Spanische Literatur des Siglo de Oro: Quevedo und Gracián
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Francisco de Quevedo: Meister der Barockprosa
Seine Prosa wird wie folgt klassifiziert:
- Festliche Werke: Eine Reihe von kurzen Werken mit komischem Charakter, die ein verzerrtes Bild der Gewohnheiten zeichnen (Cartas del Caballero de la Tenaza, Brief von einem festen Fleischigen u. a.).
- Moralisch-satirische Werke: Quevedo richtet seine Feder gegen alle Bereiche der Gesellschaft. In den Sueños (Träume) versucht er laut Vorrede, Missbrauch, Sucht und Wahnvorstellungen in allen Ämtern der Welt bloßzustellen.
- Erzählende Prosa: Hierzu zählt das Werk El Buscón.
- Lehrprosa: Werke zur christlichen Lehre wie Die Beständigkeit und Geduld des Hiob.
- Literarische Kritik: In diesen Werken kritisiert er den estilo culto (Kultismus), ahmt ihn nach und verspottet ihn (z. B. in La Perinola).
Baltasar Gracián: Denker des Barock
Er war einer der interessantesten Autoren seiner Zeit. Als Priester durfte er laut seinem Orden eigentlich nur religiöse Werke verfassen, doch er wollte über weltliche Dinge sprechen. Er strebte nach mehr Freiheit, und sein Einfluss reichte später bis zu den deutschen Existenzialisten. In Valencia begannen seine Probleme mit dem Orden, weshalb er nach Huesca zog. Dort veröffentlichte ein Herausgeber seine Werke unter dem Pseudonym Lorenzo Gracián. In Madrid war er für seine Redegewandtheit bei der Messe bekannt. Nach weiteren Konflikten versuchte er kurz vor seinem Tod, den Orden zu wechseln.
Die Ideen von Baltasar Gracián
Gracián ist berühmt für seine Konzepte:
- Ein für den Barock typischer Pessimismus, der jedoch Hoffnung auf Besserung lässt und keine religiösen Zumutungen enthält.
- Die Dinge haben einen Doppelwert.
- „Das Leben ist Kampf“ (Kampf um moralische Verbesserung).
- Die Regierung sollte für diejenigen da sein, die für ein Amt geeignet sind.
- Stilistisch steht er für den Konzeptismus (Antithese, Wortspiele, Ironie).
- Sein bekanntestes Motto: „Was gut ist, ist doppelt gut, wenn es kurz ist.“
Wichtige Werke Graciáns
- Werke für den guten Herrscher: El Héroe und El Político Don Fernando (in dem er Ferdinand den Katholischen als Vorbild darstellt).
- El Criticón: Hier werden Charaktere durch ihre Tugend definiert. Sie bereisen verschiedene Orte und kritisieren bestehende Strukturen sowie Korruption, während Vernunft und Tugend gelobt werden.
- Agudeza y arte de ingenio: Eine Abhandlung über die rhetorischen Mittel des Konzeptismus.
Das spanische Theater des Goldenen Zeitalters
Das prälopistische Theater
Dies umfasst die Werke spanischer Dramatiker im 16. Jahrhundert bis zum Erscheinen von Lope de Vega.
Die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts
Zwei wichtige Autoren sind Torres Naharro und Gil Vicente. Sie entwickelten das Theater von Juan de la Encina weiter. Es gab erste Änderungen, doch es fehlte noch an einer starken Handlung und einer geschickten Szenenfolge, wie sie später Lope de Vega einführte.
- Torres Naharro: Er arbeitete in Italien; seine Werke wurden am päpstlichen oder kardinalen Hof aufgeführt. Sein Werk umfasst acht Stücke, sechs davon in der Propalladia. Er unterteilte sie in Comedias a noticia (realistische Stoffe, z. B. Soldadesca) und Comedias a fantasía (fiktive Stoffe wie Himenea und Serafina).
- Gil Vicente: Er war am Hofe Karls V. bedeutend und schrieb teils auf Kastilisch, teils auf Portugiesisch. Er nutzte zwei Stile: pastorale Dialoge in der Nachfolge Encinas (Trilogía de las Barcas mit Bezügen zum Totentanz und Charon-Mythos) und Komödien wie Don Duardos.
Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts
Es entwickelten sich zwei Strömungen:
- Volkstheater: Lope de Rueda ist hier zentral. Seine Werke sind Komödien und vor allem Pasos (kurze, komische Zwischenspiele), die als Vorläufer der Entremeses gelten. Sie zeigen einfache, populäre Charaktere (Schwarze, Narren etc.). Bekannte Stücke sind Las Aceitunas (Die Oliven) und Los Criados. Juan de Timoneda prägte später den Begriff Entremeses.
- Das humanistische Drama: Miguel de Cervantes ist hier der wichtigste Vertreter. Von seinen frühen Werken sind nur La Numancia und Los tratos de Argel erhalten. Er begann mit dem Theaterschreiben, bevor Lope de Vega erfolgreich wurde, und kritisierte Lopes Abkehr von klassischen Formen im Don Quijote. Später passte er sich teilweise den neuen Gegebenheiten an. Bekannte Werke dieser zweiten Phase sind Los baños de Argel und La gran sultana. Besonders brillant sind seine Entremeses (z. B. El retablo de las maravillas oder La elección de los alcaldes de Daganzo), die durch feine Ironie und Gesellschaftskritik bestechen.
Weitere Autoren dieser Zeit sind Fray Gerónimo Bermúdez, Artieda, Cristóbal de Virués, Argensola und Juan de la Cueva.
Die Barockkomödie (Comedia Nueva)
Das Wort „Komödie“ ist im 17. Jahrhundert ein Oberbegriff für die gesamte Theaterproduktion. Lope de Vegas Arte nuevo de hacer comedias löste eine Revolution aus.
Besonderheiten und Themen
Bestimmte Themen wiederholen sich ständig:
- Ehre (Honor): Die Verteidigung der Würde. Während Honor die innere Würde einer Person beschreibt, ist Honra das öffentliche Ansehen. Viele Werke handeln vom Verlust und der oft blutigen Wiederherstellung der Ehre.
- Liebe: Dieses Thema ist fast immer mit der Ehre verknüpft. In Dramen versucht oft ein Adliger, eine Frau zu verführen, worauf Vater oder Ehemann reagieren. In Komödien kämpfen junge Liebende mit Tricks und Kniffen gegen Hindernisse, um am Ende heiraten zu können.
- Religion: Hier steht die Moral im Fokus. Viele Werke behandeln Wunder, das Heil der Seele oder den Kampf gegen die Sünde. Religiöse Themen finden sich besonders bei Lope de Vega, Calderón de la Barca und Tirso de Molina.