Soziale Unruhen, CNT und bewaffnete Konflikte in Katalonien
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Soziale Unruhen und bewaffnete Konflikte
Die Bildung einer neuen Gewerkschaftsbewegung
Anfang des 20. Jahrhunderts kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Ursachen und Konfliktfelder waren unter anderem:
- der Verlust des kubanischen Marktes,
- die Erneuerung von Maschinen,
- Rationalisierung und Abbau von Arbeitsplätzen,
- der Ersatz weiblicher Arbeitskräfte,
- Kämpfe um die Erhaltung von Arbeitsplätzen,
- die Verringerung der Arbeitszeit,
- Forderungen nach einer menschenwürdigen Entlohnung.
Dieser Kampf kommt im Generalstreik in Barcelona (1902) zum Ausdruck. Die Arbeitgeber zeigten Unnachgiebigkeit und setzten Repression ein. Daraus entstand das Bestreben, starke Gewerkschaften zu schaffen.
Die Bildung einer neuen Gewerkschaftsbewegung
1907 wurde die Solidaridad Obrera gegründet, eine Föderation sehr unterschiedlicher Gewerkschaften, die vor allem in Barcelona wichtig war. 1911 entstand die nationale Arbeiterkonföderation (CNT), die in Katalonien zur hegemonialen Kraft des Verbandswesens wurde. Sie entwickelte sich zu einer revolutionären und anarchistischen Gewerkschaftsbewegung, die den Generalstreik als Mittel einsetzte.
Die CNT formulierte drei zentrale Prinzipien:
- die Unabhängigkeit des Proletariats gegenüber der Bourgeoisie,
- die Notwendigkeit, Arbeitnehmer zu organisieren,
- der Wunsch, den Kapitalismus zu stürzen.
Wichtige Persönlichkeiten der Bewegung waren Salvador Seguí, Ángel Pestaña und Joan Peiró.
Die CNT und der sogenannte kanadische Streik
Beim CNT-Kongress in Sants (1918) gewann die Organisation an Stärke durch die Vereinigung aller Arbeitnehmer. Die CNT bekräftigte ihren Apolitizismus und verteidigte direkte Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern.
1919 begann eine starke „vaguistische“ Bewegung, die in der Firma Barcelona Traction, Light and Power Co. (dem sogenannten "kanadischen" Unternehmen) ihren Ausgang nahm. Der sogenannte kanadische Streik dauerte einen Monat und ein halbes und lähmte Barcelona. Der Streik endete, nachdem die Armee die Fabriken besetzt und die Arbeiter militarisiert hatte. Vereinbarungen mit den Arbeitgebern umfassten:
- Wiedereinstellung Entlassener,
- Freilassung von Gefangenen,
- Lohnerhöhungen,
- Einführung des 8-Stunden-Arbeitstags.
Die Jahre der Bewaffneten
Das Versprechen, Gefangene zu befreien, scheiterte; darauf folgten erneute Streiks und starke Repressionen, die zu einer Radikalisierung der Positionen führten. Die militärischen Behörden übernahmen die Kontrolle über Katalonien; es herrschte ein Ausnahmezustand zwischen 1919 und 1922.
Der gewerkschaftliche Aktivismus artete in heftige Angriffe gegen Behörden, Arbeitgeber und Strafverfolgungsorgane aus. Die Arbeitgeber reagierten mit Bewaffneten: von ihnen beauftragte Banden ermordeten Gewerkschaftsführer und zogen durch Orte, um eine neue, arbeitgeberfreundliche Gewerkschaftsstruktur zu fördern.
Der Zivilgouverneur von Barcelona, Martínez Anido, duldete bzw. förderte die bewaffneten Männer zum Schutz der Arbeitgeber. Diese übten starke Repressionen gegen Gewerkschafter aus und setzten in der Praxis die sogenannte Ley de Fugas ein. Die Aktionen der Bewaffneten breiteten sich in Barcelona zwischen 1917 und 1922 aus; es gab etwa 800 Anschläge.
Die Zerlegung des politischen Systems
Das Versagen der Regierungen offenbarte sich in der Krise von 1917: Liberale, Konservative und reformistische Katalanisten konnten keine stabile Regierungsmehrheit bilden. Regierungen blieben kurzlebig, weil die Parteien bei der geringsten Krise ihre Unterstützung zurückzogen. 1919 endete damit faktisch die dynastische Zeit und die politische Instabilität setzte sich fort.
Die Kampagne für Autonomie
1918 startete die Regionalistischen Liga (Lliga) eine Kampagne zur Verteidigung einer größeren Autonomie für Katalonien. Dieser Vorschlag spaltete Opposition und Regierung: die Zusammenarbeit der Liga in Koalitionsregierungen bedeutete nicht automatisch mehr Autonomie.
Die Liga unterstützte jedoch weiterhin die Regierung, um die gesellschaftliche Ordnung aufrechtzuerhalten. Die radikaleren katalanischen Nationalisten und linkes, radikales Spektrum formierten sich als neue Einwände gegen die Haltung der Liga.
Katalanische Parteien und Abspaltungen
- Katalanische Aktion (1922): Abspaltung von der Liga; führende Figuren: Antoni Rovira i Virgili, Lluís Nicolau d'Olwer.
- Katalanische Republikanische Partei (1917): vertrat eine katalanische Volksposition und stand der Arbeiterbewegung nahe; prominente Vertreter: Francesc Layret, Lluís Companys.
- Katalanischer Staat (1922): forderte Unabhängigkeit; zentrale Figur: Francesc Macià.
Hinweis: Die genannten Ereignisse, Organisationen und Personen beziehen sich auf die sozialen und politischen Konflikte in Katalonien in der Zeit vom frühen 20. Jahrhundert bis in die frühen 1920er Jahre. Namen und Begriffe wurden orthografisch und grammatikalisch korrigiert, ohne Inhalte zu entfernen.