Spanien im 16. Jahrhundert – Karl V. und Philipp II | Politik, Kriege, Reformen
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UNIT 6 - Spanien im 16. Jahrhundert: Karl V. und Philipp II
UNIT 6. - Spanien im 16. Jahrhundert. Herrschaft Philip II und Karl V.
Während des 16. Jahrhunderts entstand in Spanien mit den Habsburgern eine neue Dynastie, die bis ins 17. Jahrhundert regierte. Die Könige des 16. Jahrhunderts werden oft als die älteren Habsburger (Karl V. und Philipp II.) bezeichnet; das 17. Jahrhundert wird manchmal als Epoche der jüngeren Habsburger (Austrias) beschrieben. Diese Einteilung hängt damit zusammen, dass Spanien im 16. Jahrhundert zu einem Reich wurde, das in Europa Hegemonie anstrebte.
Die Herrschaft Karls V. (1516–1555): Weltreich und Ziele
Die Herrschaft Karls V. 1516–1555. Das Weltreich Karls V.
Karl V. (geboren 1500 in Gent/Flandern) war Sohn von Juana la Loca und Philipp dem Schönen. Einen Großteil seiner Jugend verbrachte er in Flandern. Er erbte aus verschiedenen Linien ein enormes Territorium:
- Vom Vater (Philipp dem Schönen): die Niederlande (Niederlande, Flandern, Luxemburg), Artois, Franche-Comté, Charolais und Ansprüche auf das Herzogtum Burgund.
- Von der Mutter (Juana): Kastilien, Navarra, die Kanarischen Inseln und die Besitzungen in Amerika.
- Vom Großvater Ferdinand (Aragoner Linie): Aragonien, Katalonien, Valencia, die Balearen, Sizilien, Sardinien und Neapel.
- Vom Großvater Maximilian (östliche habsburgische Linie): Österreich, Tirol, verschiedene Gebiete im Heiligen Römischen Reich und das Recht, zum Kaiser gewählt zu werden.
Zentrales Ziel Karls V. war die Schaffung eines universalen christlichen Reiches und die Abwehr der osmanischen Expansion. Der militärische und politische Einsatz des Kaisers war breit gefächert; entscheidend war die Unterstützung, die er vor allem aus Kastilien erhielt.
Innenpolitische Spannungen: Die Rebellionen in Kastilien
Peninsulare Konflikte: Die Rebellion der Comunidades
Die Revolución de las Comunidades (Revolte der Comunidades) in Kastilien (1520–1521) richtete sich gegen die Politik Karls V. Karl kam 1517 nach Spanien und wurde von einer Gruppe niederländischer Großer begleitet. Zu Beginn seiner Herrschaft verlangten die Cortes unter anderem die Vereidigung als König, die Einberufung der Cortes in Valladolid (1518) und Zusagen bezüglich Amtssprache und Residenz:
- Beherrschung des Kastilischen (castellano).
- Residenz in Kastilien (Residir en Castilla).
- Keine Übertragung von Adelprivilegien an Ausländer.
Weil die Cortes Karl kein Geld bewilligten, erklärte Karl seinen Eid andernorts und reiste nach Aragonien und Katalonien. Als man ihn 1520 in Santiago de Compostela um Geld bat, übte man Druck aus; Kastilien blieb unter der Regierung des Großkanzlers Adriano von Utrecht, was schließlich zur Unzufriedenheit in vielen Städten führte (Toledo, Segovia, Salamanca). Die Obrigkeit entzog vielen Adeligen Ämter; in den Städten bildeten sich Komitees (Santa Junta), die zahlreiche Städte Kastiliens verbanden und teilweise die Unterstützung von Juana la Loca suchten.
Die Bewegung radikalisierte manche Forderungen (z. B. Abschaffung gewisser Privilegien, Steuerfragen), verlor aber nach und nach Unterstützung. In der Schlacht von Villalar (1521) wurden die Comuneros entscheidend geschlagen; ihre Führer wurden hingerichtet und der Aufstand endete. Eine wichtige Konsequenz war der Machtverlust vieler kastilischer Städte gegenüber dem König.
