Das spanische Rechtssystem: Gewaltenteilung und Quellen des Arbeitsrechts
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Das spanische Rechtssystem: Gewaltenteilung
Die spanische Rechtsordnung basiert auf der Notwendigkeit allgemeiner Regeln, welche die Koexistenz in der Gesellschaft erleichtern.
Die drei Gewalten
- Die Legislative (Gesetzgeber): Besteht aus dem Senat und dem Kongress (Cortes Generales). Sie ist zuständig für die Ausarbeitung und Verabschiedung von Gesetzen.
- Die Exekutive (Regierung): Gebildet durch den Präsidenten, den Vizepräsidenten, Minister und andere Mitglieder. Ihre Funktion ist der Gesetzesvollzug und die Verwaltung.
- Die Judikative (Gerichte): Die Gerichte sind zuständig für die Lösung von Problemen und Beschwerden, die aus der Verletzung oder Auslegung des Rechts entstehen können.
Quellen des spanischen Rechts
Das Rechtssystem basiert auf geschriebenen und ungeschriebenen Regeln. Das allgemeine Wahlrecht ermöglicht es den Bürgern, ihre Vertreter in der Legislative zu wählen, welche die Gesetze erlässt.
Geschriebene Rechtsquellen (Hierarchie)
- Die Verfassung: Die oberste Rechtsnorm, die Grundrechte und bürgerliche Freiheiten regelt.
- Organische Gesetze (Leyes Orgánicas): Gesetze, die die Entwicklung der Grundrechte, das allgemeine Wahlsystem und Bildungsgesetze regeln.
- Einfache Gesetze (Leyes Ordinarias): Gesetze, die andere Materien regeln.
- Königliche Gesetzesdekrete (Reales Decretos Legislativos): Regeln mit Gesetzeskraft, die die Regierung auf Ermächtigung der Cortes Generales entwickelt.
- Königliche Dekretgesetze (Reales Decretos-Leyes): Regeln mit Gesetzeskraft, die die Regierung in Fällen außerordentlicher und dringender Notwendigkeit erlässt.
- Verordnungen (Reglamentos): Materielle Vorschriften zur Durchführung der Gesetze.
- Königliche Erlasse (Reales Decretos): Verordnungen, die vom Ministerrat gebilligt werden.
- Ministerialverordnungen (Órdenes Ministeriales): Verordnungen, die von einzelnen Ministern erlassen werden.
- Verfügungen der Regierung: Regelungen zu Fragen, die mehrere Ministerien betreffen.
- Resolutionen: Von der Generaldirektion erlassene Standards.
Ungeschriebene Rechtsquellen
Die ungeschriebenen Regeln des Rechts leiten die Gesellschaft kontinuierlich und umfassen:
- Gewohnheitsrecht (Costumbre): Traditionelle Regeln und Überzeugungen.
- Allgemeine Rechtsgrundsätze (Principios Generales del Derecho): Grundlegende Prinzipien, die das Rechtssystem durchdringen.
Merkmale des Arbeitsverhältnisses
Ein Arbeitsverhältnis im Sinne des spanischen Rechts weist folgende wesentliche Merkmale auf:
- Persönliche Leistung: Die Arbeit muss persönlich vom Arbeitnehmer erbracht werden.
- Freiwilligkeit: Es handelt sich um eine freiwillige, aber verbindliche Beziehung.
- Fremdbestimmung (Ajeneidad): Die Arbeit gehört der Person, die die Arbeitskraft „mietet“ (dem Arbeitgeber).
- Abhängigkeit (Dependencia): Der Arbeitnehmer unterliegt der Weisungsbefugnis des Arbeitgebers.
- Vergütung: Im Austausch für die geleistete Arbeit erhält der Arbeitnehmer ein Gehalt.
Hierarchie der Quellen des spanischen Arbeitsrechts
Die Bedeutung der spanischen Arbeitsrechtsquellen ist in folgender Reihenfolge festgelegt:
Recht der Europäischen Gemeinschaft
Die Gemeinschaftscharta der sozialen Grundrechte der Arbeitnehmer umfasst Rechte wie Freizügigkeit, fairer Lohn, Verbesserung der Arbeitsbedingungen, sozialer Schutz, Tarifverhandlungen und berufliche Bildung.
Die spanische Verfassung
Sie legt die Grundrechte fest, die jedem Arbeitnehmer am Arbeitsplatz zustehen.
Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und internationale Verträge
Dienen der Harmonisierung der Arbeitsbedingungen.
Gesetze und Vorschriften mit Gesetzeskraft
Dazu gehören Organische Gesetze und Dekretgesetze. Das wichtigste Gesetz ist das Arbeitnehmerstatut (Estatuto de los Trabajadores), welches die grundlegenden Rechte und Pflichten sowie wichtige Aspekte der Beschäftigung regelt.
Verordnungen (Reglamentos)
Sie sind für die Entwicklung der Gesetze zuständig (z. B. in Bezug auf Jugendarbeit).
Tarifverträge (Convenios Colectivos)
Sie regeln die Bedingungen für bestimmte Berufe oder Territorien.
Arbeitsvertrag (Contrato de Trabajo)
Der individuelle Arbeitsvertrag ist eine Quelle des Rechts.
Arbeitsgewohnheitsrecht (Usos y Costumbres Laborales)
Ungeschriebene Regeln, die spezifisch an einem Ort oder in einem Beruf gelten.