Spanische Renaissance-Lyrik: Formen, Meister und Topoi

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Poesie des 15. und 16. Jahrhunderts

Die Poesie des 15. Jahrhunderts (1511–1543) markiert den Beginn der Verbreitung der neuen Poesie (1543–1590) in Spanien.

Themen und Motive der Renaissance-Dichtung

Die zentralen Themen und Motive der Renaissance-Dichtung stammen hauptsächlich aus:

  • Petrarca
  • Der klassischen Tradition

Wichtige Formen der Poesie

Die spanische Lyrik übernahm und adaptierte verschiedene italienische Formen:

  • Sonett: Bestehend aus zwei Quartetten und zwei Terzetten (z. B. ABBA ABBA CDC CDC).
  • Lira: Eine Strophenform, die Endecasílabos (Elfsilbler) und Heptasílabos (Siebensilbler) kombiniert (aBabB).
  • Canción (Lied): Nach dem Vorbild Petrarcas, bestehend aus mehreren Strophen (*Estancias*) mit Hendecasyllables und Heptasyllables.
  • Terza Rima (Terceto encadenado): Dreizeilige Strophen mit Kettenreim (ABA BCB CDC), häufig verwendet in Elegien, Episteln und Eklogen.
  • Octava Real (Königsoktave): Achtzeilige Strophe (ABABABCC), die Versform schlechthin für epische und erzählende Dichtung.

Garcilaso de la Vega: Meister der italienischen Formen

Garcilaso de la Vegas Werk gilt als die vollendete Aufnahme der italienischen Formen in die spanische Dichtung. Es zeichnet sich durch Musikalität und Balance aus.

Garcilasos Themen und Genres

Garcilaso war das Idealbild des Renaissance-Menschen. Sein Werk umfasst fast alle Genres und Themen der geliebten Tradition. Die ständigen Themen seiner Texte sind die Liebe, die Natur und die Freundschaft.

Entwicklung der Sonette und Lieder

Seine Gedichte erzählen von vorherbestimmten Liebesprozessen.

  • Poesie vor 1533: Dieses Datum markiert den Tod von Isabel Freyre. Der Ton ist rhetorischer und orientiert sich an der Liebe der valencianischen Dichter des *Cancionero* (z. B. Ausiàs March).
  • Poesie nach 1533: Die Sentimentalität und Melancholie werden sanfter. Zu dieser Gruppe gehören die letzten Sonette, die sich auf die Mythologie beziehen.

Die Eklogen Garcilasos

Garcilaso schrieb drei bedeutende Eklogen:

  • Ekloge II: Die erste und umfangreichste Ekloge, die die unglückliche Liebe von Camilla und Albanio erzählt.
  • Ekloge I: In zwei Teile unterteilt, in denen die neue, klare Renaissance-Empfindsamkeit erscheint (eine Synthese des Liederbuchs von Petrarca).
  • Ekloge III: Ein Gedicht in der Octava Real, das vier Geschichten erzählt. Die ersten drei zeigen Nymphen, die Mythen weben; die letzte erzählt vom Tod Elisas. Das Gedicht schließt mit dem *Canto Amebeo* (dem Wechselgesang als Manifestation der Liebesgefühle).

Die Lyrik nach Garcilaso

Die spanische Poesieszene nach Garcilaso ist breit gefächert und bereichert die kastilische Sprache. Fernando de Herrera, Fray Luis de León und San Juan de la Cruz sind die Dichter, die in dieser Zeit hervorstechen.

Fernando de Herrera

Herrera besaß eine ausgezeichnete Allgemeinbildung und galt nach Garcilaso als der bessere Dichter. Im Jahr 1582 veröffentlichte er eine Sammlung von Sonetten, Gedichten, Liedern, Elegien und Eklogen. Seine ästhetischen Ideen legte er in einem ausführlichen Kommentar dar.

San Juan de la Cruz (Johannes vom Kreuz)

Er studierte Philosophie und Theologie und gehörte dem Karmeliterorden an, dessen Reform er mitgestaltete. Er ist einer der größten Lyriker der kastilischen Sprache. Obwohl er sich in die Tradition Garcilasos einordnet, ist sein Werk von großer Originalität geprägt.

Fray Luis de León

Leben und Kontroversen

Fray Luis de León war ein Augustinermönch und Professor an der Universität Salamanca. Er war inhaftiert, weil ihm vorgeworfen wurde, das *Hohelied* (*Cantar de los Cantares*) in die Umgangssprache übersetzt und in seinen Vorlesungen Meinungen gegen die Vulgata vertreten zu haben.

Poetisches Werk

Sein poetisches Werk umfasst hauptsächlich Oden.

  • Metrik: Vor allem die maltesische Lira, aber auch andere Strophenformen.
  • Themen: Die Erhöhung der Tugend, die Beherrschung der Leidenschaften, die Harmonie und die Kontemplation.
  • Stil: Eine neue, kultivierte und verfeinerte poetische Sprache.

Große Oden

  • „Ode an Francisco de Salinas“: Bezieht sich auf die seelische und musikalische Harmonie.
  • „Ode an Loarte“: Eine Hymne an die universelle Harmonie.

Prosa-Werke

  • Die Namen Christi (*De los nombres de Cristo*): Eine sehr komplexe theologische Abhandlung über die verschiedenen Namen Gottes in der Bibel.
  • Die vollkommene Ehefrau (*La perfecta casada*): Ein Handbuch, das Teil der zeitgenössischen Literatur über die Ehe ist.

Wichtige lateinische Topoi der Renaissance

Diese klassischen Motive prägten die Dichtung der Zeit:

  • Carpe diem: Genieße den Tag/die Zeit.
  • Locus amoenus: Der liebliche/angenehme Ort.
  • Tempus fugit: Die Zeit vergeht schnell.
  • Aurea mediocritas: Die goldene Mittelmäßigkeit.
  • Beatus ille: Glücklich derjenige (der die Ruhe des Landlebens genießt).

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