Spanische Literatur: Von der Aufklärung zur Romantik
Eingeordnet in Spanisch
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 6,41 KB
Die spanische Literatur des 18. Jahrhunderts
Der Neoklassizismus des 18. Jahrhunderts (oft fälschlich als Novecentismo bezeichnet) widmet sich primär moralischen und ethischen Fragen. Er betont Organisation, Klarheit und Einfachheit, was sich besonders in der Briefliteratur widerspiegelt. Die Literatur dieser Epoche ist didaktisch geprägt; es dominieren Gedichte, während Romane kaum vertreten sind. Es gelten strenge Regeln, die sich gegen den Hype und das schwere Gefühl des Barocks richten.
Die drei Perioden des 18. Jahrhunderts
- Übergangsphase (erstes Viertel): Der literarische Barock klingt aus (Postbarroquismo, Klassizismus).
- Klassizismus (1725–1750): Diese Phase ist vom Rokoko geprägt, das nach Sinnlichkeit und Spaß sucht, jedoch ohne tiefes Gefühl. Es dominieren Poesie, Theater (zur Entwicklung von Ideen) und Lyrik, während narrative Formen (wie die „düstere Nacht“) fehlen.
- Präromantik (letztes Viertel): Die Autoren ermüden an den strengen Regeln und suchen nach mehr Freiheit, was den Weg zur Romantik ebnet.
Literarische Formen und Gattungen
Der Essay (Test) wurde im 18. Jahrhundert zum perfekten Medium für die Verbreitung von Ideen und Fakten. In dieser Phase entstehen auch die ersten Zeitungen.
- Briefe: In fiktiven oder realen Briefen werden Probleme diskutiert und Lösungen angeboten.
- Autobiographie: Der Autor erzählt Ereignisse aus seinem Leben.
- Reisetagebuch: Beschreibungen von Reisen und Entdeckungen.
Erwähnte Werke (moderne Referenzen): Eduardo Mendoza („Sin noticias de Gurb“) und Vargas Llosa („Pantaleón y las visitadoras“).
Themen und Inhalte der Aufklärung
Die Literatur dient der Ausbildung: Laster und Fehler der Gesellschaft werden verurteilt, oft verbunden mit Religionskritik. Weitere Themen sind die Geschichte Spaniens, Wirtschaft (Landwirtschaft), Politik und Ethik, wobei Einfachheit und Klarheit durch vereinzelte Beispiele angestrebt werden.
Poesie und Theater im 18. Jahrhundert
Die Poesie ist weniger Ausdruck von Gefühlen, sondern hat narrativen Charakter. Die Etappen umfassen:
- 1700–1725: Übermäßig verzierte barocke Poesie.
- 1725–1775: Klassizistische Dichtung (künstlerisch, nicht sentimental). Im Rokoko erscheinen mythologische Wesen und dekorative Liebesthemen. Die illustrierte Poesie nutzt Gesellschaftssatire und Fabeln (Didaktik).
- 1775–1800: Präromantische Poesie.
Im Theater wandelte sich das Bild von der Barock-Comedy (1700–1750) hin zum neoklassizistischen Theater (1750–1800). Dieses folgt der Regel der drei Einheiten (organisiert und ordentlich). Es gibt die klassizistische Tragödie, die neoklassische Komödie (z. B. „El sí de las niñas“) und das Volkstheater (Sainetes von Ramón de la Cruz). Religiöse Werke behandeln Moral und Heiligenlegenden.
Die Narrative
Die Erzählkunst ist in dieser Zeit kaum vorhanden, da sie als zu imaginativ galt und zugunsten der Vernunft zurückgedrängt wurde.
Die Romantik im 19. Jahrhundert
Die Romantik ist eine soziale, kulturelle und künstlerische Bewegung, die sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Europa als Reaktion auf den Klassizismus entwickelte. Sie fordert die Rehabilitation der Gefühle.
Zwei Arten der Romantik
- Konservative Romantik: Blick in die Vergangenheit und Rückbesinnung auf frühere Epochen (z. B. Herzog von Rivas).
- Liberale Romantik: Fordert Freiheit und Fortschritt (z. B. die Lieder von Espronceda). Diese Strömung entstand infolge der Französischen Revolution und führt zu politischen Konfrontationen.
Hauptmerkmale der Romantik
- Freiheit: Ablehnung der neoklassizistischen Regeln. Dies führt zu gedanklicher Freiheit (Eskapismus) und formaler Freiheit beim Schreiben.
- Subjektivismus: Gefühle sind individuell und nicht übertragbar. Themen wie Liebesschmerz, Wut, Enttäuschung und Suizid stehen im Fokus. Liebe und Tod sind untrennbar verbunden.
Espronceda besingt in der „Canción del Pirata“ die Regellosigkeit und in „El reo de muerte“ das Schicksal. Die Werke sind geprägt von Sentimentalität, Tränen und Depression, wie auch in Bécquers „Leyendas“ zu sehen ist. Weitere Themen sind Gerechtigkeit und Politik.
Stil und Etappen der Romantik
Der Stil nutzt eine lexikalisch leicht verständliche Sprache, um Gefühle und Klagen unmittelbar auszudrücken (Umgangssprache, Neologismen).
Die drei Etappen:
- Anfänge: Theoretische Vermittlung durch Nikolaus Böhl von Faber und José María Blanco White.
- Blütezeit: Konsolidierung der Romantik durch liberale Emigranten. Das erste romantische Theaterstück war 1834 „La conjuración de Venecia“ von Martínez de la Rosa.
- Postromantik: Die Bewegung zerfällt. Herausragende Figuren sind Gustavo Adolfo Bécquer und Rosalía de Castro, beeinflusst durch deutsche Lyrik.
Theater und Lyrik der Romantik
Das romantische Drama behandelt primär die Liebe im Konflikt mit sozialen Problemen. Es ist sehr liberal gestaltet: Freiheit in der Anzahl der Akte (1 bis 7) und die Mischung von Tragik und Komik. Themen sind Liebe, Rache, Macht, Ehre und Selbstmord. Der Protagonist vereint Tugenden und Abgründe, während die geliebte Frau oft als religiös, vorsichtig oder wahnsinnig vor Liebe dargestellt wird.
In der Poesie gibt es zwei Formen:
- Narrative Poesie: Erzählt von fremden, vergangenen Welten, Fantastischem und Geheimnisvollem (z. B. Esproncedas „El estudiante de Salamanca“ oder Zorrillas „Leyendas“).
- Lyrische Poesie: Ausdruck des Ichs und der Gefühle. In der Hochromantik (Espronceda) werden soziale Fragen analysiert; in der Postromantik (Bécquer, Rosalía de Castro) stehen rein persönliche Gefühle und die Liebe im Zentrum.