Spanischer Realismus: Galdós, Clarín & europäischer Kontext
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Benito Pérez Galdós (19.–20. Jh.)
Benito Pérez Galdós versuchte, Lösungen für die Probleme des Landes zu finden. Sein Interesse an der Geschichte zielte darauf ab, eine bessere Zukunft zu gestalten. Er verfasste 46 Romane über nationale Ereignisse, die seine gesamte Schaffenszeit umspannen. Er nutzte die Vergangenheit nicht, um der Gegenwart zu entfliehen, sondern um sie zu erklären und zukünftige Fehler zu vermeiden. Seine Arbeit hatte einen didaktischen Charakter.
Schaffensphasen von Galdós
Erste Phase: Thesenromane
In seiner ersten Periode widmete er sich politisch-historischen Romanen, den sogenannten Thesenromanen (z. B. Doña Perfecta, Gloria, La familia de León Roch). Ein zentrales Thema war der Konflikt zwischen fanatischem Katholizismus und tolerantem Liberalismus.
Zweite Phase: Zeitgenössische Romane
In dieser Phase, zu der Die Enterbte gehört, verlagerte er die imaginären Schauplätze nach Madrid. Er verfeinerte die realistische Technik der Charakterzeichnung. Sein Meisterwerk Fortunata y Jacinta ist nicht nur eine Dreiecks-Liebesgeschichte um Fortunata (die Geliebte) und Jacinta (die Ehefrau), sondern beschreibt auch das Madrid der damaligen Zeit: die Mittelschicht, die von ihrer Arbeit und über ihre Verhältnisse lebt, und die Unterschicht in großer Not.
Spirituelle Phase
Diese Phase war durch seine zunehmende Erblindung geprägt (z. B. Misericordia).
Leopoldo Alas „Clarín“ (19. Jh.)
Leopoldo Alas, bekannt als „Clarín“, lebte in Oviedo, war Juraprofessor, Schriftsteller, Kritiker und Essayist. Seine Werke spiegeln seine krausistische Bildung wider.
Hauptwerk: La Regenta
Sein Roman La Regenta erzählt die Geschichte von Ana Ozores, die mit dem älteren Don Víctor Quintanar verheiratet ist. Sie leben in Vetusta (ein fiktives Oviedo). Ana steht zwischen zwei Wegen:
- Don Fermín de Pas (mystische Liebe)
- Don Álvaro Mesía (sexuelle Liebe)
Ana entdeckt die wahren Gefühle von Fermín, entscheidet sich aber für Álvaro. Ein Duell zwischen Álvaro und ihrem Mann endet mit dem Tod des Ehemanns. Daraufhin wird Ana gesellschaftlich ausgegrenzt. Sie versucht, sich wieder Don Fermín anzunähern, doch dieser ist von Eifersucht und Groll zerfressen.
Gesellschaft und Kultur im 19. Jahrhundert
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Konsolidierung der bürgerlichen Gesellschaft.
- Aufstieg der Arbeiterbewegung als Gegenkraft zum Bürgertum.
- Angst vor der Arbeiterbewegung führt zu autoritären Regierungen.
- Fortschritte in Wissenschaft, Technik und Idealen.
Der Realismus in Europa
Der Realismus ist eine Reaktion auf die Romantik. Er zeichnet sich durch das Interesse am Alltäglichen und der Beobachtung der Wirklichkeit sowie der Ablehnung von Fantasie und Erfindung aus. Die vorherrschende Gattung ist der Roman.
Merkmale des realistischen Romans
- Wiedergabe der Realität
- Protagonismus des Bürgertums
- Kritischer Fokus auf die Wirklichkeit
- Einfacher, umgangssprachlicher und spontaner Stil
Wichtige Autoren
Stendhal (Rot und Schwarz), Balzac (Die menschliche Komödie), Flaubert (Madame Bovary), Dostojewski (Schuld und Sühne), Tolstoi (Krieg und Frieden), Dickens.
Der Naturalismus in Europa
Der Naturalismus entstand um 1870, begründet von Émile Zola. Der naturalistische Roman stellt den Menschen als durch Vererbung und Milieu determiniert dar. Die Biologie bestimmt die Psychologie der Figuren. Der Roman konzentriert sich auf marginalisierte und degradierte Milieus und Charaktere, um den Determinismus besser zu veranschaulichen.
Realismus und Naturalismus in Spanien
Vorläufer des Realismus
Fernán Caballero (Die Möwe), Pedro Antonio de Alarcón (Der Dreispitz).
Autoren des Realismus
José María de Pereda (Peñas arriba), Juan Valera (Pepita Jiménez), Armando Palacio Valdés (Schwester San Sulpicio), Emilia Pardo Bazán (Die Herren von Ulloa).