Die Spanische Arbeiterbewegung: Von der Klassengesellschaft zur AIT

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Sozialer Wandel und die Entstehung der Klassengesellschaft

Das wichtigste Merkmal dieser Periode ist das allmähliche Verschwinden der Ständegesellschaft und ihre Ersetzung durch eine Klassengesellschaft, die auf Eigentum und Gleichheit vor dem Gesetz basiert. Diese neue Struktur ermöglichte eine viel größere soziale Mobilität, sei es durch geschäftlichen Erfolg, administrative Karrieren oder vor allem militärische Laufbahnen.

Die herrschende Oberschicht setzte sich aus der Landoligarchie (Großgrundbesitz) sowie hohen Beamten und Militärs zusammen. Darunter entstanden städtische Mittelschichten, die jedoch zahlenmäßig begrenzt waren (kleine ländliche und städtische Grundbesitzer, Beamte etc.). Die ländliche Bevölkerung stellte die Mehrheit. Schließlich entstand eine kleine, aber wachsende Gruppe von Industriearbeitern.

Lebens- und Arbeitsbedingungen der Industriearbeiter

Die Arbeiterklasse konzentrierte sich in industrialisierten Gebieten (Barcelona, Madrid und Málaga). Die Arbeiterviertel waren von unhygienischen Bedingungen geprägt. Die Arbeitszeiten waren exzessiv, und die Arbeiter wurden ausgebeutet. Frauen und Kinder mussten arbeiten. Sie litten unter Berufskrankheiten, Infektionskrankheiten und sozialer Not. Ein weiteres großes Problem war der hohe Analphabetismus.

Erste Organisationen und Utopischer Sozialismus (Isabella II)

Während der Regierungszeit von Isabella II. traten die ersten Manifestationen der Arbeiterbewegung auf. Diese äußerten sich zunächst in Luddismus (Zerstörung von Maschinen), wobei kleine Handwerker die Maschinen für den Verlust ihrer Kaufkraft verantwortlich machten.

Es wurden Gegenseitige Hilfsgesellschaften (Mututa Aid Societies) gegründet, in denen sich Arbeiter desselben Gewerbes trafen, um ihre Forderungen durch Streiks zu verteidigen. Es trat auch der Utopische Sozialismus in Erscheinung, eine heterogene Gruppe von Lehren der Sozialreform (z. B. ideale Gemeinschaften).

Es wurde ein begrenztes Arbeitsgesetz eingeführt, das Kinderarbeit regelte. Ab 1863 wurden die Arbeiterbewegung und ihre republikanischen Gewerkschaftsführer in das politische Leben des Landes eingeführt.

Die Arbeiterbewegung im Sexenio Democrático (1868–1874)

Anarchismus vs. Marxismus und die AIT

Während des Sexenio Democrático (Sechs Jahre der Revolution) orientierte sich die Arbeiterbewegung stark an anarchistischen Prinzipien, nachdem Fanelli 1868 nach Spanien gekommen war. Der Anarchismus lehnte politische Partizipation und die Existenz des Staates ab und vertrat eine deutlich antiklerikale Haltung.

Aufgrund der Distanz der Arbeiter zu den bürgerlichen Parteien triumphierte die anarchistische These innerhalb der AIT (Internationale Arbeiterassoziation). Die marxistische These hingegen verband die soziale Emanzipation der Arbeiter mit ihrer politischen Emanzipation und legte den Fokus nicht auf die religiöse Frage.

Wichtige Ereignisse der Internationalen Arbeiterassoziation (AIT)

  • 1869: Beteiligung der Arbeitnehmer an der föderalistischen Bewegung.
  • 1870: Erster Kongress der spanischen Sektion der Internationalen in Barcelona. Die Föderation wurde von der Gruppe „Sozialistische Demokratie“ dominiert und erhielt eine anarchistische Orientierung.
  • 1871: Paul Lafargue (marxistisch) versuchte, einen Sektor in Madrid zu gründen.
  • 1872: Der Kongress von Saragossa spaltete die sozialistischen Marxisten ab, die daraufhin die Neue Madrider Föderation gründeten. Die Bewegung blieb jedoch überwiegend anarchistisch.

Die Ausrufung der Ersten Republik beinhaltete eine Reihe von städtischen und ländlichen Bewegungen. Es gab eine Beteiligung an den Kantonen. Im Jahr 1874 wurde die AIT nach dem Staatsstreich von Pavía für illegal erklärt. Insgesamt begann in diesem Zeitraum die eigentliche Organisation und Bewusstseinsbildung der Arbeiterbewegung.

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