Sprache als System: Komponenten, Merkmale und Theorien

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Sprache und Kunst

1. Das Zeichen und seine Komponenten

Zeichen dienen dazu, etwas darzustellen und zu kommunizieren. Dies umfasst alle Zeichen, die Menschen sowohl in der Sprache als auch in der Kunst, Mathematik usw. verwenden. Bei sprachlichen Zeichen kann unterschieden werden:

  • Ein Signifikant: Das „Wahrnehmbare“ – ob phonetisch (Phoneme) oder grafisch (Buchstaben) – des Zeichens.
  • Ein Signifikat: Das, was das Zeichen repräsentiert. Diese Bedeutung kann ein Objekt (Referenz) oder ein „mentales Konzept“ sein.

2. Definition des Systems: Sprache als System

Ein System ist eine Menge von Elementen (in diesem Fall Zeichen), die nach bestimmten Standards oder Regeln organisiert sind und in Beziehung zueinander zusammenwirken.

3. Syntax, Semantik und Pragmatik

Diese Bereiche untersuchen die Sprache aus unterschiedlichen Perspektiven:

  • Die Syntax befasst sich mit den Kombinationsmöglichkeiten von Signifikanten (der Satzstruktur).
  • Die Semantik konzentriert sich auf die Untersuchung der Bedeutung sprachlicher Zeichen.
  • Die Pragmatik beschäftigt sich mit der Verwendung von Sprache im Kontext. Sie analysiert das Verhältnis zwischen Äußerung, Kontext und Akteuren und wie Sprecher Aussagen im Kontext produzieren und interpretieren.

4. Merkmale der Sprache als System

  • Doppelte Artikulation: Die Sprache ist auf zwei Ebenen organisiert: einer Ebene bedeutungsloser Elemente (Laute, Buchstaben) und einer Ebene sinnvoller Einheiten (Wörter). Die ersten werden zu sinnvollen Einheiten zusammengefasst.
  • Kreativität: Diese wichtige Funktion bedeutet, dass sprachliche Systeme die Bildung unzähliger neuer Aussagen ermöglichen. Die Sprache ist ein privilegierter Bereich der unerschöpflichen menschlichen Erfindungsfähigkeit.
  • Konventionalität: Die Beziehung zwischen Signifikant und Signifikat ist willkürlich. Die Zeichen sind im strengen Sinne konventionell, da sie nicht natürlich sind.
  • Verschiebung (Displacement): Es ist möglich, Ereignisse, Fakten oder Gefühle zu kommunizieren, die nicht auf den aktuellen Raum und die Zeit der Gesprächspartner beschränkt sind.
  • Selbstreferenz: Die Sprache ist selbstreferenziell, da sie über sich selbst sprechen kann und die menschliche Vernunft reflexiv ist. Dies führt zur Unterscheidung zwischen Sprache und Metasprache.

5. Denken und Sprache

Die Grundfrage

Steht der Gedanke in Verbindung mit der Sprache? Ermöglicht uns die Sprache das Denken, oder passt sich die Sprache dem Gedanken an?

Linguistische Theorien zum Verhältnis von Denken und Sprache

  • Für einige Autoren bestimmt die Sprache unser Verständnis der Realität. