Sozio-kulturelle Dimensionen und das Health Belief Model
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Die sozio-kulturellen Dimensionen gesundheitsbezogener Verhaltensweisen
Marshall H. Becker gilt als maßgeblicher Autor in diesem Fachbereich.
2.1. Bedeutung des Glaubenssystems über Gesundheit
Die Verbreitung von Selbstmedikation, der Konsum von Medikamenten auf eigene Initiative, die Ablehnung therapeutischer oder medizinischer Ernährung sowie Widerstände gegen präventives Verhalten sind Faktoren, die nicht allein durch die Effizienz oder Wirksamkeit des Gesundheitssystems erklärt werden können. Oft mangelt es an der Fähigkeit, die gesundheitlichen Bedürfnisse der Nutzer korrekt zu interpretieren.
Menschen haben eigene, mehr oder weniger korrekte Vorstellungen darüber, wie sie gesund bleiben oder Krankheiten heilen können. Wissenschaftliche Studien zeigen eine komplexe Konstellation von Einstellungen und Verhaltensweisen, die oft irrational oder fehlerhaft erscheinen, aber eine beständige Struktur aufweisen. Diese „Glaubenswelt“ interagiert ständig mit der Schulmedizin.
Das Gesundheitssystem durchdringt den Alltag der Menschen durch seine Codes, Sprache und Normen. Ein Beispiel hierfür ist die Beobachtung, dass die Medikamentengabe bei Kindern oft direkt proportional zum Medikamentenkonsum der Mutter steht.
Abgesehen von akuten Krankheitsphasen, in denen die Entscheidungsgewalt des Patienten reduziert ist, leben viele Menschen in einem Spannungsfeld zwischen ärztlichem Rat und eigenen Überzeugungen. Das „Glaubenssystem“ zur Gesundheit ist eng mit Werten, Normen und Wissen verknüpft. Während Lebensbedingungen einen direkten Einfluss auf den Gesundheitszustand haben, erklären sie oft wenig über die individuellen Motivationen. Das Glaubenssystem existiert bereits vor dem ersten Kontakt mit dem institutionellen Gesundheitssystem.
2.2. Das Health Belief Model (HBM)
Um die Faktoren zu verstehen, die autonomes und individuelles Handeln bei gesundheitlichen Problemen beeinflussen, wurden verschiedene Verhaltensmodelle entwickelt. Diese umfassen ein breites Spektrum, von der Nachfrage nach professioneller Beratung bis hin zu spezifischen Präventionsmaßnahmen.
In diesen Modellen spielt die subjektive Interpretation von Symptomen eine zentrale Rolle. Ein Symptom fungiert als Reiz, der den Einzelnen zu einer Kosten-Nutzen-Analyse zwingt. Zu den Kosten zählen:
- Angst und Sorge vor der Krankheit
- Beeinträchtigung des täglichen Lebens
- Soziale Missbilligung
Das Health Belief Model (HBM) basiert im Wesentlichen auf fünf Faktoren:
- Prädisposition: Wahrgenommene Anfälligkeit für Krankheiten.
- Schweregrad: Einschätzung der Schwere der Erkrankung.
- Hindernisse: Barrieren bei der Durchführung empfohlener Maßnahmen.
- Vorteile: Nutzen der empfohlenen Maßnahmen.
- Stärkung: Elemente, die das Verhalten fördern.
Für eine Entscheidung zu präventivem Verhalten ist eine Kosten-Nutzen-Analyse notwendig, die sich auf ein persönliches Problem bezieht. Das Modell lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Wahrgenommene Bedrohung (Anfälligkeit + Schweregrad) + (Vorteile - Hindernisse) = Wahrscheinlichkeit präventiven Verhaltens.
Das HBM ist wie folgt geregelt:
- a) Bereitschaft: Hängt davon ab, wie sehr das Individuum seine Anfälligkeit und die Schwere der Folgen einschätzt.
- b) Bewertung: Die Abwägung der Durchführbarkeit und Wirksamkeit der Prävention gegenüber physischen, psychischen und wirtschaftlichen Barrieren.
Die Entscheidung für Präventivmaßnahmen beinhaltet zudem eine Abwägung von Anreizen, die sowohl intern als auch extern sein können.