Spanische Literatur des 15. Jahrhunderts: Lyrik, Prosa & Theater

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Spanische Literatur des 15. Jahrhunderts: Merkmale und Gattungen

Die Traditionelle Lyrik und Volksdichtung

Obwohl zunehmend neue Formen eingesetzt wurden, behielt die mündliche Überlieferung weiterhin ihre lyrische Rolle. Das Volkslied (Villancico/Carol) wurde genutzt, um Emotionen und Gefühle auszudrücken. Charakteristische Merkmale waren:

  • Verwendung von Naturbildern und Symbolik
  • Wiederholung und Wortspiele
  • Einfachheit des Ausdrucks

Die Höfische Poesie (Poesía Cortesana)

Diese Gattung entstand ursprünglich in der Provence. Ihre Schöpfer waren Troubadoure, deren zentrales Thema die Höfische Liebe war. Die verehrte Frau wurde dabei als göttliches Wesen idealisiert. Die Liebe selbst war oft eine Hommage an die Tugendhaftigkeit der Dame, wobei ihre Ehre (Honestidad) die Erwiderung der Liebe verhinderte und Schmerz (Dolor) verursachte.

Wichtige Liederbücher (Cancioneros)

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstanden bedeutende Liederbücher, die diese Dichtung sammelten, darunter:

  • Der Cancionero de Baena (Estúñiga)
  • Der Cancionero General von Hernando del Castillo

Bedeutende Dichter der Höfischen Poesie

Íñigo López de Mendoza, Marqués de Santillana
Dieser einflussreiche Aristokrat versuchte sich an der Einführung des italienischen Sonetts in Spanien und schrieb Sonetos fechos al itálico modo (Sonette nach italienischer Art).
Juan de Mena
Als Sekretär von König Juan II. zeichnete sich sein Stil durch Komplexität und Dunkelheit aus. Sein wichtigstes Werk ist das allegorische Gedicht El Laberinto de Fortuna (Das Labyrinth des Glücks).
Jorge Manrique
Er widmete sich sowohl der Politik als auch dem Krieg. Sein Hauptwerk sind die berühmten Coplas por la muerte de su padre (Strophen auf den Tod seines Vaters Rodrigo Manrique), die eine tiefgründige Reflexion über das Leben und die Vergänglichkeit darstellen. Er verfasste auch Protestgedichte wie Mingo Revulgo und andere Verse.

Die Prosa des 15. Jahrhunderts

Die Prosa entwickelte sich in verschiedene Richtungen:

  • Didaktische Prosa: Hervorzuheben ist der Erzpriester von Talavera (Alfonso Martínez de Toledo) mit seinem Werk El Corbacho.
  • Sentimentale Prosa: Werke wie Cárcel de Amor (Gefängnis der Liebe) von Diego de San Pedro.
  • Ritterromane: Der tapfere Held ist idealisiert und perfekt, doch die Werke beginnen, eine psychologische Entwicklung und innere Konflikte des Helden darzustellen.

Das Theater

Im Theater des 15. Jahrhunderts sind folgende Werke und Autoren hervorzuheben:

  • Moralisches Drama: Die Danza General de la Muerte (Der Allgemeine Tanz des Todes), in dem der Tod alle Stände zum Tanz einlädt, was die Gleichheit vor dem Ende des Lebens symbolisiert.
  • Religiöses Drama: Das Auto de la Pasión (Passionsspiel) von Gómez Manrique.
  • Profanes Drama: Wichtige Vertreter sind Gil Vicente, Lucas Fernández und Bartolomé de Torres Naharro.

Textanalyse und Kohäsion

Ein Text ist dann funktional, wenn die Sprache eine bestimmte Funktion erfüllt (z. B. expressiv, appellativ). Dies hängt von der korrekten Auswahl des Kommunikationskanals und des Codes ab.

Sprachliche Vielfalt und Textformen

Die sprachliche Vielfalt reicht von kolloquialen bis hin zu kultivierten Idiomen. Ein Text kann verschiedene Formen der Darstellung nutzen:

  • Dialog
  • Beschreibung
  • Erzählung
  • Argumentation

Die Textsorte (Gattung) entwickelt dabei ein spezifisches Thema.

Kohärenz (Zusammenhang)

Kohärenz beschreibt den inhaltlichen Zusammenhang eines Textes:

  1. Globale Kohärenz: Bezieht sich auf das Hauptproblem oder Thema und die Intention des Autors.
  2. Lineare Kohärenz (Thematische Progression): Das Thema erscheint in verschiedenen Sequenzen, wobei jeder Satz oder Abschnitt dem Thema etwas Neues hinzufügt.
  3. Lokale Kohärenz: Die sprachlichen Elemente sind auf Satzebene miteinander verbunden.

Kohäsion (Verknüpfung)

Der Zusammenhalt eines Textes wird durch die Wiederkehr sprachlicher Elemente erreicht. Diese Wiederholung kann auf verschiedene Weisen erfolgen:

  • Lexikalische Kohäsion:
    • Wiederholung desselben Wortes.
    • Semantische Wiederholung (Synonyme, Antonyme oder verwandte Begriffe).
    • Verwendung von Hyperonymie (Oberbegriff) und Hyponymie (Unterbegriff), wobei ein Begriff einen anderen abdeckt oder einschließt.
  • Substitution: Ein Verfahren, das dazu dient, die Wiederholung desselben Wortes zu vermeiden (z. B. durch Pronomen oder Ersatzwörter wie „dieser Vorgang“, „es geschah“).
  • Ellipse: Die Auslassung von Elementen, die aus dem Kontext bekannt sind.
  • Diskursmarker: Elemente, die den Text strukturieren und Verbindungen herstellen (z. B. „aber“, „dennoch“, „als Erstes“, „zuerst“).

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