Spaniens demografischer Wandel: Geburten, Sterblichkeit, Alterung
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Das aktuelle demografische Regime in Spanien
Seit 1975 ist das demografische Regime in Spanien durch niedrige Geburtenraten und Sterblichkeit sowie ein geringes natürliches Wachstum gekennzeichnet.
Niedrige Geburtenraten seit 1975
Der Rückgang der Geburtenrate setzte in Spanien später und abrupter ein als im übrigen Westeuropa. Die Geburtenrate lag 1998 bei 1,15 und stieg bis 2004 leicht auf 1,32. (Zum Vergleich: 2,1 ist das Minimum, um den Generationswechsel sicherzustellen.)
Trotz der Einwanderung gab es keine deutliche Erholung, da die spanische Bevölkerung seit 1975 ein malthusianisches Verhalten beibehält.
Ursachen des Geburtenrückgangs
Verschiedene Faktoren haben zu dieser Entwicklung beigetragen:
- Wirtschaftliche Krisen: Die Krise ab 1975 führte zu Arbeitslosigkeit und verzögerte das Heiratsalter, was die fruchtbare Zeit der Frauen verkürzte.
- Unsicherheit seit den 1980er Jahren: Unsichere Arbeitsverträge und hohe Preise für Kauf- und Mietwohnungen erschweren es jungen Erwachsenen, sich zu emanzipieren, was ebenfalls die fruchtbare Zeit verkürzt.
- Mangelnde Infrastruktur: Der Mangel an Teilzeit-Arbeitsplätzen und bezahlbarer Kinderbetreuung verschärft die Situation.
- Mentalitätswandel (Transición Democrática 1975): Die Kirche verlor an Einfluss, was die Verbreitung von Verhütungsmitteln und die Legalisierung der Abtreibung in bestimmten Fällen begünstigte.
- Veränderte Lebensmodelle: Die Eingliederung von Frauen in den Arbeitsmarkt verschiebt das gebärfähige Alter. Es entstehen neue Familienformen abseits der Ehe und mit weniger Kindern.
- Veränderte Bewertung von Kindern: Ein höheres Kultur- und Lebensniveau führt dazu, dass Kinder heute eher als Ausgaben und Hingabe betrachtet werden. Familien sind kleiner, da Eltern bessere Lebensbedingungen bieten möchten.
Niedrige Sterblichkeit und steigende Lebenserwartung
Die Sterblichkeit verharrt auf niedrigem Niveau (8,7 ‰ im Jahr 2004). Seit 1981 ist jedoch ein Anstieg zu verzeichnen, der auf die Alterung eines großen Teils der Bevölkerung zurückzuführen ist.
Die Lebenserwartung ist gestiegen: Im Jahr 2004 betrug sie für Frauen etwa 83 Jahre und für Männer 75 Jahre.
Wandel der Todesursachen
Die Bedeutung von Infektionskrankheiten nimmt ab, während die sogenannten CCC (Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs und Verkehrsunfälle) zunehmen. Aufgrund der alternden Bevölkerung steigen auch die Fälle von Alzheimer und Demenz.
Kindersterblichkeit
Die Kindersterblichkeit, insbesondere die Neugeborenensterblichkeit, ist niedrig (3,99 ‰ im Jahr 2004). Sie kann durch medizinischen Fortschritt weiter reduziert werden.
Unterschiede in der Sterblichkeit
Der Rückgang der Sterblichkeit variiert nach Geschlecht und Beruf:
- Geschlecht: Die Lebenserwartung von Frauen ist höher, was auf ihre größere biologische Stärke und einen traditionell gesünderen Lebensstil zurückzuführen ist. Männer neigen eher zu risikoreichen Berufen und ungesunden Gewohnheiten (z. B. übermäßiger Konsum von Alkohol oder Tabak). Diese Unterschiede verringern sich jedoch durch die zunehmende Gleichstellung der Geschlechter.
- Beruf und Status: Die Sterblichkeit ist in Berufen mit geringerer Anerkennung und niedrigem Status höher. Die oberen Schichten haben nicht nur eine geringere Sterblichkeit, sondern auch Zugang zu besseren Gesundheitsdienstleistungen.
Geringe natürliche Vermehrung und Prognose
Die aktuelle natürliche Vermehrung ist aufgrund der niedrigen Geburten- und Sterblichkeitsraten sehr gering (0,09 ‰ im Jahr 2004).
Das Nationale Statistikinstitut (INE) erwartet eine anhaltende Stagnation der Geburten, eine fortschreitende Alterung und eine erhöhte Sterblichkeit, da große biologische Kohorten die Altersgrenze von 65 Jahren überschreiten. Die aktuellen Trends werden sich demnach fortsetzen.