Spanische Literatur: Moderne und Generation von 98
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1) Historischer Kontext in Spanien
Das 19. Jahrhundert endete mit der Katastrophe von 1898, bei der Spanien durch die militärische Niederlage gegen die USA seine überseeischen Kolonien (Kuba, Puerto Rico und die Philippinen) verlor. Zeiten der Spannung aufgrund schlechter Lebensbedingungen sowie wissenschaftlicher und technologischer Rückständigkeit veranlassten Intellektuelle dazu, Schritte zur Modernisierung zu unternehmen. Dieser Eifer zur Erneuerung spiegelte sich in den Werken vieler Autoren wider. Im Jahr 1902 übernahm Alfonso XIII. die Regierung, unterstützte später den Staatsstreich von Primo de Rivera, was zu einer Diktatur bis 1930 führte.
2) Die Moderne
Diese Kunstrichtung entstand im hispanischsprachigen Raum durch José Martí (Kuba) und Rubén Darío (Nicaragua).
Merkmale:
- Ästhetische Literatur: Fokus auf Schönheit, Rhythmus und Musikalität.
- Flucht aus der Wirklichkeit: Sehnsucht nach fernen Orten und vergangenen Zeiten.
- Kosmopolitismus: Darstellung luxuriöser und exotischer Stadträume.
- Themen: Weltschmerz, Trägheit, Melancholie und Traumwelten.
- Symbolik: Der Schwan als Symbol der modernistischen Ästhetik.
3) Die Generation von 98
Autoren, die in den späten 1860er bis 1870er Jahren geboren wurden. Themen sind der Niedergang Spaniens und existenzielle Ängste (Miguel de Unamuno, Pío Baroja, Azorín, Ramiro de Maeztu). Sie wurden beeinflusst durch die existenziellen Lehren von Søren Kierkegaard und den Irrationalismus deutscher Philosophen. Charakteristisch sind die detaillierte Beschreibung von Landschaften sowie eine Bereinigung der literarischen Sprache hin zu einem natürlichen und einfachen Ton.
4) Die Poesie
- Rubén Darío (1867–1916): Der wichtigste Vertreter der Moderne.
- Azul... und Prosas profanas: Ästhetik der Moderne (exotische Bilder, Musik und Licht).
- Cantos de vida y esperanza: Intimere und reflektierende Poesie (transzendente Themen wie der Sinn des Lebens).
5) Die Prosa
Die Autoren kultivierten sowohl den Essay als auch den Roman. Im Fokus standen der Niedergang Spaniens und existenzielle Fragen (Miguel de Unamuno, Pío Baroja, Azorín).
6) Das Theater
Bruch mit dem Theater des vorherigen Jahrhunderts:
- Jacinto Benavente: Realistische Dialoge und Gesellschaftskritik (z. B. „Die Unverstandenen“).
- Ramón María del Valle-Inclán: Einführung der Technik des Grotesken (Esperpento).
Wichtige Autoren
Miguel de Unamuno (1864–1936)
Professor in Salamanca. Bekannt für seine existenzialistische Reflexion in „Vom tragischen Lebensgefühl“ und seine Auseinandersetzung mit Spanien. Er prägte den Begriff „Nivola“ für seine Romane, die sich durch reduzierte äußere Handlung und intensive innere Monologe auszeichnen (z. B. „San Manuel Bueno, Märtyrer“).
Pío Baroja (1872–1956)
Studierte Medizin, widmete sich jedoch der Literatur. Seine Romane zeichnen sich durch direkte Sprache und Abenteuerlust aus (z. B. „Zalacaín der Abenteurer“). Er behandelte gesellschaftliche Probleme in seinen Trilogien wie „Der Kampf ums Leben“.
José Martínez Ruiz „Azorín“ (1873–1967)
Verfasste Artikel, Rezensionen und Romane. Er legte großen Wert auf die Beschreibung der Umgebung und subjektive Empfindungen. Seine Romane bestehen oft aus einer Reihe beschreibender Szenen (z. B. „Der Wille“).
Antonio Machado (1875–1939)
Seine Dichtung ist geprägt von der Suche nach der Zeit. Durch Symbole wie den Nachmittag oder die Quelle drückte er seine Innerlichkeit aus. Er entwickelte eine einfache, musikalische Metrik (z. B. „Einsamkeiten“, die intime Gefühle mit melancholischem Ton verbinden).
Ramón del Valle-Inclán (1866–1936)
Ein großer Erneuerer des spanischen Theaters. Er schuf den „Esperpento“, eine groteske und tragische Verformung der Wirklichkeit (z. B. „Böhmische Lichter“). In seiner Erzählkunst stechen die „Sonaten“ hervor.