Valencia und die Germanías (Germania-Bewegung)
Valencia und die Germanías auf den Balearen
Die Bewegung der Germanías entstand 1520 in Valencia und auf den Balearen aus mehreren Gründen:
- Gefühl der Geringschätzung seitens Karls V. gegenüber Valencia und den Balearen.
- Missbräuche durch die Vizekönige bzw. königliche Behörden, besonders gegenüber Handwerkern.
- Antifeudale Strömungen in den Städten und wachsender Einfluss städtischer Arbeiter und Angehöriger der Zünfte.
In Valencia entstand eine germania (Bruderschaft), die eine bewaffnete städtische Miliz zur Verteidigung gegen Piraten und zur Gegenwehr gegen missliebige Autoritäten bildete. Die Germanías vertrieben in mehreren Städten die königlichen Behörden und nahmen beispielsweise die Burg von Xàtiva. Die Bewegung wurde schließlich niedergeschlagen: Führer wurden hingerichtet, und die Erhebung erstreckte sich auch auf Mallorca, wo zunächst Adelige vertrieben wurden; eine marine Expedition beendete die Aufstände. Die Hauptstädte (Valencia, Alicante, Palma) durchliefen daraufhin eine Krise, die sich über Jahrzehnte auswirkte.
Außenpolitik Karls V.: Kriege gegen Frankreich
Außenpolitik. Krieg mit Frankreich.
Die Auseinandersetzungen mit Frankreich verfolgten zwei Hauptziele: europäische Hegemonie und Kontrolle wichtiger Territorien, besonders in Italien. Während der Herrschaft Karls V. kam es zu mehreren Kriegsphasen:
- Erster Krieg (1521–1526): Anlass war die Wahl Karls zum Kaiser und die Konkurrenz zwischen Franz I. von Frankreich und Heinrich VIII. von England. Schlüsselfrage war die Kontrolle über Mailand, Grenzen in Flandern und Ansprüche auf Burgund. In der entscheidenden Schlacht von Pavia (1525) wurde Frankreich geschlagen; Franz I. geriet in Gefangenschaft und wurde nach Kastilien gebracht, wo er zum Frieden von Madrid (1526) gezwungen wurde – doch nach seiner Freilassung erfüllte Frankreich die Bedingungen nicht.
- Zweiter Krieg (1526–1529): Frankreich formte die Liga von Cognac (mit Venedig, Florenz und dem Papst) gegen die Habsburger. 1527 kam es zur Plünderung Roms, was das politische Klima in Italien weiter destabilisierte. Der Krieg endete mit dem Frieden von Cambrai (1529), auch "Friede der Damen" genannt.
- Dritter Krieg (1536–1538): erneute Feindseligkeiten, u. a. wegen Savoyen; endete mit dem Waffenstillstand von Nizza (1538).
- Vierter Krieg (1542–1544): erneute Kämpfe an der Grenze Flanderns; endete mit dem Frieden von Crépy (1544).
- Fünfter Krieg (1552–1556): unter Heinrich II. von Frankreich kam es wieder zu Kriegszügen; die Konflikte zogen sich fort und mündeten später in weitere Auseinandersetzungen bis zur Versöhnung.
Konflikte mit dem Osmanischen Reich
Umgang mit dem Osmanischen Reich.
Das Osmanische Reich setzte seine Expansion fort und drang in Südosteuropa vor. Nach der Schlacht bei Mohács und dem Eindringen in Ungarn schlossen sich die Türken in der Folgezeit auch die Türkenbelagerungen Wiens an (1529). Die osmanische Flotte und ihre Verbündeten (Berber-Piraten) bedrohten den Handel im Mittelmeer und griffen spanische Küsten an. Karl V. führte mehrere Expeditionen gegen die Barbaresken und gegen osmanische Stützpunkte durch: Eine Expedition nach Tunis (1535) war erfolgreich; eine andere gegen Algier (1541) scheiterte.
Die Reformation und Auseinandersetzung mit den protestantischen Fürsten
Konfrontation mit den deutschen lutherischen Fürsten. Luthers Reformation.
Die Reformation Martin Luthers (1517: 95 Thesen) veränderte das religiöse Gefüge Westeuropas grundlegend. Luther lehrte, dass die Rechtfertigung des Christen allein durch den Glauben und nicht durch Werke erfolgt. Seine Lehren verbreiteten sich vor allem in den nördlichen deutschen Territorien und fanden Unterstützung bei vielen Fürsten, die auch die Säkularisierung kirchlicher Güter befürworteten.
