Spanisches Theater: Gattungen, Generationen und bedeutende Autoren

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Einführung in die theatralische Gattung

Die theatralische Gattung unterliegt besonderen Bedingungen im Vergleich zu anderen Genres: Sie leidet stärker unter Zensur und muss zugleich wirtschaftlichen Anforderungen genügen, was sich in der Reichweite ihrer öffentlichen Kritik widerspiegelt. Im Folgenden werden verschiedene Arten des Theaters hervorgehoben, ihre Begrenzungen und die auffälligen Autorengruppen und Werke.

Generation von '98 (Generación del 98)

Die Generation von '98 zeichnete sich vor allem durch eine konzeptionelle Phase mit dichten Ideen aus. In dieser Generation finden wir philosophische und existentialistische Dramatiker wie Unamuno und Azorín. Diese Autoren richteten sich oft an ein ausgewähltes Publikum und prägten das Theater mit intellektuellen Debatten.

Das moderne Theater

Das moderne Theater war ein großer Erfolg im zwanzigsten Jahrhundert, verlor jedoch allmählich an Einfluss bis hin zu einem Rückgang. Beispiele für diese Richtung finden sich etwa in Werken von Eduardo Marquina, etwa In Flandern ist die Sonne untergegangen (span. original).

Komisches Theater

Das komische Theater stellte Volkstümliches und Gebräuche dar. Es ist einem Thema nah am Volk verpflichtet und verwendet oft einen vulgären Dialekt. Erwähnenswert sind die Álvarez Quintero-Brüder sowie Carlos Arniches, die auch Elemente der grotesken Tragödie pflegten.

Die Vanguardien

Die Vanguardien strebten danach, innovative neue Werke zu schaffen. Ramón Gómez de la Serna war eine prägende Figur, obwohl seine Werke nicht immer großen wirtschaftlichen Erfolg hatten. Die Avantgarden wirkten impulsgebend für neue Formen und Ausdrucksmöglichkeiten.

Generation von '27 (Generación del 27)

Die Generation von '27 brachte Autoren wie Alejandro Casona hervor; diese Theaterleute fanden vielfach Erfolg. Innerhalb dieser Generation ragt auch Miguel Mihura hervor, der eine sehr raffinierte Technik des Theaters des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelte.

Valle-Inclán und das Groteske

Valle-Inclán war einer der größten Innovatoren des spanischen Dramas aus dem frühen 20. Jahrhundert. Er schuf eine neue Form des Theaters: das Groteske, mit dem er große ästhetische Erfolge beim Publikum erzielte. Das Wesen des Grotesken ist die Verformung klassischer Werte, Figuren und Konventionen; diese Verformung tritt in seinen Werken deutlich zutage. Zu seinen wichtigsten Stücken zählen etwa Divinas palabras (Die göttlichen Worte).

Jacinto Benavente und die bürgerliche Komödie

Jacinto Benavente spiegelt in seinen Stücken die bürgerliche Komödie und gesellschaftliche Kritik wider; er setzte sich mit Sitten und Moral seiner Epoche auseinander. Benavente hatte großen Erfolg in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und war möglicherweise der erfolgreichste Dramatiker seiner Zeit. Sein Theater thematisierte Gewalt, schlechte Gewohnheiten, Korruption, besondere Interessen und das ländliche Leben.

Federico García Lorca: Tragödie, Sprache und Phasen

Federico García Lorca war ein Schriftsteller mit überwältigender Persönlichkeit. Sein Werk drückt oft ein tiefes inneres Unbehagen aus; er schrieb über Schicksal, Leidenschaften und die Verurteilung zur Einsamkeit oder zum Tod. Die Tragödie darin ist die einer Person, die zu lebenslanger innerer Sterilität verurteilt scheint.

Lorca kultivierte verschiedene theatralische Traditionen, darunter ländliches Drama, barocken Klassizismus, Puppenspiel (guiñol) und theatralische Avantgarde. Dadurch resultiert eine Vielfalt von Genres und die abwechselnde Verwendung von Versen und Prosa in seinen Stücken. Die ersten beiden seiner Werke wurden ganz in Versen verfasst; später entwickelte er eine poetische und entrückte Prosa.

Lorcas Sprache ist volkstümlich, erhält jedoch eine poetische Färbung durch Metaphern, emotionale Konnotationen und Bildhaftigkeit. Seine Theaterkarriere lässt sich in drei Phasen einteilen:

  • 1920er Jahre: Experimente mit populären Formen, dem guiñolhaften Theater, symbolistischem und modernistischem Drama. Sein erster Erfolg war María la O bzw. frühe populäre Stücke; ein bekannter Titel dieser Zeit ist María Pineda, in dem die Protagonistin hingerichtet wird. Ein weiteres hervorgehobenes Werk ist La zapatera prodigiosa (Die wunderliche Schusterin).
  • Persönliche und ästhetische Krise: In einer Phase tiefer persönlicher und ästhetischer Krise entstanden Werke, die innere Konflikte und künstlerische Neuausrichtungen widerspiegeln.
  • Blütezeit in den 1930er Jahren: Die reifste Phase Lorcas bringt eine ästhetische Strenge und zugleich eine starke Popularität. In fast allen Werken dieser Periode nimmt die Frau eine zentrale Rolle ein. Repräsentative Werke dieser Phase sind Bluthochzeit (Blood Wedding), das die Leidenschaft bis zum Tod zeigt; Yerma, das Drama einer Frau, die an Unfruchtbarkeit leidet und an der Treue zum Ehemann scheitert; Doña Rosita (Doña Rosita, die Jungfer), ein Drama über das vergebliche Warten auf Liebe; und Das Haus der Bernarda Alba (La casa de Bernarda Alba), das von Trauer, großen Leidenschaften und dem ständigen Konflikt zwischen Autorität und Freiheit handelt.

Zusammenfassung

Das spanische Theater des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts ist durch eine Vielzahl von Strömungen gekennzeichnet: philosophisch-existenzialistische Ansätze, modernes Theater, volkstümliche Komödien, die Avantgarden und die literarischen Generationen von '98 und '27. Bedeutende Autoren wie Valle-Inclán, Jacinto Benavente und Federico García Lorca haben unterschiedliche Formen und Themen vorangetrieben und dadurch die Entwicklung des Theaters nachhaltig geprägt.

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