Spanische Literatur der Nachkriegszeit: 1940er & 1950er
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Die spanische Literatur der 1940er Jahre
In der unmittelbaren Nachkriegszeit ist der natürliche Zerfall der literarischen Evolution offensichtlich. So kann der Roman weder an die soziale Erzählung der 1930er Jahre anknüpfen, die von der Diktatur verboten wurde, noch ist die entmenschlichte Ästhetik der 1920er Jahre weiterhin gültig. In dieser Szene der Verwirrung überwiegen drei Arten von Erzählungen, alle im traditionellen Stil: ideologisch, realistisch und humorvoll. Die Erneuerung setzt daher erst in den 1950er Jahren ein.
In den 1940er Jahren gibt es nur vereinzelte Ausnahmen wie Camilo José Cela, Carmen Laforet und Miguel Delibes:
- 1942: Die Familie von Pascual Duarte (C. J. Cela)
- 1944: Nada (Carmen Laforet, Premio Nadal)
Diese beiden Werke teilen einen düsteren und existenziellen Ton, der im krassen Kontrast zum Triumphalismus oder der Realitätsflucht der damals erfolgreichen Romane steht. Später schlossen sich weitere Stimmen wie Miguel Delibes und Ana María Matute an. Im Allgemeinen spiegeln diese Romanciers die trostlose Nachkriegszeit aus einer pessimistischen, existenziellen Perspektive wider, weshalb ihre Charaktere oft verwirrt, traurig und frustriert sind.
Der Tremendismus und Pascual Duarte
Die Familie von Pascual Duarte von Cela löste eine Kontroverse um den sogenannten Tremendismus (eine Art literarische Panikmache) aus. Dem Werk wurde eine Verfälschung der Wirklichkeit vorgeworfen, da es die unangenehmsten Aspekte betonte. Im Jahr 1942 löste der Roman einen Schock aus, da seine Wildheit und düstere Weltsicht im krassen Gegensatz zur triumphalen Erzählweise der Zeit standen.
Der Roman schildert eine Vielzahl von Verbrechen und Gräueltaten, die für das Umfeld plausibel erscheinen. Wie in einem modernen Schelmenroman erzählt Pascual Duarte seine Biografie, um verständlich zu machen, wie er zu seinem Todesurteil kam. Geistige Einschränkungen, das Schicksal und ein barbarisches, ungerechtes Umfeld lassen diese Kreatur eher als Opfer denn als Täter erscheinen. Das Werk spiegelt einen radikalen Pessimismus nahe dem Existentialismus wider.
Die Veröffentlichung eines so zerrissenen Romans in einer Zeit politischer Zensur und strenger Moral lässt sich nur durch Celas Status als Franco-Veteran und den Bezug zu den Ereignissen im Nachkriegsspanien erklären. Sein Ton ist distanziert, spöttisch, von schwarzem Humor geprägt und spiegelt eine verzerrte Sicht auf die Welt wider (ähnlich wie bei Pío Baroja).
Der soziale Realismus der 1950er Jahre
Mit dem Kalten Krieg in den 1950er Jahren begann Spanien den Ausweg aus der Isolation und trat internationalen Organisationen im Einflussbereich der USA bei. Die beginnende Entwicklung des Tourismus und der Industrie brachte eine wirtschaftliche Erholung und Veränderungen des Lebensstils mit sich, wie etwa die Landflucht in die städtischen Slums.
Gleichzeitig betrachteten junge Menschen, die den Krieg als Kinder erlebten, das Land aus einer neuen Perspektive. Ihre Einstellungen gegenüber der Macht und der sozialen Spaltung zwischen Gewinnern und Verlierern waren kritisch. Diese Positionen manifestierten sich vor allem in Arbeits- und akademischen Kreisen.
Strömungen und Hauptwerke des sozialen Realismus
Eine der wichtigsten kulturellen Strömungen ist der soziale Realismus. Der spanische Roman dieses Jahrzehnts spiegelt soziale Anliegen wider und lässt die existentielle Vision des vorangegangenen Jahrzehnts hinter sich. 1951 veröffentlichte Cela Der Bienenstock (La Colmena) mit kritischem Ton und kollektivem Charakter.
Im Laufe des Jahrzehnts intensivierte sich der soziale Realismus und erreichte 1954 seinen Höhepunkt mit Werken von:
- Ana María Matute
- Ignacio Aldecoa
- Jesús Fernández Santos
- Juan Goytisolo
- Rafael Sánchez Ferlosio
- Carmen Martín Gaite
- Juan García Hortelano
Die Themen dieser Romane sind die spanische Gesellschaft: die Härte des Landlebens, die Schwierigkeiten der Arbeiterwerdung, die Ausbeutung des Proletariats und die Banalität des bürgerlichen Lebens. Der Stil ist einfach gehalten, um ein breites Publikum zu erreichen; der Inhalt als Zeugnis oder Kritik steht im Vordergrund.