Das Heilige Römische Reich war zunehmend gespalten: der Norden tendierte zum Protestantismus (Lutheraner) und der Süden blieb mehrheitlich katholisch. Karl V. versuchte zwischen Katholiken und Lutheranern zu vermitteln, scheiterte jedoch in vielen Versuchen. Das Edikt von Worms (1521) verurteilte Luther und verbot seine Lehre, doch die evangelischen Fürsten akzeptierten dies nicht. Die Spannungen führten zu bewaffneten Auseinandersetzungen (z. B. Schmalkaldischer Krieg). Schließlich zwang die Fortdauer des Konflikts Karl V. zu Kompromissen; der Augburger Religionsfrieden (1555) erlaubte den Fürsten, die Religion ihres Territoriums zu bestimmen (cuius regio, eius religio).
Die Herrschaft Philipp II. (1556–1598)
Die Herrschaft von Philip II. 1555–1598. Innen- und Außenpolitik.
Innenpolitik: Morisken, Aragon und der Fall Antonio Pérez
In der Innenpolitik Philipps II. spielten Fragen der religiösen Einheit und der zentralen Verwaltung eine große Rolle. In Granada gab es nach der Eroberung verbliebene muslimische Bevölkerungsteile (Morisken), deren Lage und spätere Umsiedlungen und Vertreibungen zu sozialen Spannungen führten (wiederkehrende Aufstände wie die Alpujarras-Rebellion).
Ein weiterer innenpolitischer Konflikt betraf Aragonien: Antonio Pérez, ein früherer persönlicher Sekretär Philipps II., wurde beschuldigt (u. a. des Mordes an Escobedo) und floh nach Aragon, wo er Schutz beim Justicia von Aragon suchte und teilweise Privilegien in Anspruch nahm. Die Sache führte zu Unruhen in Zaragoza; Philipp reagierte mit militärischer Intervention, die Rebellion wurde hart unterdrückt. Pérez floh nach Frankreich; einige der führenden Aragoner wurden hingerichtet. Philipp behielt letztlich die königlichen Rechte, schränkte aber die Macht des Justicia ein.
Finanzielle Probleme des Reiches
Imperiale finanzielle Probleme.
Philipp II. erbte die enorme Staatsverschuldung seines Vaters. Einnahmequellen des Reiches waren u. a. indirekte Steuern, königliche Einkünfte, die Quinto real (Fünftel) aus den Reichtümern Amerikas, Zölle, Subsidiensummen der Cortes, inländische öffentliche Verschuldung, Auslandskredite und Zinszahlungen. Die Ausgaben betrafen Hof, Verwaltung und das stehende Heer.
Philipp suchte neue Einnahmequellen, führte neue Kreditmechanismen ein und nutzte den Verkauf von öffentlichen Ämtern (oft erblich). Trotz dieser Maßnahmen blieben die finanziellen Probleme bestehen. Während seiner Regierungszeit kam es zu mehreren Staatsbankrotten (beispielsweise 1557, 1575 und 1596) und zu wiederholten Umschuldungen, Aussetzungen von Tilgung und Zinsen sowie Fristverlängerungen bei Rückzahlungen.
Außenpolitik von Philipp II.
Philipp II. setzte die Außenpolitik seines Vaters fort, verschärfte aber Konflikte insbesondere mit England und in den Niederlanden. Chronologisch lassen sich die wichtigsten Politikfelder wie folgt gliedern:
Umgang mit Frankreich
Konflikte mit Frankreich und Schlachten wie San Quintín.
Um Frankreich zu isolieren, heiratete Philipp II. Maria I. Tudor von England (katholisch), was das Bündnis mit England stärkte und die Wollhandelsbeziehungen mit Flandern sicherte. Der Krieg mit Frankreich in den 1550er Jahren endete mit wichtigen spanischen Siegen (Schlacht von San Quintín, Schlacht von Gravelines). Der anschließende Frieden von Cateau-Cambrésis (1559) bestätigte die spanische Vorherrschaft in verschiedenen umstrittenen Gebieten (Artois, Franche-Comté, Mailand, Neapel) und beinhaltete dynastische Elemente wie die Heirat Philipp II. mit Elisabeth von Valois, Tochter des französischen Königs. Philipp unterstützte die Katholiken in den französischen Religionskriegen.
