Der spanische Energiesektor: Struktur, Herausforderungen und europäische Politik
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Der spanische Energiesektor
Zusammensetzung
Der Energiesektor umfasst verschiedene Bereiche: Mineraliengewinnung (z.B. Kohle), industrielle Verarbeitung (Raffinerien, LNG-Anlagen) und Dienstleistungen (Übertragung, Verteilung, Marketing). Der Sektor gliedert sich in die Bereiche Kohle, Öl, Erdgas und Strom. Primärenergieträger (Kohle, Kohlenwasserstoffe, Erdgas, Kernenergie, erneuerbare Energien) werden entweder direkt genutzt oder zur Stromerzeugung verwendet.
Entwicklung
Der Energieverbrauch in Spanien hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelt. Ursprünglich konzentrierte sich der Verbrauch stark auf Öl, hat sich aber mittlerweile diversifiziert. Die Energieintensität, d.h. der Energieverbrauch pro Einheit Output, ist in Spanien im Vergleich zu anderen europäischen Ländern deutlich höher. Dies deutet auf einen geringeren Fokus auf Energieeffizienz hin. Obwohl die Industrie ihren Energiebedarf pro Einheit Output reduziert hat, wurde dies durch den Anstieg des privaten Verbrauchs und des Verkehrs ausgeglichen. Energie macht 2,8 % der Bruttowertschöpfung und 20 % der Warenimporte aus.
Spezialisierung der Produktion und des Handels
Der spanische Energiesektor ist stark vom Erdöl abhängig. Der Anteil von Öl am Primärenergieverbrauch ist jedoch rückläufig. Kohle, Kernenergie und erneuerbare Energien gewinnen an Bedeutung. Im Jahr 2008 machten erneuerbare Energien 50 % der installierten Kapazität und 31 % der Stromproduktion aus. Die optimale Energieversorgung hängt von strukturellen Faktoren (Ressourcenverfügbarkeit, Zusammensetzung des Energieverbrauchs) und politischen Entscheidungen (Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit) ab.
Effizienz
Der früher stark regulierte spanische Energiesektor litt unter Effizienzproblemen. Umstrukturierungen und Deregulierungsmaßnahmen haben zu Verbesserungen geführt. Die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors hat sich erhöht und die Energiepreise haben sich im Vergleich zu Europa günstig entwickelt.
Unternehmensstruktur
Erdöl
Repsol ist der dominierende Akteur, gefolgt von Cepsa und BP. CLH ist der größte Eigentümer der Transport- und Lagerinfrastruktur. Repsol ist an der Börse notiert, behält aber die Kontrolle in Spanien. BP und Cepsa stehen unter der Kontrolle ausländischen Kapitals.
Erdgas
Gas Natural ist der marktbeherrschende Betreiber im Groß- und Einzelhandel. Die drei größten Stromversorger (Iberdrola, Union Fenosa/Gas Natural, Endesa) sind ebenfalls im Gasmarkt aktiv. Enagas ist für das Gasnetz verantwortlich und führend in Transport, Lagerung und Wiederverdampfung. Gas Natural gehört mehrheitlich spanischen Aktionären (Criteria/La Caixa und Repsol).
Elektrizität
Iberdrola und Endesa dominieren den Strommarkt mit etwa 50 % der installierten Leistung und 80 % des verteilten Stroms. Union Fenosa, Hidrocantábrico und Viesgo spielen eine kleinere Rolle. Die Branche ist traditionell vertikal integriert. In jüngster Zeit gab es jedoch Veränderungen: Endesa gehört Enel (Italien), Hidrocantábrico gehört EDP (Portugal) und Viesgo gehört E.ON (Deutschland). Spanische Stromunternehmen expandieren in internationale Märkte (Lateinamerika, Europa, Nordafrika, USA).
Europäische Energiepolitik
Die europäische Energiepolitik konzentriert sich auf:
- Sichere Energieversorgung (Infrastruktur, Verbindungen)
- Wettbewerbsfähigkeit (Kostensenkung, Preisreduktion)
- Nachhaltige Entwicklung (Umweltschutz)
Wichtige Entwicklungen:
- Liberalisierung des Energiemarktes (1990er Jahre)
- Zweites Liberalisierungspaket (2003)
- Drittes Paket mit Richtlinien und Verordnungen (2007/2009)