Die Spanische Restauration: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
Eingeordnet in Geographie
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 4,07 KB
Die Restauration der konstitutionellen Monarchie
Die Rückkehr zur konstitutionellen Monarchie begann 1874 mit der Proklamation von König Alfonso XII., dem Sohn von Isabel II. Das neue Regime, ein Anhänger der konstitutionellen Monarchie, wurde von einer Regierung unter dem Vorsitz von Cánovas del Castillo geleitet, dem Architekten der Rückkehr der Bourbonen auf den Thron. Cánovas beendete den Krieg in Kuba sowie den Karlistenkrieg. Das politische System stützte sich auf zwei Säulen: eine neue Verfassung und den friedlichen Machtwechsel zwischen den Parteien.
Die Zeit des „Turnismo“
Die Ausübung der Macht basierte auf zwei politischen Parteien, die die konstitutionelle Monarchie akzeptierten und sich friedlich in der Regierung abwechselten (Turnismo). Diese Parteien waren:
- Die Konservativen
- Die Liberalen
Das Regierungsmonopol wurde durch die Korruption der sogenannten Caciques (Wahlhelfer) ermöglicht. Auf dem Land wurden die Bauern gezwungen, für die Partei zu stimmen, die den lokalen Interessen entsprach. In den Städten wurden Stimmen manipuliert, eine Praxis, die als Pucherazo bekannt ist. Dies führte zu Wahlergebnissen, die den Sieg zwischen Liberalen und Konservativen abwechselten.
Widerstand und neue politische Bewegungen
Der Widerstand gegen das System wuchs:
- Anarchisten: Aufgrund der Verfolgung nach verschiedenen Anschlägen gründeten sie die Confederación Nacional del Trabajo (CNT).
- Sozialisten: Unter der Führung von Pablo Iglesias wurde 1879 die Spanische Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) gegründet, gefolgt von der Unión General de Trabajadores (UGT), einer eng mit der PSOE verknüpften Gewerkschaft.
- Nationalismus: Es entstanden nationalistische Parteien als Reaktion auf den zentralisierten Staat, insbesondere in Katalonien, dem Baskenland und Galizien.
Eine schwache industrielle Revolution
Im 19. Jahrhundert verlief der wirtschaftliche Wandel in Spanien weniger intensiv als in Großbritannien. Gründe hierfür waren:
- Rohstoffmangel
- Schlechte Infrastruktur
- Fehlende Binnenmärkte
Oft investierten ausländische Unternehmen in moderne Fabriken. Die ersten Industrien waren Textilien, Eisen und Stahl. Die wichtigste Neuerung war die Eisenbahn. Das Netz hatte eine radiale Struktur mit Zentrum in Madrid, wobei die Spurweite breiter war als im restlichen Europa, was den Austausch erschwerte. Neue Sektoren wie Strom, Erdöl und Chemie entwickelten sich, doch die spanische Industrie blieb wenig wettbewerbsfähig und auf wenige Regionen konzentriert.
Die Liberalisierung des Bodens
Die Transformation der Landwirtschaft erfolgte durch die Liberalisierung des Bodens auf zwei Wegen:
- Abschaffung der Feudalrechte: Adlige konnten nun ihr Land bei Schulden verlieren.
- Enteignungen: Die Desamortisation von Mendizábal (Verkauf von Kirchengütern) und Madoz (Gemeindeland) ermöglichte es dem Bürgertum, Land zu erwerben, führte jedoch zur Verarmung vieler Bauern.
Bevölkerungswachstum und Gesellschaftsstruktur
Das Bevölkerungswachstum verlief langsamer als in anderen europäischen Ländern. Die hohe Geburtenrate traf auf eine nur leicht sinkende Sterblichkeitsrate. Die Landflucht in Richtung der Peripherie und der Städte nahm zu.
Klassengesellschaft
Die Gesellschaft gliederte sich wie folgt:
- Herrschende Klasse: Aristokratie, Adel und das Großbürgertum (Fabrikbesitzer).
- Mittelstand: Beamte und kleine Unternehmer in den Städten.
- Untere Klassen: Landarbeiter (Jornaleros) und Industriearbeiter mit niedrigem wirtschaftlichem Niveau und hoher Analphabetenrate.
- Randgruppen: Dienstboten, Bettler und Marginalisierte.