Spanische Romane der 60er und 70er Jahre: Eine Analyse
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Der spanische Roman in den 60er Jahren
Der Roman der 60er Jahre wurde maßgeblich von ausländischen Einflüssen geprägt. Erzähler wie James Joyce, Franz Kafka, Marcel Proust, Samuel Beckett und William Faulkner dienten als Vorbilder. Eine weitere Determinante war das „Reaching Out“ zur lateinamerikanischen Literatur mit Autoren wie Vargas Llosa und Gabriel García Márquez. Die Verbreitung dieser Romane wurde vor allem durch den Herausgeber Seix Barral gefördert.
Meilensteine der 60er Jahre
Herausragende Werke dieser Zeit sind Tiempo de silencio (Zeit des Schweigens) von Luis Martín-Santos, Señas de identidad (Zeichen der Identität) von Juan Goytisolo und Cinco horas con Mario (Fünf Stunden mit Mario) von Miguel Delibes.
Merkmale der literarischen Erneuerung
Diese Werke sind durch den Verlust der erzählerischen Leichtigkeit und folgende Merkmale gekennzeichnet:
- Erzählperspektive: Ein komplexer Dialog zwischen Erzähler und Romanfigur sowie ausgeprägter Perspektivismus.
- Struktur: Bruch der zeitlichen Linearität durch den Einsatz von Rückblenden (Flashbacks).
- Stil: Direkter innerer Monolog (Stream of Consciousness) und das bewusste Aufbrechen der Syntax.
- Sprache: Großer sprachlicher Reichtum und die Tendenz zur Kreation neuer Wörter.
- Visualität: Nutzung verschiedener Schriftarten zur Präsentation alternativer Handlungsstränge.
Diese Winde der Erneuerung zeigten sich auch bei Autoren wie Gonzalo Torrente Ballester (La saga/fuga de J.B.) sowie in Romanen wie Últimas tardes con Teresa von Juan Marsé und Ágata ojo de gato von Caballero Bonald.
Bedeutende Autoren im Porträt
Luis Martín-Santos
Posthum wurden seine Werke Apólogos und Tiempo de destrucción veröffentlicht. Sein bedeutendster Roman Tiempo de silencio markiert einen Meilenstein im spanischen Roman dieser Epoche. Die Geschichte weist Züge des Melodrams im Stile Barojas auf und zeigt dessen Einfluss besonders in der präzisen Beschreibung der Umgebungen.
Juan Goytisolo
Goytisolo widmete sich gleichermaßen der Erzählung und dem Essay. Er lebt heute in Marokko. Zu seinen wichtigen Werken zählt unter anderem Telón de boca (Vorhang).
Gonzalo Torrente Ballester
Geboren in Ferrol, war er Mitglied der RAE (Real Academia Española). Er gewann den Nationalpreis für Filomeno, a mi pesar. Weitere bedeutende Werke sind Crónica del rey pasmado und La saga/fuga de J.B.
Miguel Delibes
Er verfasste bedeutende Werke wie La sombra del ciprés es alargada, Mi idolatrado hijo Sisí, Cinco horas con Mario, El sudario und Los santos inocentes. Als Mitglied der Königlichen Spanischen Akademie wurde er mit dem Nationalpreis für Literatur und dem Cervantes-Preis geehrt.
Der spanische Roman der 70er Jahre
Strömungen und Funktionen
Ab dem Ende der 60er Jahre entwickelte sich eine als Experimentalismus bekannte Strömung. Eine neue Generation von Schriftstellern äußerte darin eine totale Ablehnung der klassischen Anekdote. Dieser Trend wird Autoren wie José María Guelbenzu, Félix de Azúa, Juan Cruz und Juan Eslava Galán zugeschrieben.
Juan Benet
Besondere Erwähnung verdient Juan Benet, der einen neuen Romantypus begründete, der die Entwicklung der Sprache und die Reflexion in den Mittelpunkt stellt. Zu seinen Hauptwerken gehören Volverás a Región, Saúl ante Samuel und El aire de un crimen.
Zusammenfassung der Tendenzen
Der spanische Roman dieser Ära ist durch das Nebeneinander verschiedener Richtungen geprägt. Trotz dieser Vielfalt lassen sich Gemeinsamkeiten erkennen:
- Ein erneutes Interesse an der Geschichte.
- Stilistische Vielfalt und eine große Bandbreite an Themen.
- Metafiktion: Die Thematisierung von Literatur innerhalb der Literatur.