Spanische Literatur und Gesellschaft: Vom Hochmittelalter bis zur Celestina

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Das Mittelalter (ca. 5. Jahrhundert bis 1492)

Historischer und Kultureller Kontext

Gesellschaft und Wirtschaft

  • Gesellschaft: Der König besaß die absolute Macht. Die Gesellschaft war in Stände unterteilt: Klerus (Kirche), Adel (Feudalherren) und das Volk.
  • Die Mehrheit der Bevölkerung (das Volk) waren ungebildete, unfreie Bauern, die die Ländereien der Feudalherren im Austausch gegen Nahrung bearbeiteten.
  • Wirtschaft: Agrar- und Tauschwirtschaft (Austausch von Gütern).
  • Kultur: Die Mehrheit der Bevölkerung war Analphabeten. Entwicklungszentren waren Klöster, Höfe, Hochschulen, Städte und der Jakobsweg.

Literarische Entwicklung

  • Anfänge: Erste schriftliche Texte in Kastilisch (10. Jahrhundert).
  • 15. Jahrhundert: Höhepunkt mit Werken wie *La Celestina*, der Grammatik der kastilischen Sprache und der Erfindung des Buchdrucks.

Literarische Gattungen des Hochmittelalters

Lyrik

Primitive Lyrik und Mester de Juglaría

  • Primitive Lyrik:
    • Jarchas: Die letzten Verse eines Gedichts, in mozarabischer Sprache verfasst, oft mit dem Thema Liebe.
    • Cantigas de Amigo: Liebesgedichte, verfasst in Galizisch-Portugiesisch.
  • Mester de Juglaría (Spielmannskunst): Die Arbeit der Spielleute, die von Dorf zu Dorf zogen und Lieder großer Taten (*Cantar de Gesta*) sangen.
  • Beispiel: *Cantar de Mio Cid* (Lied des Exils, Gesänge für Hochzeiten und die Schmach von Corpes).

Mester de Clerecía (Klerikerkunst)

  • Das Amt der Kleriker: Verfassen religiöser Werke zur Lehre der katholischen Religion.
  • Beispiele: *Das Buch der guten Liebe* und *Wunder unserer Frau*.

Prosa

Alfonso X. der Weise und die Übersetzerschule

  • Erster großer Förderer der kastilischen Sprache.
  • Leitete die Schule der Übersetzer in Toledo, wo Werke der drei Kulturen der Halbinsel (muslimisch, jüdisch, christlich) ins Kastilische übersetzt wurden.

Don Juan Manuel: El Conde Lucanor

  • Neffe von Alfonso X., der die Werke der Übersetzerschule kannte.
  • Nutzte das Schema eines übersetzten Werkes (*Tausendundeine Nacht*) für sein Werk *El Conde Lucanor*.
  • Schema von *El Conde Lucanor*:
    1. Der Graf erzählt Patronio sein Problem.
    2. Patronio erzählt eine Geschichte (Einführung, Hauptteil, Ende).
    3. Patronio bietet die Lösung für das Problem.
    4. D. Juan Manuel schreibt die Moral in Versen.

Theater

  • Ursprung: Religiöse Darstellungen aus dem Leben Christi, die zunächst in der Messe, dann am Altar, am Kircheneingang und schließlich auf dem Stadtplatz aufgeführt wurden, um das Christentum bekannt zu machen. So entstand das mittelalterliche Drama.
  • Themen: Zunächst Religion, später, als die Aufführungen auf den Stadtplatz verlegt wurden, auch nicht-religiöse Themen.
  • Anmerkung: Die Ordnung der Heiligen Drei Könige (RRMM).

Das Spätmittelalter (15. Jahrhundert)

Lyrik des Spätmittelalters

Traditionelle Lyrik (Romancero)

  • Wiederbelebung der Balladen (*Romances*).
  • Anonyme Gedichte, die epische Dichtungen, romantische und episch-französische Themen sowie maurische Themen aufgriffen.
  • Die Struktur der Romantik wurde auch von bekannten Dichtern des 16. und 18. Jahrhunderts verwendet.

Kultivierte Lyrik (Höfische Liebe)

  • Eine Sammlung von Liebesgedichten, die das Konzept der höfischen Liebe widerspiegeln: Der Mann dient der fernen, kalten Frau als Vasall seinem Feudalherrn.
  • Autoren: Marqués de Santillana, Juan de Mena.
  • Jorge Manrique: Berühmt für seine *Verse über den Tod seines Vaters*.

Prosa des Spätmittelalters

Ritterromane

  • Erzählen die Abenteuer eines fahrenden Ritters, der stets siegreich ist und seine Taten seiner Geliebten widmet.
  • Beispiel: *Amadís de Gaula*.

Sentimentale Romane

  • Erzählen die Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Liebenden mit einem glücklichen Ende.
  • Beispiel: *Gefängnis der Liebe* (*Cárcel de Amor*) von Diego de San Pedro.

Theater und La Celestina

  • Formen: *Totentanz*, religiöses Drama und profanes Theater.

La Celestina (Fernando de Rojas)

  • Titel: *Komödie von Calisto und Melibea*.
  • Genre: Humanistische Komödie, die laut an die Öffentlichkeit vertreten sein soll und nicht nur gelesen werden soll.
  • Handlung: Die Liebesgeschichte zwischen Calisto und Melibea, vermittelt durch die Kupplerin Celestina. Celestina wird von Calistos Dienern getötet, weil sie ihren Lohn nicht teilen wollte. Die Diener werden hingerichtet, und Calisto stirbt versehentlich.
  • Moral: Die Sünden werden nach dem Tode bezahlt: Calisto stirbt wegen der Wollust, Celestina wegen der Gier und Melibea wegen der Unwissenheit.

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