Spanischer Barock: Merkmale, Malerei und Diego Velázquez
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Historischer, kultureller und künstlerischer Barock in Spanien
Historische, kulturelle und künstlerische Aspekte des Barock in Spanien:
Im siebzehnten Jahrhundert durchlief Spanien in Politik und Wirtschaft eine Zeit der decadencia. Mitglieder der Dynastie von Asturien gaben die Regierung praktisch in die Hände des Herzogs von Lerma und Olivares. Militärische Aufgaben und aufstrebende Mächte führten schließlich bis zum Ende der spanischen Hegemonie in Europa. Wirtschaftliche Probleme, Kriege und Staatsbankrotte führten zu einer desaströsen wirtschaftlichen Lage.
Trotz dieser politischen und wirtschaftlichen Krise erlebte die Kultur und die Kunst Spaniens eine Blütezeit, das sogenannte Siglo de Oro oder spanische Goldene Zeitalter. Diese Bezeichnung verweist auf die Qualität und Fülle der kulturellen und künstlerischen Produktion. Die spanische Literatur erreichte Glanzzeiten mit Autoren wie Miguel de Cervantes und dessen Werk Don Quijote. Ebenso hervorzuheben sind das Theater von Calderón de la Barca und Lope de Vega sowie die Dichtung von Góngora und Quevedo.
In der Architektur ist der Einfluss von El Escorial besonders markant. Es dominiert kunstvolle Dekoration und geschwungene Skulpturen. Die Kirche war in dieser Epoche Schutzherrin vieler Werke: Altarbilder, religiöse Darstellungen und Figuren zeichnen sich durch große Emotionalität und Pathos aus. In der Malerei wird der Realismus und der starke Ausdruck der dargestellten Personen betont. Die Themen sind meist religiös, daneben treten Porträts sowie mythologische Motive auf.
Merkmale spanischer Barockgemälde
Merkmale spanischer Barockmalerei:
Spanische Barockgemälde zeigen oft eine einfache, auf den Ausdruck zielende Komposition. Sie lehnen die vorherrschende theatralische Pose ab und suchen Intimität und Naturalismus. Dunkelheit und Licht werden sorgfältig ausbalanciert; Tenebrismus und starke Hell-Dunkel-Kontraste sind charakteristisch.
Religiöse Themen dominieren, daneben treten aber Landschaft, Porträt und Stillleben hervor. Sinnlichkeit ist teilweise vorhanden, das direkte Rubenssche Element bleibt weniger einflussreich. Strenge Wertigkeit und Tenebrismus drücken sich in Atmosphäre und Farbgebung aus. Die Malerei lässt sich in verschiedene Schulen unterteilen: die toledanische Schule, die valencianische Schule mit Ribalta, die andalusische Schule mit Zurbarán und die Madrider Schule mit Velázquez.
Merkmale der barocken Malerei
- Streben nach Realismus und natürlichen Darstellungen.
- Darstellung schmerzhafter, trauriger oder als hässlich empfundener Aspekte der Gesellschaft.
- Farbe steht oft über der Zeichnung.
- Interesse an Lichteffekten, insbesondere Tenebrismus und starke Hell-Dunkel-Kontraste.
- Dreidimensionalität und Tiefenwirkung.
- Wegfall von tektonischer, strenger Symmetrie; Figuren sind häufig ineinander verflochten.
- Bewegung statt statischer Darstellung.
Die Spinnenden (The Spinners / Las Hilanderas)
Technik: Öl auf Leinwand. Stil: Spanischer Barock.
Das Bild zeigt eine alltägliche Szene mit mythologischem Bezug. Im Vordergrund links ist eine junge Frau, auf der rechten Seite kann man Arachne vermuten, während die alte, verschleierte Frau als Athene gedeutet werden kann. Im Hintergrund erscheint eine Frau im Halbdunkel und sammelt etwas vom Boden.
Weiter hinten fällt ein sehr heller Lichtstrahl schräg durch den Raum; dort sind drei Frauen zu sehen, die auf einen Wandteppich blicken: zwei blicken auf das Gewebe, eine auf die Spinnenden. Der Inhalt des Gemäldes erzählt die Sage, in der die geschickte Weberin Arachne die Götter herausfordert. Athena versucht vergeblich, sie abzubringen, und veranstaltet schließlich einen Wettbewerb, um zu prüfen, wer die beste Webarbeit liefert. Aus Zorn verwandelt Athena Arachne in eine Spinne, damit sie für immer webt.
Las Meninas
Stil: Spanischer Barock. Technik: Öl auf Leinwand.
Velázquez zeigt die Infantin Margarita mit ihrem Hofstaat aus Hofdamen und Zwergen in seiner eigenen Werkstatt, wo er sich selbst beim Malen darstellt und so die königliche Präsenz einbezieht. Die räumliche Tiefenwirkung ist beeindruckend: Im zentralen Bereich steht die Infantin Margarita, die Tochter der Könige, begleitet von ihren meninas. Sie reicht einem Mädchen Wasser in einer goldenen Schale.
Rechts befindet sich ein Zwerg mit auffälligem Kopf, daneben ein weiterer Zwerg und ein Hund. Diese körperlichen Besonderheiten und die Kleidung heben Kontraste in Schönheit und Farbe im Gemälde hervor. Hinter der Leinwand erscheinen zwei Damen halb verdeckt. Velázquez selbst ist mit einem Pinsel in der einen Hand und der Palette in der anderen dargestellt. Hinter ihm steigt ein Höfling die Treppe hinauf und weist mit dem Arm auf einen Spiegel, in dem die Könige von Spanien, Philipp IV. und Mariana, zu sehen sind.
Die Wirkung und Komposition von Las Meninas beeinflussten spätere Maler; Goya ließ sich unter anderem in seinem Gemälde Die Familie Karls IV. inspirieren.
Diego Velázquez
Sevilla (Frühe Jahre):
In seiner Jugend neigte Velázquez zu eher düsteren Tönen; seine frühen Werke behandeln häufig religiöse Themen, etwa Anbetung der Könige, und zeigen frühen Realismus.
Erster Aufenthalt in Madrid
Seine lange Tätigkeit am Hof ermöglichte ihm das Studium venezianischer Malerei und persönliche Begegnungen mit Rubens. Er wandte sich von rein religiösen Themen ab und experimentierte mit Bildern mythologischen Inhalts sowie Landschaften.
Erste Reise nach Italien
In Italien legte Velázquez die frühe Dunkelheit vieler Werke ab und widmete sich stärker Farbe, Aktdarstellung und Luftperspektive.
Zweiter Aufenthalt in Madrid
Er entwickelte sich zum bedeutendsten Hofporträtisten. In seinen Porträts verzichtet er auf theatralische Effekte und schafft ehrliche, oft neugierige Darstellungen von Hofnarren und anderen Persönlichkeiten. Zudem entstanden leuchtende Landschaften.
Zweite Reise nach Italien
Auf Italienreisen porträtierte er u. a. Papst Innozenz X. und schuf Werke wie die "Venus am Spiegel".
Dritter Aufenthalt in Madrid
In dieser Phase malte Velázquez Meisterwerke wie Las Meninas und Die Spinnenden (The Spinners), die zu den Höhepunkten des spanischen Barock zählen.