Spanien 1900–1931: Gesellschaft, Wirtschaft und Krise 1917

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Spanien im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts

Die Krise von 1917

Punkt 3) In Spanien im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts: Gesellschaft und Wirtschaft. Die Krise von 1917.

1. Einleitung: Politische Situation

Der spanische politische Situation im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts war von Instabilität geprägt. Im Jahr 1902 wurde Alfonso XIII zum König gekrönt. Seine Regierungszeit dauerte bis 1931. Im Großen und Ganzen hatte diese Periode folgende Charakteristika:

  • Der König griff in das politische System ein. In seinen Tagebüchern beabsichtigte Alfonso XIII, ein aktiver Monarch zu sein und nicht nur eine rein repräsentative Rolle zu spielen.
  • Bis 1923 waren staatliche Veränderungen konstant und oft nur Reaktionen auf Eingriffe des Königs.
  • Die Parteien zeigten keine klare Führung. In der ersten Dekade spielten Persönlichkeiten wie Maura und Canalejas eine wichtige Rolle; Canalejas schien autoritativ, doch nach seiner Ermordung und dem Rücktritt Mauras verlor die Parteienlandschaft an Stabilität und parteiübergreifende Persönlichkeiten hatten oft wenig Gewicht.
  • Eine militärische Niederlage verschärfte die Krise: Die Katastrophe von Annual (in Marokko) stellte eine deutliche Niederlage der spanischen Armee gegen die Truppen von Abd el-Krim dar. Es gab Forderungen nach Untersuchungen zur Verantwortung militärischer Führer wie Berenguer und sogar des Königs Alfonso XIII.
  • Die Diktatur von 1923–1930: Die Diktatur Miguel Primo de Riveras wurde von der königlichen Macht unterstützt, etabliert und geschützt.
  • Zunahme antipluralistischer Bewegungen: Anti-Parteien-Strömungen gewannen an Bedeutung, vom extremen rechten Flügel über fundamentalistische Gruppen bis hin zu Bewegungen für Republikanismus. Gleichzeitig erstarkten Organisationen der Arbeiterbewegung, sowohl anarchistische als auch sozialistische Gruppen.

Schließlich wurde im Jahre 1931 die Zweite Republik ausgerufen.

2. Wirtschafts- und soziale Strukturen

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern war Spanien zu Beginn des 20. Jahrhunderts weitgehend landwirtschaftlich geprägt. Über 70 % der Bevölkerung arbeitete im primären Sektor, während die Industrie etwa 15 % der Bevölkerung beschäftigte. Der tertiäre, also der Dienstleistungssektor, nahm die restlichen rund 15 % der Arbeitskräfte ein. Diese Verteilung spiegelte eine wirtschaftliche Verlangsamung wider.

In der Landwirtschaft stagnierten traditionelle Kulturen wegen mangelnder technischer Mittel. Außerdem bestanden strukturelle Probleme im Land: Großgrundbesitz in der südlichen Hälfte Spaniens und Kleinbetriebe im Norden. Die Industrie konzentrierte sich im Baskenland, in Madrid und in Katalonien. Sie hatte durch den Verlust der Kolonien Marktanteile verloren und war in vielen Bereichen in Europa nicht konkurrenzfähig, weshalb staatlicher Schutz erforderlich erschien.

Die räumliche Konzentration der Industrie führte zu ernsthaften Ungleichgewichten im Einkommen und Vermögen pro Kopf zwischen verschiedenen Regionen.

Die Gesellschaft wies deutliche Unterschiede gegenüber anderen europäischen Staaten auf: Die Analphabetenrate lag um 1900 bei über 60 % der Bevölkerung, gegenüber etwa 25 % in Frankreich. Es gab große soziale Unterschiede zwischen den Schichten; so erlaubte das sogenannte Quinto-System (oder das Los- und Ersatzsystem) die Befreiung vom Wehrdienst gegen Zahlung einer Gebühr.

Die Oberschicht bestand aus Adel, Großgrundbesitzern, der industriellen Bourgeoisie und der politischen Elite. Das Bürgertum war sehr klein und setzte sich aus Kleinbesitzern, Beamten und Freiberuflern zusammen. Die untere Klasse repräsentierte die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung und bestand aus Industriearbeitern, Fabrikarbeitern, Dienstleistungsarbeitern und Kleinbauern. Die Arbeitstage waren hart — manchmal bis zu 14 Stunden — und die Löhne waren niedrig. In diesem Kontext ist es nicht verwunderlich, dass soziale Bewegungen revolutionärer Anarchisten und Sozialisten zum Ausbruch von Unruhen beitrugen.

3. Die Tragische Woche

Ein Beispiel, das die Verschlechterung der sozialen Probleme widerspiegelt, ist die Tragische Woche in Barcelona im Jahr 1909. In dieser Stadt gab es eine starke anarchistische Bewegung und republikanische Strömungen, die präsent waren.

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