Das Spanische in Amerika: Entwicklung und Merkmale

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Das Spanische in Amerika

In den spanischsprachigen Ländern Amerikas nutzen die Sprecher verschiedene Varianten des Kastilischen. Dies ist auf den Prozess der Hispanisierung zurückzuführen, der mit der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 begann. Wesentliche Faktoren für die Untersuchung der sprachlichen Wirklichkeit sind das kastilische Substrat, die ethnische Zugehörigkeit der Ureinwohner und die Einführung einer kastilischen Sprache, die bereits stark dialektal geprägt war.

Geografische Unterschiede

In Spanisch-Amerika gibt es eine Kluft zwischen:

  • Kaltes Hochland: Hier siedelten vorwiegend Kastilier. Die Vokale sind schwach, und unbetonte Binnenvokale neigen dazu, zu verschwinden.
  • Heißes Flachland: Hier siedelten vorwiegend Andalusier. Die Konsonanten stehen im Vordergrund, wobei es häufig zur Schwächung oder zum Verlust des s kommt.

Phonetische Merkmale

In der Phonetik ist der „andalusische“ Eindruck bei den Spanischsprechern in Amerika deutlich. Sie teilen mit dem Andalusischen folgende Eigenschaften:

  • Seseo und Yeísmo
  • Aspiration oder Verlust des s am Silben- oder Wortende
  • Verwechslung von r und l
  • Aspiration des h, das ursprünglich aus dem lateinischen f hervorging

Diese Ähnlichkeit zwischen dem Andalusischen und dem amerikanischen Spanisch könnte auf eine unabhängige Entwicklung in beiden Gebieten oder auf einen echten andalusischen Einfluss zurückzuführen sein. Heute geht man davon aus, dass wahrscheinlich ein starker andalusischer Einfluss während der frühen Besiedlung stattfand.

Morphologie: Der Voseo

Das morphologische Hauptmerkmal ist jedoch der Voseo. Dies bezeichnet die Verwendung von vos anstelle von im Umgang mit vertrauten Personen oder Untergebenen. In manchen Kreisen wird dies als Vulgarismus empfunden und im Schulunterricht bekämpft.

  • Vos: Familiär
  • Tú: In beiden Fällen gebräuchlich
  • Usted: Ausdruck von Respekt

Lexikon und Wortschatz

Der Wortschatz der spanischsprachigen Amerikaner stimmt im Wesentlichen mit dem in Spanien überein, obwohl es natürlich regionale Unterschiede gibt. In abgelegenen Gebieten Amerikas ist das gesprochene Spanisch oft konservativ; viele Wörter, die in Spanien bereits veraltet sind, gelten dort als Archaismen.

Gleichzeitig ist das amerikanische Spanisch oft durchlässiger für Neologismen als das Spanisch in Spanien, insbesondere durch den anglo-amerikanischen Einfluss und die Zuwanderung aus vielen verschiedenen Ländern.

Zukunft der sprachlichen Einheit

Trotz der bestehenden Einheit des Kastilischen zwischen dem Festland und Amerika gibt es eine große Besorgnis bzw. das Bestreben, dass diese Situation und die gegenseitige Verständlichkeit fortbestehen.

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