Die Spanische Poesie nach dem Bürgerkrieg (1939–2000)

Eingeordnet in Spanisch

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 5,22 KB

Die Spanische Poesie nach dem Bürgerkrieg

Nach dem Spanischen Bürgerkrieg wurden viele Autoren getötet oder gingen ins Exil, was die natürliche Entwicklung der spanischen Literatur unterbrach. Darüber hinaus verhängte das Franco-Regime eine strenge Zensur auf Publikationen, die auch nur ein Minimum an Dissens gegenüber dem etablierten Regime zum Ausdruck brachten.

Trends in der Nachkriegspoesie

In der Poesie der Nachkriegszeit lassen sich zwei Hauptströmungen unterscheiden: die tief verwurzelte und die entwurzelte Poesie.

Die tief verwurzelte Poesie

Diese Strömung wird von Autoren der Generation von '36 vertreten, die konform mit dem Regime waren. Sie verfolgten einen klassischen Ansatz und schlugen einen heroischen Ton an. Wichtige Vertreter sind Luis Rosales (z. B. Retablo de Navidad).

Die entwurzelte Poesie

Die entwurzelte Poesie spiegelt die Wechselfälle des Dichters in Zeiten der Not und des Schmerzes sowie den Mangel an Hoffnung in die Zukunft wider. Dieser Trend führte zur sozialen Poesie und wird von Dámaso Alonso in Hijos de la ira (Kinder des Zorns) vertreten.

Die Soziale Poesie (50er Jahre)

In den 50er Jahren trat die Soziale Poesie in Erscheinung. Der Dichter verspürte die Notwendigkeit, kritische Aussagen über die Realität zu treffen, und nahm eine Haltung der Verpflichtung gegenüber der Situation in Spanien ein. Die Autoren forderten eine Veränderung der Gesellschaft und vertrauten auf die Dichtung als Mittel, um diese zu erreichen.

Zentrale Themen:

  • Spanien und soziale Ungerechtigkeit
  • Die Sehnsucht nach Freiheit

Die Sprache ist klar, prosaisch und im Plauderton gehalten, jedoch mit vielen rhetorischen Figuren versehen. Wichtige Vertreter sind Gabriel Celaya (z. B. Cantos Íberos) und Blas de Otero (z. B. Ángel fieramente humano und Conciencia).

Die Poesie des Wissens (60er Jahre)

Ende der 50er Jahre trat eine Gruppe von Dichtern auf, die eine stärkere Ausarbeitung der poetischen Sprache und eine Verlagerung vom Kollektiven zum Individuellen anstrebten. Sie verteidigten hauptsächlich die Idee der Dichtung als eine Form des Wissens.

Obwohl jeder Dichter seinen eigenen Weg verfolgte, gab es gemeinsame Themen und Merkmale:

  • Vergänglichkeit des Lebens und der Zeit
  • Liebe und Freundschaft
  • Reflexion über die eigene Poesie (Metapoesie)
  • Ablehnung der Rhetorizität früherer Strömungen

Wichtige Vertreter sind Jaime Gil de Biedma und Ángel González.

Die Generation der 70er Jahre (Novísimos)

Diese Generation, oft als Novísimos bezeichnet, verband die Hochkultur mit Elementen der Popkultur wie Rock, Fernsehen und Werbung. Die Autoren verfügten über einen breiten kulturellen Hintergrund, der eine Vorliebe für europäische und lateinamerikanische Literatur zeigte.

Themen und Stil:

  • Persönliche Auseinandersetzung mit dem Zeitgeschehen (z. B. Konsumgesellschaft, Filme des Vietnamkriegs).
  • Städtische Kultur (z. B. Mythen des Sports).
  • Ziel war die Erneuerung der poetischen Sprache.

Wichtige Autoren sind Pere Gimferrer (z. B. Arde el mar) und Leopoldo María Panero (z. B. Teoría).

Poesie in der Demokratie (80er und 90er Jahre)

Mit der Demokratisierung nahm der Einfluss des Dichters auf die Gesellschaft ab, und die Zahl der Poesieleser sank. Die Zeit war jedoch durch eine Fülle von Veröffentlichungen gekennzeichnet, was auf die Zunahme poetischer Zeitschriften, Wettbewerbe und Auszeichnungen zurückzuführen war.

Die Vielfalt der 80er Jahre

In den 80er Jahren entwickelten sich vier Hauptströmungen:

  1. Neosurrealismus: Setzt die Tradition der Generation von '27 fort und bringt neue Elemente ein. Vertreter sind Blanca Andreu und Juan Carlos Mestre.
  2. Minimalistische Poesie: Verwendet Verse, um den Menschen dem Absoluten näherzubringen. Vertreter ist Jaime Siles.
  3. Ästhetische Poesie: Gekennzeichnet durch die Verherrlichung von Sinnlichkeit, Jugend und körperlicher Schönheit. Vertreter sind Ana Rossetti und Antonio Luis de Villena.
  4. Intime Poesie: Gekennzeichnet durch die Auseinandersetzung mit Themen wie Erinnerung, Liebe, Freundschaft und Alltag. Vertreter sind Miguel D'Ors und Abelardo Linares.

Strömungen der 90er Jahre

In den 90er Jahren dominierten zwei Strömungen: die hermetische Poesie und die Poesie der Erfahrung.

Hermetische Poesie

Diese Strömung ist geprägt von der Rechtfertigung der Avantgarde, der Unterbrechung des lyrischen Diskurses, Kürze und kurzen Versen. Autoren wie Andrés Sánchez Robayna, Olvido García Casado und Miguel Valdés veröffentlichten in Zeitschriften wie El signo del gorrión (Das Vorzeichen des Spatzes).

Poesie der Erfahrung

Die Poesie der Erfahrung umfasst viele erzählende Gedichte, die sich mit der Privatsphäre des Autors befassen. Humor und Ironie sind hier präsent. Wichtige Vertreter sind Andrés Trapiello und Felipe Benítez Reyes.

Verwandte Einträge: