Spanische Literatur der 60er und 70er: Poesie und Experimenteller Roman
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Allgemeine Merkmale der Spanischen Literatur (60er/70er)
Die spanische Literatur dieser Jahre ist durch folgende Eigenschaften gekennzeichnet:
- Überwindung des Sozialistischen Realismus: Ablehnung des sozialistischen Realismus und Erkenntnis der Vergeblichkeit politischer, sozialer und ästhetischer Armut der sozialen Literatur.
- Fokus auf das Individuum: Gute Autoren konzentrieren sich nicht auf die Gemeinschaft, sondern auf das Individuum, die Selbstanalyse und die Kenntnis der Person, um das Verständnis der Realität zu erlangen.
- Experimentalismus: Suche nach neuen Techniken und Ausdrucksformen, mit besonderem Augenmerk auf die Erneuerung der literarischen Sprache.
Die Poesie der 60er Jahre: Die „Generation der 50er“
In den 60er Jahren erreichte eine Gruppe von Dichtern, die zehn Jahre zuvor mit dem Veröffentlichen begonnen hatte, ihre poetische Reife und Konsolidierung. Diese Gruppe ist als „Generation der 50er“ bekannt. Diese Dichter, geboren zwischen 1925 und 1938, können als „Kriegskinder“ betrachtet werden. Zu ihnen gehören unter anderem: Ángel González, José Manuel Caballero Bonald und Ángel Crespo.
Poetische Auffassung und Themen
Alle diese Dichter teilen folgende Auffassung von Poesie:
- Eintauchen in die persönliche Erfahrung des eigenen Lebens.
- Hervorhebung einer problematischen Vision der Existenz.
Themen
Kindheitserinnerungen an den Krieg, Jugend, Liebe, Freundschaft, Einsamkeit, die Zeit, Kritik an der Bourgeoisie und die Poesie selbst.
Stil und Metrik
Sie streben eine Sprache an, die entwickelter ist als die der sozialen Poesie, poetisch, aber natürlich und anti-rhetorisch. Lyrische Bilder werden mit einem konversationellen und narrativen Versstil kombiniert. Die Metrik ist frei.
Die „Novísimos“ (1970er Jahre)
1970 veröffentlichte José María Castellet die kritische Anthologie Nueve novísimos poetas españoles (Neun neueste spanische Dichter). Diese Gruppe von Poeten brach bewusst mit den vorhergehenden Dichtern. Zu ihnen gehören: Pere Gimferrer, Manuel Vázquez Montalbán und Leopoldo María Panero.
Merkmale des Trends der Novísimos
- Ästhetizismus und kulturelle Motive: Es werden Figuren und Motive der elitären Kultur evoziert (Kunst, klassische Musik, die griechisch-römische Welt, Literatur, Mythologie).
- Wiederbelebung der Avantgarde: Der Surrealismus, das automatische Schreiben, die Collage und Sprachspiele werden wieder aufgegriffen. Manchmal wird die Zeichensetzung, Groß- und Kleinschreibung ignoriert.
- Integration der Massenkultur: Filme, Comics, Radio, Gesang, Rock and Roll usw. werden in die Poesie integriert.
Merkmale des modernen experimentellen Romans
- Problematischer Protagonist: Der Protagonist untersucht sein eigenes Bewusstsein.
- Ruptur der Chronologie: Bruch der Handlung und der chronologischen Reihenfolge. Der Zeitpunkt der Handlung ist oft nicht linear.
- Rückblende (Flashback): Die Erzählung von Ereignissen, die vor dem aktuellen Zeitpunkt der Geschichte liegen.
- Innerer Monolog: Spiegelt die Gedanken der Charaktere wider.
- Multiple Perspektive: Verschiedene Standpunkte und Erzählstimmen werden gemischt (dritte Person, erste Person, zweite Person). Diese Erzählerstimmen können dem Autor, dem Protagonisten oder verschiedenen Charakteren entsprechen.
- Kontrapunkt: Fragmente unterschiedlicher, miteinander verflochtener Handlungen treten auf. Diese können in unterschiedlicher Zeit und an unterschiedlichen Orten stattfinden.
- Sprachliche Experimente: Verwertung verschiedener sprachlicher Register, gebrochene Syntax sowie Auslassung oder Änderung der Zeichensetzung.