Das spanische Barocktheater und Lope de Vega

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Ursprünge des barocken Theaters

Italienischer Einfluss: Der Einfluss des italienischen Theaters auf das spanische Theater des 16. Jahrhunderts zeigt sich deutlich in den Themen, der Handlung und den szenischen Techniken. Lope de Rueda: Er gründete seine eigene Theaterkompanie und war sowohl als Schauspieler als auch als Dramatiker tätig. Sein Repertoire bestand aus Komödien, die den italienischen Dialog nachahmten. Besonders hervorzuheben ist die Agilität seiner Werke (z. B. Las aceitunas und El país de Jauja). Juan de la Cueva: Ende des 16. Jahrhunderts hielt das nationale Thema Einzug in das Theater. Er stützte sich auf Romanzen und Legenden, um Werke wie Der Tod von König Sancho und Die Belagerung von Zamora zu schaffen, welche bereits Elemente vorwegnahmen, die Lope de Vega später vollendete.

Die Struktur des Dramas

Die Stücke waren in drei Akte oder Tage (jornadas) unterteilt:

  • Exposition: Entspricht dem Beginn des ersten Aktes.
  • Knotenpunkt: Umfasst den Rest des ersten Aktes, den gesamten zweiten Akt und Teile des dritten Aktes.
  • Auflösung: Beinhaltet das Ende des dritten Aktes.

Die Corrales und ihr Publikum

Aufgrund des großen Publikumsandrangs wurden spezielle Plätze geschaffen, die sogenannten Corrales de Comedias. Diese standen allen sozialen Schichten offen, wobei die Plätze nach Rang und Vermögen getrennt waren. Die Raumstruktur gliederte sich wie folgt:

  • Beliebte Plätze: Dazu gehörten der Patio (Innenhof für die Mosqueteros), die Cazuela (ein Ort für Frauen der niederen sozialen Schichten), Bänke und die Gradas (überdachte Stufen).
  • Logen für Gebildete und Autoren: Diese befanden sich im Dachgeschoss.
  • Aposentos: Räume mit Gittern und Läden, die von Rittern, adligen Damen und wohlhabenden Kaufleuten besetzt wurden.
  • Behördenplätze: Reserviert für Offiziere und Beamte.
  • Rails: Die vordersten Bänke waren den Edelleuten vorbehalten.

Im Siglo de Oro (Goldenen Zeitalter) wurden die Stücke an verschiedensten Orten aufgeführt: in Corrales, Klöstern, Universitäten, Adelshäusern, Gärten und auf öffentlichen Plätzen.

Die Aufführungen und Inszenierung

Um das Publikum bei Laune zu halten, war eine ständige Erneuerung des Spielplans und der Ensembles notwendig. Premieren wurden an Straßenecken mit handgemalten Schildern oder durch Ausrufer angekündigt. Das Bühnenbild war minimalistisch und bestand oft nur aus einem gemalten Vorhang, was die Zuschauer zwang, sich die Umgebung vorzustellen. Aufwendige Apparaturen waren Heiligenkomödien, mythologischen Stücken und Palastaufführungen vorbehalten. Berühmte Schauspieler wie Maria Vaca, Jusepa Calderona oder der Komiker Cosme Pérez (bekannt als Juan Rana) waren wahre Publikumsmagneten.

Die Erneuerung des Theaters: Lope de Vega

Lope de Vega war die treibende Kraft hinter dem großen Erfolg der Komödie im 17. Jahrhundert.

Die "Neue Kunst der Komödie" (Arte nuevo de hacer comedias)

Seine Prinzipien umfassten die Mischung aus Tragik und Komik, die Einteilung in drei Akte, die Einheit der Handlung, die Verwendung von Versen und Sprache sowie ein meist glückliches Ende.

Charaktere: Der König, der Mächtige, der junge Liebhaber (Galán) und die Dame (Dama), der Lustige (Gracioso) und der Schurke.

Ideologie: Die Grundpfeiler waren die Liebe als universelle Rechtfertigung, die Ehre als Daseinsgrund sowie die Verteidigung der Monarchie und des katholischen Glaubens.

Weitere Theatergenres

  • Tragikomödien und Dramen: Behandeln oft Ehrenkonflikte und das Spannungsfeld zwischen Individuum und gesellschaftlichem Druck.
  • Auto Sacramental: Allegorische Einakter zur Verherrlichung der Eucharistie.
  • Entremés: Kurzes komisches Stück, das zwischen dem ersten und zweiten Akt aufgeführt wurde.
  • Loa: Ein kurzes Vorspiel, um die Gunst der Zuschauer zu gewinnen.
  • Baile (Tanz): Musikalisches Element mit Gesang und Tanz.
  • Jácara: Stücke, die im Milieu von Schelmen, Dieben und Prostituierten spielten.
  • Mojiganga: Ein groteskes Maskenspiel mit skurrilen Kostümen.

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