Spanische Literatur des Mittelalters: Von Mester de Clerecía
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El Conde Lucanor
Das Werk El Conde Lucanor (Graf Lucanor) von Don Juan Manuel besteht aus didaktischen Erzählungen (Exempla) mit moralischer Absicht. Es gliedert sich in drei Teile:
- Exempla: Geschichten mit lehrreichem und moralischem Charakter.
- Sprichwörtersammlung: Eine Zusammenstellung von 100 Sprichwörtern.
- Traktat: Abhandlung über die Rettung der Seele.
Trotaconventos
Die Figur der Trotaconventos aus dem Libro de Buen Amor (Buch der guten Liebe) ist eine Heiratsvermittlerin. Sie reist von Kloster zu Kloster, um Liebesbotschaften zwischen Rittern, Spielleuten und Ordensschwestern zu übermitteln. Das Werk stammt aus dem 14. Jahrhundert und gehört zum Mester de Clerecía.
Mester de Clerecía
Im 13. Jahrhundert entstand eine neue intellektuelle Strömung, der Mester de Clerecía, getragen von Geistlichen. Die Werke sind in der Cuaderna Vía (vierzeilige Strophen mit Paarreim) verfasst. Ursprünglich für den Vortrag gedacht, wechselte man vom Lateinischen zur Volkssprache, um die Kommunikation zu erleichtern.
Wichtige Werke und Autoren
- 13. Jahrhundert:
- Libro de Apolonio, Libro de Alexandre, Poema de Fernán González.
- Gonzalo de Berceo: Milagros de Nuestra Señora, Leben des Hl. Millán de la Cogolla, Leben des Hl. Dominikus von Silos, Leben der Hl. Oria.
- 14. Jahrhundert:
- Erzpriester von Hita: Libro de Buen Amor.
- López de Ayala und Sem Tob de Carrión (Sprichwörter).
Gonzalo de Berceo
Er gilt als der bedeutendste Dichter des 13. Jahrhunderts und als erster namentlich bekannter Dichter in spanischer Sprache. Seine Werke lassen sich klassifizieren in:
- Hagiographien: z. B. das Leben des Hl. Dominikus von Silos.
- Didaktische Schriften: Religiöse Unterweisungen.
- Marianische Werke: z. B. Los Milagros de Nuestra Señora.
La Celestina
Das Werk wurde von Fernando de Rojas (1476–1540) verfasst. Es thematisiert die tragische Affäre zwischen Calisto und Melibea, die durch die Kupplerin Celestina zusammengeführt werden.
Handlung
Calisto verliebt sich in Melibea, die ihn zunächst abweist. Mit Hilfe der Kupplerin Celestina gelingt es ihm, ihre Liebe zu gewinnen. Nach dem Tod Celestinas durch die Hand von Calistos Dienern (aufgrund von Gier) stirbt Calisto bei einem Sturz. Melibea begeht daraufhin aus Verzweiflung Selbstmord, was ihren Vater Pleberio in tiefe Trauer stürzt.
Charaktere
- Calisto: Ein egoistischer Liebhaber, der nur seine eigenen Interessen verfolgt.
- Melibea: Wandelt sich von einer naiven jungen Frau zu einer entschlossenen Liebenden.
- Pleberio & Alisa: Die Eltern von Melibea, die um den Status der Familie besorgt sind.
- Celestina: Die zentrale Figur, eine manipulative Kupplerin, deren Gier zum Untergang aller führt.
- Die Diener (Sempronio & Pármeno): Spiegeln die Krise der aristokratischen Gesellschaft wider.
Themen
Das Hauptthema ist die Liebe, die sich von einer höfischen Form zur fleischlichen Lust wandelt. Eng damit verknüpft ist das Thema des Todes und die Vergänglichkeit des Lebens.