Spanische Industrialisierung und Wachstumsmodell
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Beschleunigte Industrialisierung
Es war eine Zeit liberaler Politik und eines Strukturwandels: Die Wirtschaft wandelte sich von einer vorindustriellen zu einer modernen Industriegesellschaft. Die Industrie fungierte dabei als Motor des Wachstums.
Zwischen 1960 und 1974 erhöhte die Industrie ihre Wachstumsrate auf über 4 %. Es war ein explosionsartiges Wachstum. Eine sektorale Transformation fand statt: Der Primärsektor verzeichnete einen Rückgang bei Beschäftigung und Produktion. Ganz im Gegenteil dazu entwickelte sich die Industrie. Die Perioden des größten Fortschritts fielen mit der Öffnung der spanischen Wirtschaft zusammen. Die Treiber des Wandels waren: Inlandsverbrauch, ausländische Märkte und industrielle Nachfrage (welche den größten Beitrag leistete).
Binnennachfrage
Der Binnenmarkt erlebte ein enormes Wachstum. Es gab eine strukturelle Veränderung der Nachfrage, die das Angebot dazu zwang, Innovationen einzuführen, was wiederum das Marktwachstum und die Modernisierung der Industrie ermöglichte. Wenn das Einkommen der Bevölkerung über das Niveau der Grundbedürfnisse steigt, geben die Verbraucher einen Teil ihres Einkommens für Dinge aus, die keine Notwendigkeiten sind – dies zeigt das Engel-Gesetz. Während 1958 noch Nahrung, Kleidung und Schuhwerk dominierten, sank deren Anteil am Gesamtverbrauch bis 1974, da andere Güter an Bedeutung gewannen (Wohnen, Freizeit, Tourismus, Gesundheit, Bildung, Verkehr).
Der Anstieg der Realeinkommen führte dazu, dass die Bevölkerung Waren konsumierte, die über das biologische Existenzminimum hinausgingen. Dies war ein Anreiz für die industrielle Produktion, den Markt mit Produkten höherer Qualität und größerer Wertschöpfung zu versorgen.
Diese Verschiebung in der Nachfrage entstand durch:
- Skaleneffekte: Investitionen in der Industrie ermöglichten bei steigenden Produktionsmengen sinkende Preise.
- Standortvorteile: Die Lage der Fabriken begünstigte die Effizienz.
Dies stimulierte die Nachfrage und führte zum Massenkonsum.
Außenmarkt
Der Außenmarkt funktionierte besser als der Binnenmarkt und profitierte von einem bedeutenden internationalen Wachstum. Spanien öffnete sich durch:
- Wachstum in anderen europäischen Volkswirtschaften.
- Abwertung der Peseta, wodurch spanische Waren wettbewerbsfähiger wurden.
- Ausländische Investitionen, die die Erneuerung der spanischen Technologie und Produktivitätssteigerungen ermöglichten.
- Staatliche Exportsubventionen und das Präferenzabkommen mit der EWG.
Die spanische Industrie nahm am Außenhandel teil, war jedoch im Vergleich zu anderen Mächten noch nicht groß genug. Der Einbau ausländischer Technologie steigerte die Produktivität, wovon spezialisierte Industriezweige profitierten. Der Devisenmarkt wurde zu einem weiteren Motor für die Industrie.
Merkmale und Probleme des spanischen Wachstumsmodells
Der Wandel war nicht das Ergebnis eines Umdenkens des Franco-Regimes, sondern eine Reaktion auf Armut und den dringenden Bedarf an Kapital.
Probleme und Verzerrungen
- Protektionismus: Trotz interner und externer Liberalisierung wurden Branchen, die im internationalen Wettbewerb schwer bestehen konnten, durch eine protektionistische Politik geschützt.
- Entwicklungspläne: Das Regime versuchte, regionale Ungleichgewichte durch die Förderung der industriellen Struktur in weniger entwickelten Regionen zu beheben. Diese Pläne waren jedoch weitgehend erfolglos, da sie nicht marktorientiert waren.
- Strukturprobleme: Eine übermäßige Entwicklung einiger reifer Branchen erforderte später eine umfassende industrielle Umstrukturierung.
- Mängel bei den Produktionsfaktoren: Die Ausgaben für Bildung, Infrastruktur und Soziales stiegen zwar, blieben jedoch unzureichend.
- Staatliche Finanzierung: Die Regierung finanzierte Projekte stärker als der private Sektor. Dies führte dazu, dass die spätere Demokratie eine industrielle Struktur mit geringem Wettbewerb erbte.
Obwohl sich Spanien Europa annäherte, blieb der Abstand zum Zentrum groß, und das Wachstum reichte nicht aus, um die strukturellen Defizite vollständig zu beheben.