Das Spanische Theater nach dem Bürgerkrieg: Trends, Autoren und Zensur
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Das Spanische Theater nach dem Bürgerkrieg (1940–1970)
Das Theaterfeld war kaum förderlich für innovative *Unruhen* (Inquietudes). Es war stark von kommerziellen und ideologischen Zwängen geprägt. Die Unternehmen waren abhängig von den Interessen eines Business-Systems, was die *eiserne Zensur* verschärfte. Man unterschied zwischen zwei Arten von Autoren: *Unterhaltungsautoren* und *seriösen* Autoren. Die Etappen und Trends ähnelten denen des Romans und der Lyrik:
- 1940er bis Mitte der 50er: Fortsetzung des traditionellen Theaters.
- Mitte der 50er (Existenzialismus): Sozialrealistisches Theater (Theater der Beschwerde).
- 1960er und 70er: Experimentelles Theater mit kritischer Ausrichtung.
Die Situation der Dramatiker und die Produktion der 40er
Nach dem Krieg waren einige Dramatiker gestorben (Lorca, Valle-Inclán), andere litten im Exil (Max Aub, Rafael Alberti). Die Spielpläne zeigten meist mittelmäßige Komödien, die ein bürgerliches Publikum ansprachen und Probleme vermieden. Es gab Festivals, die in Vergessenheit gerieten.
Die Hauptproduktion der 40er und 50er Jahre umfasste:
- Hohe Komödie/Salon-Drama (Die Benaventino-Linie): Autoren wie Luca de Tena und Calvo Sotelo. Diese Werke waren vorwiegend Komödien oder Salon-Dramen, die sich durch sorgfältige Dialoge und eine traditionelle Bühnenstruktur auszeichneten.
- Komisches Theater: Jardiel Poncela (schlug eine Erneuerung des Lachens vor) und Mihura (Theater des Absurden).
- Ernstes, nonkonformistisches Drama: Existenzielle Themen. Buero Vallejo (*Geschichte einer Treppe*). Bis 1955 etablierte sich das soziale Drama.
Das Humorvolle Theater: Satire und Absurdität
Dieser Humor wurde oft als Kritik an der spanischen Gesellschaft und all ihren Konventionen verstanden.
Enrique Jardiel Poncela
Ab den 30er Jahren trat er in die Welt der Dramaturgie ein. Er wollte die komische Form transformieren, musste aber dem Publikum Zugeständnisse machen. Werke: *Vier Herzen mit Bremse und rückwärts*, *Die Diebe sind ehrliche Leute*.
Miguel Mihura
Er begann vor dem Krieg zu schreiben, veröffentlichte aber regelmäßig erst ab den 50er Jahren. Sein Stück ***Drei Hüte*** (geschrieben 1932, uraufgeführt 20 Jahre später) stellte einen Bruch mit dem früheren komischen Theater dar. Es zeichnet sich durch die Assoziation unwahrscheinlicher Situationen, Dialoge und linguistische Spiele aus. Die drei Hüte symbolisieren die verlorene Freiheit. Die naive Protagonistin und die schöne *Dorothea* spiegeln die Konfrontation mit einer grausamen Gesellschaft wider. Die Rebellion wird durch die Entscheidung, das Brautkleid am Altar nicht auszuziehen, symbolisiert. Ab den 50er Jahren setzte sich die Satire durch. Mihuras Humor basiert auf der Lächerlichkeit der Charaktere und Handlungen, die der unmittelbaren Realität entnommen sind.
Realistisches Theater des Protests und der Anklage
Dies war eine neue Phase, die sich auf das soziale Drama konzentrierte. Ein neues Publikum forderte ein anderes Theater, und die Zensur war etwas entspannter. Es entstand das „Theater des sozialen Zeugen“ mit Buero Vallejo und Alfonso Sastre. Es wurde die „Grupo de Teatro Real“ gegründet.
Die Konsolidierung des sozialen Realismus erfolgte spät. Es wurden Fragen der sozialen Ungerechtigkeit und Entfremdung behandelt. Spezifische Probleme wie entmenschlichte Bürokratie, die Knechtschaft der Arbeit und die Situation der Arbeitnehmer wurden thematisiert.
Ästhetik und Technik
Direkter und elementarer Realismus, groteske Züge, expressionistische Stilisierung der Wirklichkeit. Während Autoren wie Buero Vallejo ein Theater wollten, das sich mit den Problemen Spaniens befasste, hatte Alfonso Sastre mit über 100 Komödien Erfolg, die heute oft vergessen sind.
Antonio Buero Vallejo: Tragödie und Hoffnung
Buero Vallejo, inhaftiert und zum Tode verurteilt als Soldat der Republik, sah die Tragödie als einen Blick auf die Menschen und die Welt, nicht als eine pessimistische Vision. Seine Funktion war es, *Unruhe* zu stiften, Probleme aufzuzeigen, ohne Lösungen einzuführen. Der Betrachter sollte das offene Drama verlängern. Seine Tragödien sind ein Aufruf zur Hoffnung auf eine geschwisterliche Welt.
Werke und Themen
- Soziale Kritik: Analyse der spanischen Gesellschaft mit all ihren Ungerechtigkeiten (*Geschichte einer Treppe*, *Das Oberlicht* – spiegelt die Träume und Frustrationen der Nachbarn Madrids wider).
- Symbolistisches Theater: Wirft existenzielle Fragen auf (*In die heiße Finsternis*, *Ein Weber der Träume*).
- Historische Dramen: Die Vergangenheit wird genutzt, um die Gegenwart zu lehren (*Der Schlaf der Vernunft*).
Charaktere: Die meisten Charaktere haben körperliche oder psychische Probleme. Sie durchlaufen einen Transformationsprozess im Stück. Sie sind oft von Egoismus getrieben.
Die Suche nach neuen Formen: Experimentelles Theater
Das soziale Theater erfuhr eine Erneuerung des realistischen und dramatischen Ausdrucks, beeinflusst von Strömungen aus dem Ausland. Es entstand das *Experimentelle Theater* mit einer neuen theatralischen Avantgarde (z. B. Francisco Nieva, José Ruibal).
Underground-Theater
Es entstand eine neue Welle des Underground-Theaters (z. B. *Tábano*, *Ant-Gala*, *Nieva*), das sich mutig von konventionellen Szenarien und dem Massenpublikum löste.
Gemeinsame Merkmale
- Theater des Protests und der Anklage.
- Thematisierung der Diktatur.
- Dramatische Behandlung: Der realistische Fokus wurde durch symbolische oder allegorische Ansätze ersetzt.
- Sprache: Poetischer Ton, Nutzung extraverbaler Ressourcen (Musik, Komödie, Revue).
Unabhängige Theatergruppen
Sie führten eine Synthese zwischen zwei Richtungen durch: der experimentellen (Assimilation innovativer Trends) und der populären (Ansprache der breiten Öffentlichkeit).
Beispiele: *Los Goliardos*, *Els Joglars*, *Tábano* (Theater der Grausamkeit und Happening), *Els Comediants*, *La Fura dels Baus*.