Spanische Literatur und Geschichte: 18. und 19. Jahrhundert
Eingeordnet in Spanisch
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 5,6 KB
Spanien im 18. Jahrhundert: Krise und Aufbruch
Spanien befand sich im 18. Jahrhundert aufgrund des Spanischen Erbfolgekrieges in einer tiefen Krise. Felipe V. von Bourbon bestieg schließlich den Thron. Unter Fernando VI. kehrte mehr Stabilität ein. Während der Herrschaft von Karl IV. stach Godoy hervor, der eine mangelhafte Politik mit schwerwiegenden Folgen entwickelte. In diesem Jahrhundert erlebte Spanien dennoch einen wirtschaftlichen Aufschwung. Aufgeklärte Reformen bemühten sich, die Wirtschaft zu verbessern, wobei die Figur des Kaufmanns an Bedeutung gewann, obwohl die Industrie schwach blieb.
Die Gesellschaft war weiterhin in Stände gegliedert, mit einer lose organisierten Bourgeoisie aus Handwerkern und Kaufleuten sowie Bauern, Bettlern und Sklaven. Trotz der Reformen, die diese Unterschiede untergraben sollten, leistete die Struktur Widerstand. Die Reformen konzentrierten sich zudem auf Bildung und Wirtschaft. Es wurden die Nationalbibliothek, die RAE (Real Academia Española) usw. gegründet. Doch all diese Reformen gestalteten sich schwierig, verzögert und langsam.
Gaspar Melchor de Jovellanos (1744–1811)
Er war der bedeutendste Vertreter der spanischen Aufklärung. Seine Produktion ist recht umfangreich, obwohl die rein literarische Produktion begrenzt ist. Er komponierte Gedichte, eine Tragödie und eine Komödie: Pelayo und Der geehrte Verbrecher (El delincuente honrado). Besonders glänzt er in seiner Prosa, die die Probleme des Landes anspricht und seine reformistischen Ideen darlegt. Herausragende Werke sind:
- Bericht über öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen
- Bericht über das Agrargesetz (Ley Agraria)
- Bericht über die öffentliche Bildung
Benito Pérez Galdós und der Realismus
Galdós ist bekannt für seine Charaktere und seine Fähigkeit, die Geschichte des Landes in das Leben seiner Figuren zu integrieren (Episodios Nacionales). Er ist zudem bekannt für seine thesenhaften Romane (Doña Perfecta) sowie für zeitgenössische Werke wie Misericordia, in denen er eine Welt erschafft, die die Realität der Zeit widerspiegelt (Fortunata und Jacinta). Seine neuesten Werke mischen Realismus mit Fantasy-Elementen (Casandra).
Leopoldo Alas „Clarín“ und der Naturalismus
Clarín widmete sich der Kritik, Essays, Romanen und Kurzgeschichten. In seiner Erzählung konvergieren Naturalismus und Religion. Er ist bekannt für seine Erzählungen (Pipá) und seinen Roman La Regenta, der den Konflikt bei der Ausübung der idealen Liebe in einer feindlichen Umgebung sowie die Geschichte eines Mangels an Liebe und Freundschaft thematisiert. Das zentrale Thema ist Ehebruch in einer Dreiecksgeschichte.
Die romantische Poesie in Spanien
In dieser Zeit zeigt sich ein deutlicher Übergang zur Romantik. Sie triumphierte in den 1830er Jahren; seither verbreiteten sich viele Gedichte durch mündliche Überlieferung und die Presse. Die Romantik wurde vor allem von der Bourgeoisie gelesen und verkörperte das Lebensgefühl der Zeit. Oft vermischen sich die Genres und weisen eine Polymetrie auf.
- Narrative Lyrik: Erzählt historische oder erfundene Ereignisse. Sie kombiniert Beschreibung, Dialog und Lied (Espronceda: El diablo mundo; Duque de Rivas: Romances históricos).
- Lyrik: Vermittelt Gefühle wie Melancholie und Lebensüberdruss – typisch für das romantische Umfeld. In Spanien sind diese Gedichte oft sehr rhetorisch und behandeln repetitive Themen (Espronceda und Zorrilla).
José Zorrilla: Legenden und Dramatik
Ein Schriftsteller, der am besten für seine Lyrik und sein Drama bekannt ist. Seine Poesie ist lyrisch und teilt sich in Legenden auf (volksnah und fantastisch). Er ist vielfältig in Themen und Metrik, besitzt einen großen Sinn für Rhythmus und Musikalität und beherrscht die Rhetorik meisterhaft. Es finden sich prä-modernistische Einflüsse.
Rosalía de Castro: Lyrik und Bewusstsein
Sie ist neben Bécquer die bedeutendste Gestalt dieser Epoche. Sie zeichnet sich als Dichterin aus (Cantares Gallegos und En las orillas del Sar). Die Intimität ihrer Gedichte vermittelt Authentizität und thematisiert soziale Belange sowie das Bewusstsein für die Unterdrückung der Frau.
Das romantische Theater: Liebe und Tragik
Das Theater feierte schnelle Erfolge. Das Hauptthema ist die Liebe und die Unmöglichkeit einer reinen Erfüllung, was oft in einem tragischen Ende für die Charaktere resultiert. Die Helden haben oft eine unbekannte Herkunft; ihre Stimmung schwankt zwischen Glück und Verzweiflung. Sie streben nach Freiheit und Liebe, oft verkörpert durch die Heldinnen.
Die Handlung spielt meist in einem historischen Umfeld, oft der nationalen Geschichte. Es teilt Merkmale mit dem Barock, wie die Missachtung der drei Einheiten. Vers und Prosa werden gemischt, wobei der Vers dominiert. Die Schauplätze variieren, und die Inszenierung ist von wesentlicher Bedeutung. Zorrilla ist der erfolgreichste Dramatiker, bekannt für seine Fähigkeit, Spannungen aufzubauen, auch wenn seine Auflösungen oft improvisiert wirken. Sein Highlight ist Don Juan Tenorio.