Sozialer Wandel in Spanien im frühen 20. Jahrhundert
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Der soziale Wandel
Die ländliche Welt
Infolge der langsamen spanischen Industrialisierung behielt der ländliche Raum im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Präsenz im wirtschaftlichen und sozialen Leben bei.
Die Großgrundbesitzer
Ländlicher Grundbesitz wurde als Quelle des Wohlstands und als soziales Statussymbol betrachtet. Unter den Großgrundbesitzern lassen sich drei Gruppen unterscheiden:
- Der alte Adel, der sein Vermögen durch den Kauf neuer Flächen vergrößerte.
- Die finanzstarke ländliche Bourgeoisie erwarb Immobilien mit der Absicht, ihre Investitionen zu diversifizieren, behielt aber ihren Wohnsitz in den großen Städten bei.
- Die Agrar-Bourgeoisie lebte in ländlichen Gebieten und Kleinstädten; sie stammte von ehemaligen Eigentümern oder Pächtern ab, die ihren Reichtum durch Einziehungen vergrößerten.
Die Landbesitzer genossen großen Einfluss; aus dieser Gruppe rekrutierte sich ein Großteil des Personals der Politik und der öffentlichen Verwaltung.
Die Bauern
Die Zahl der spanischen Bauern war zurückgegangen. Innerhalb dieser sozialen Gruppe gab es deutliche Unterschiede je nach ihrer Beziehung zum Land: Einige waren Eigentümer (mittlere und kleine), andere Pächter, und es gab eine Masse von Arbeitern. Die Lage der Bauern hing von den bestehenden Eigentumsverhältnissen in den verschiedenen Regionen Spaniens ab. In Galicien herrschte die Untervermietung von Immobilien vor. In Katalonien waren die Bauern Eigentümer oder Pächter. In der Extremadura hatten die Yunteros großes Gewicht, und in Andalusien gab es eine massive Präsenz von Tagelöhnern (Jornaleros). 160 Kinos.
Die städtische Gesellschaft
Das Anwachsen der städtischen Klassen markierte Spaniens Eintritt in die Geschichte der sogenannten Massengesellschaft. In Spanien war die industrielle Bourgeoisie relativ klein und umfasste vor allem die katalanische Textilindustrie und die baskische Stahlindustrie. Durch die industrielle Entwicklung im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wuchs die Bedeutung dieser Gruppe, was zur Stärkung der Mittelschicht beitrug. Zur wirtschaftlichen Entwicklung in den Bereichen Finanzen und Verwaltung gehörte auch das Wachstum des Mittelstandes, insbesondere der sogenannten „Weißen Kragen“ (Angestellte), die in Geschäften und Banken tätig waren, sowie Beamte und Freiberufler. Die Zahl der Industriearbeiter hatte sich als Folge der industriellen Entwicklung und der Landflucht erhöht. Die meisten Mitarbeiter konzentrierten sich auf bestimmte Gebiete. Ihre Lebensbedingungen waren besser als die der Landarbeiter. Dennoch verursachten wirtschaftliche Krisen mit steigenden Preisen und Arbeitslosigkeit Proteste und zunehmende soziale Unruhen.
Neue Formen der sozialen und urbanen Kultur
Die Entwicklung der Städte und die Gestaltung einer modernen Massengesellschaft brachten die Einführung neuer sozialer Werte, neuer Formen der Geselligkeit und Freizeit sowie den Zugang zu Kultur für breite Schichten mit sich. Es kam zur Verbreitung neuer Fahrzeuge und zum Wachstum der Massenmedien. Eine der wichtigsten Änderungen war die Verbesserung der beruflichen Qualifikation der Spanier: Die Zahl der Analphabeten sank, und das Bildungswesen wurde ausgebaut. Die gestiegene Lesefähigkeit führte zu einer größeren Nachfrage nach kultureller Unterhaltung. Die Daten deuteten auf eine moderate Entwicklung des Leseverhaltens hin. Die Verbesserung der technischen Mittel ermöglichte die Ausweitung der Presse. So entstand eine Massenpresse, die Meinungen bildete, kritische Argumente verbreitete und die allmähliche Bildung einer unabhängigen öffentlichen Meinung begünstigte. Es verbreiteten sich neue bürgerliche Vereinigungen. In den Städten florierten Casinos unter den reicheren Klassen, während das Lyzeum oder Volkshäuser bei anderen sozialen Gruppen beliebt waren. Die Praxis des Wanderns und des Sports breitete sich aus. Die Leidenschaft für Sport als Unterhaltung griff im frühen 20. Jahrhundert mit der Entstehung der großen spanischen Fußballvereine um sich. Die wichtigste der neuen Entwicklungen war die TV-Unterhaltung. Im Mai 1896 sah Spanien seinen ersten Film, und im Jahr 1914 verfügte Barcelona bereits über mehr