde.

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