Spanische Barockliteratur: Góngora, Quevedo & Lazarillo
Eingeordnet in Spanisch
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 3,6 KB
Spanische Barockdichter
Luis de Góngora (1561–1627)
Luis de Góngora schrieb Gedichte, die als cultos bekannt sind. Er gilt als der größte Vertreter des Culteranismo, eines Stils, der formale Schönheit durch den Klang der Worte und die Fülle stilistischer Mittel anstrebt. In seinen Sonetten behandelt er Themen wie das Carpe Diem, moralische Fragen und die Liebe. Zudem verwendet er Satire, um andere Schriftsteller seiner Zeit zu kritisieren. Seine populären Romanzen und Letrillas sind fröhlich, lebendig und spöttisch.
Francisco de Quevedo (1580–1645)
Francisco de Quevedo ist der bedeutendste Vertreter des Conceptismo. Dieser Stil zeichnet sich durch die Konzentration vieler Ideen in kurzen Sätzen aus, wobei Antithesen, Wortspiele, Assoziationen oder Bilder verwendet werden. Er ist einer der besten Dichter von Liebes-Sonetten in der spanischen Literatur. Seine Themen sind noch von der Renaissance geprägt, jedoch mit barocker Tiefe und Übertreibung. In seiner burlesken und satirischen Dichtung schärft er seinen Witz und seine Wortgewandtheit, um soziale Typen, Bräuche und Laster seiner Epoche anzugreifen. Manchmal verbirgt der Ton seiner Schriften einen tiefen Pessimismus nicht.
Der Schelmenroman: Lazarillo de Tormes
Der Roman Lazarillo de Tormes wurde 1554 veröffentlicht. Mit ihm beginnt der Schelmenroman (novela picaresca), der im Barock des 17. Jahrhunderts fortgesetzt wurde und seinen Höhepunkt erreichte. Frühere Romane wie Ritter-, Hirten-, byzantinische, sentimentale und maurische Romane spielten in idealisierten, fantastischen Welten, die weit von der Realität des Landes entfernt waren.
Merkmale und Bruch mit der Tradition
Der Lazarillo stellt aus mehreren Gründen einen Bruch dar:
- Er ist in der ersten Person geschrieben.
- Die Hauptfigur ist eine Randfigur, die ihre rohe und kritische Sicht auf die Realität vermittelt. Es ist eine Gesellschaftskritik der Zeit, oft mit Ironie und Humor gewürzt.
- Die Persönlichkeit des Protagonisten entwickelt sich im Laufe des Romans, während er verschiedenen Herren dient und aus seinen Erfahrungen lernt.
- Der Realismus des Romans zeigt sich auch in der Verwendung einer umgangssprachlichen Sprache mit volkstümlichen Wendungen und Redewendungen.
Handlung und Struktur
Es ist die Autobiografie eines Schelms, der verschiedenen Herren dient und sich dabei stets durchschlägt. Als Junge beginnt er als Diener eines griesgrämigen Blinden, später dient er einem verarmten Knappen, dann einem bösherzigen Geistlichen, einem Mönch des Mercedarierordens, einem Ablassprediger, einem Kaplan und schließlich einem Gerichtsdiener. Bei jedem dieser Herren schafft es Lázaro, um jeden Preis zu überleben und nicht auf frischer Tat ertappt zu werden. Im gesamten Werk wird sein Überlebenswille deutlich.
Seine Herren in chronologischer Reihenfolge:
- Lázaro dient einem Blinden.
- Lázaro dient einem Geistlichen.
- Lázaro dient einem Knappen.
- Lázaro dient einem Mönch.
- Lázaro dient einem Ablassprediger (Buldero).
- Lázaro dient einem Kaplan.
- Lázaro dient einem Gerichtsdiener (Alguacil).
- Lázaro heiratet und arrangiert sich mit seinem letzten Herrn.
Das Ende zeigt die moralische Ambivalenz der Hauptfigur. Als älterer Mann heiratet Lázaro eine Magd, die bekanntermaßen die Geliebte seines Herrn ist, was er für ein gesichertes Leben in Kauf nimmt.