Spanische Renaissance-Lyrik: Balladen und Garcilaso
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Die Balladen: Traditionelle Verserzählungen
Die Balladen sind Verserzählungen, die ursprünglich gesungen werden sollten und anonym überliefert wurden. Sie umfassen in der Regel acht-silbige Zeilen in Reimen mit klangvollem Gleichklang. Die alten Romanzen stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts (S. XVI) und sind aufgrund ihrer Anonymität und mündlichen Überlieferung schwer zu datieren. Die neuen Romanzen sind schriftliche Kompositionen von Dichtern aus dem späten 16. Jahrhundert, verfasst in Nachahmung der Form und des Stils der Alten.
Themen der Balladen
Die behandelten Themen sind vielfältig:
- Episch-mittelalterliche Stoffe
- Französische Geschichte
- Grenzen der Fiktion
- Griechisch-römische Mythologie
- Biblische Religion
Die Lyrik der Renaissance
Die italienische Lyrik brachte zwei wesentliche Neuerungen hervor: den Endecasillabo (Elf-Silbler) und das Enjambement (Zeilensprung). Zudem etablierten sich verschiedene Kompositionsarten in der Renaissance-Lyrik, die in der italienischen Dichtung verwurzelt sind: die Terzinen (Tercetos), die Lira, die Octava Real, das Sonett und die sapphische Strophe.
Stilistische Merkmale und Naturideale
Der Stil entspricht dem Ideal der Einfachheit und Natürlichkeit. Die Themen und Ideale entwickelten sich aus dem Neuplatonismus der klassischen Literatur und den wichtigsten italienischen Vorbildern. Ein zentrales Thema ist das Leiden durch Liebe und Tod, oft geprägt durch Abwesenheit oder mangelnde Entsprechung. Die Beschreibung der Frau erfolgt über Vergleiche mit Schönheit und Natur; sie kann sowohl als skrupelloser Mann als auch als loyaler Liebhaber erscheinen. Ein weiteres konstantes Thema ist die Natur: Die Landschaft steht dabei im Einklang mit der Stimmung des Autors.
Entwicklung der Renaissance-Dichtung
Die zwei Etappen der Lyrik
1. Etappe: In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde eine poetische Erneuerung durch den Petrarkismus und den Einbruch des klassischen Einflusses produziert.
2. Etappe: Die Veränderungen korrespondieren mit dem Aufkommen spiritueller Literatur und mystischer Themen. Diese entsprechen der moralischen oder religiösen Askese, wie sie bei Fray Luis de León und San Juan de la Cruz zu finden ist.
Askese und Mystik
In diesem Kontext werden zwei Wege unterschieden:
- Askese: Die Suche nach Reinigung und Vollkommenheit durch einen Prozess, der die Seele zur Vereinigung mit Gott führt. Dies geschieht über drei Wege: den purgativen (reinigenden), den illuminativen (erleuchtenden) und den einigenden Weg.
- Mystik: Die mystische Erfahrung entspricht der liebenden Vereinigung mit Gott.
Garcilaso de la Vega (1501–1536)
Garcilaso de la Vega arbeitete als Höfling für König Karl I. Sein Werk löste die wichtigste Revolution in der spanischen Lyrik aus und wurde zum Vorbild für spätere Dichter. Die Liebe ist sein Thema par excellence, ausgedrückt durch Melancholie und Trauer über Frustration oder die Abwesenheit der Geliebten. Ebenso ist der Locus Amoenus ein zentrales Motiv. Weitere Themen sind Freundschaft, das Schicksal und die Fortuna.
Werke und poetischer Stil
In seinen Gedichten ist er zunächst von den Liedern des Ausiàs March beeinflusst; ab 1532 verstärkte sich der Kontakt zur petrarkistischen Poesie. Zu seinen Werken zählen Oden, Elegien, Eklogen und Episteln. Sein Stil zeichnet sich durch natürliche Ausdruckskraft aus und nutzt gezielt Epitheta, Metaphern, Übertreibungen sowie Personifikationen.