Spanien im 19. Jahrhundert: Bevölkerung, Industrie und Gesellschaft

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Jahrhundert: Bevölkerungswachstum und Ursachen

Im neunzehnten Jahrhundert kam es zu einem deutlichen Bevölkerungswachstum (DE11, 5 Millionen A18, 6). Wichtige Faktoren waren steigende Geburtenraten und sinkende Sterblichkeitsraten, bessere Ernährung und höhere Lebensqualität, die Lebenserwartung sowie Fortschritte in Gesundheit und Medizin.

Regionen mit besonders starkem Bevölkerungswachstum waren Katalonien, Valencia, Murcia, Asturien und das Baskenland.

Landflucht und Urbanisierung

Viele Bauern verließen das Land und zogen in städtische Gebiete. Ursachen dafür waren Mechanisierung, die Abschaffung feudaler Rechte und die Konzentration des Grundbesitzes. Später emigrierten viele auch nach Kuba oder in das lateinamerikanische Ausland.

Die städtische Bevölkerung wuchs langsam, während die ländliche landwirtschaftliche Bevölkerung abnahm.

Liberale Reformen und ihre Folgen

Die liberale Reformbewegung richtete sich gegen das seigneuriale Regime und förderte die Auflösung dieses Systems. Die Gesetze zielten darauf ab, Landbesitz neu zu ordnen. Die Mehrheit der Landarbeiter lebte in ärmlichen Verhältnissen, weshalb sich viele Menschen frühzeitig in Armut befanden und migrierten.

Frühe Industrialisierung und Textilbranche

Bis etwa 1830 war die Textilindustrie mit der Installation von Spinnmaschinen mechanisiert worden. Kohle wurde zunehmend benötigt; Wasserkraft an Flüssen wurde ebenfalls genutzt. Die Schwerindustrie kam nur langsam in Gang, da Koks zu teuer war und die Qualität der heimischen Kohle oft gering war.

Im Baskenland nahm die Industrie dank des Ausbaus des Eisenbahnnetzes zu.

Hindernisse für die Industrialisierung

  • Geringe Kaufkraft der Bevölkerung
  • Mangel an Investitionen
  • Transportprobleme und schlechte Infrastruktur
  • Schwache Anbindung an den europäischen Handel durch das Verkehrsnetz

Bergbau, Fremdfinanzierung und Eisenbahn

Wichtige Bergbauvorkommen und Standorte waren:

  • Blei: Linares, La Carolina
  • Kupfer: Riotinto
  • Quecksilber: Almadén
  • Zink: REOC

Viele dieser Bergwerke wurden durch ausländische Unternehmen mittels Fremdfinanzierung betrieben. Der Ausbau eines Eisenbahnnetzes musste lange warten, bis 1855 mit der Ley General de Ferrocarriles erste Grundlagen geschaffen wurden. Die Notwendigkeit eines schnellen Ausbaus wurde durch den Binnenhandel und den Bedarf an Rohstofftransporten angeregt.

Das Layout der Infrastruktur, insbesondere die Ausrichtung auf Madrid, behindert gelegentlich den Handel mit Europa.

Neue Energiequellen und industrielle Entwicklungen

Neue Energiequellen und Technologien veränderten die industrielle Produktion:

  • Elektrizität ermöglichte weitere Mechanisierung und reduzierte Produktionskosten
  • Öl und die Erfindung des Verbrennungsmotors förderten neue industrielle Anwendungen
  • Fortschritte in Metallurgie und Chemie

Die Industrie verteilte sich in Spanien auf Regionen wie Madrid, Baskenland, Asturien und Valencia. Wirtschaftlich stieg Spanien insgesamt, blieb jedoch regional stark ungleich in der Verteilung des Reichtums. Der Großteil der Industrieansiedlungen erfolgte in Katalonien.

Soziale Schichten und Eigentumsverhältnisse

Die dominierenden Klassen und Machthaber des 19. Jahrhunderts waren Grundbesitzer und Adel, die zwar an Macht verloren, aber großen Landbesitz behielten und weiterhin wichtige gesellschaftliche Rollen ausübten. Hinzu kamen die neuen Industriellen, Großunternehmer und Bankiers, die wirtschaftlichen Einfluss gewannen.

Arbeiterbewegungen und politische Organisation

Die ersten Arbeitervereinigungen entstanden unter den Textilarbeitern. In Barcelona bildeten sich frühe Verbände (teixidors, assocació), die darauf abzielten, die Arbeitszeit zu verkürzen, Löhne zu erhöhen und das Recht auf Vereinigungsfreiheit für die Arbeiter zu sichern.

Während der Zeit demokratischer Reformen verbreiteten sich Ideen des Marxismus und des Anarchismus. Der Anarchismus fand besonders in Katalonien und in Teilen Andalusiens starken Zulauf unter Arbeitern und Bauern.

Gewerkschaften und politische Parteien

Die Solidarität der Arbeitnehmer führte zur Gründung nationaler Gewerkschaften und konfessioneller Verbände. In Spanien entstanden u. a.:

  • Die Anarchistische Bewegung mit starkem Einfluss in Katalonien
  • Der nationale Arbeiterkonföderation und andere Gewerkschaften
  • Die sozialistische Arbeiterbewegung in Asturien, Baskenland und Madrid
  • Gründung von PSOE (Spanische Sozialistische Arbeiterpartei) und UGT (Unión General de Trabajadores)

Diese Entwicklungen prägten die sozialen und politischen Konflikte in Spanien im 19. Jahrhundert nachhaltig.

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