Annexion Portugals
Die Eingliederung Portugals in die spanische Krone (1580).
Nach dem Tod des portugiesischen Königs Sebastian in der Schlacht von Alcácer-Quibir (1578) entstand eine Thronkrise. Philipp II. beanspruchte die Krone aufgrund familiärer Ansprüche (seine Mutter war Isabella von Portugal). 1580 ließ er spanische Truppen unter dem Herzog von Alba in Portugal einmarschieren; in den Cortes von Tomar (1581) wurde Philipp zum König von Portugal gewählt. Dadurch erhielt Philipp nicht nur Portugal, sondern auch dessen Kolonialbesitzungen in Afrika, Indien, Brasilien und Asien. In der Verwaltung blieben oft portugiesische Gouverneure und Beamte erhalten.
Konfrontation mit dem Osmanischen Reich und Lepanto
Kampf gegen das Osmanische Reich. Schlacht von Lepanto.
Philipp erbte den Konflikt mit dem Osmanischen Reich und den berberischen Korsaren, die den Mittelmeerhandel bedrohten und spanische Küsten angriffen. Nach mehreren Expeditionen formierte sich die Heilige Liga (Papst, Spanien, Venedig u. a.), deren Flotte unter Don Juan von Österreich 1571 in der Schlacht von Lepanto die türkische Flotte entscheidend schlug. Dieser Sieg schwächte die Seemacht der Osmanen, auch wenn die Bedrohung im Mittelmeer langfristig bestehen blieb.
Der Aufstand der Niederlande
Der Aufstand in den Niederlanden und die Unabhängigkeitsbewegung.
Die habsburgischen Niederlande (Flandern und die nördlichen Provinzen) gerieten unter Philipp II. in Aufruhr aus drei wesentlichen Gründen:
- Religion: Im Norden verbreitete sich der Calvinismus (radikaler als der lutherische Protestantismus), während der Süden katholisch blieb und die Inquisition hier Verfolgung betrieb.
- Politik: Gouverneure und Vizekönige wurden oft mit kastilischen Adligen besetzt, was Unmut bei der einheimischen Elite hervorrief.
- Wirtschaft: Die Region war wirtschaftlich sehr bedeutend (Handwerk, Handel, Textilindustrie), und die niederländische Mittelschicht leistete Widerstand gegen Eingriffe von außen.
1566 brach die Rebellion aus: Kathedralen wurden angegriffen, die Inquisition gebrandmarkt und königliche Behörden vertrieben. Philipp II. ernannte den Herzog von Alba zum Statthalter; dieser führte mit großer Härte Truppen (die "Tercios") und setzte den Rat der Blutgerichte ein (auch "Blutrat" genannt), um Aufstände zu unterdrücken. Diese Gewaltmaßnahmen verstärkten den Widerstand im Norden, wo sich die Provinzen unter Führung von Wilhelm von Oranien (Guillermo Orange) zusammenschlossen. Der Süden (katholisch) näherte sich teils Spanien wieder an und bildete die Union von Arras, während die nördlichen Provinzen die Union von Utrecht bildeten und schließlich ihre Unabhängigkeit erklärten (Vereinigte Provinzen), wovon der Krieg mit Spanien fortgesetzt wurde.
Umgang mit England: Die Armada
Konflikt mit England und die spanische Armada.
Nach dem Tod von Maria Tudor wurde Elisabeth I. Königin von England; sie verfolgte eine protestantische Staatskirche und unterstützte privatistische Angriffe auf spanische Schiffe durch Freibeuter (z. B. Francis Drake). Dies verschärfte die Feindschaft zwischen England und Spanien. Als Konsequenz plante und entsandte Philipp 1588 die sogenannte spanische Armada gegen England, die jedoch scheiterte und als Wendepunkt in den spanisch-englischen Auseinandersetzungen gilt. Der andauernde See- und Handelskonflikt mit England blieb für Spanien in dieser Zeit ein zentrales Problem.
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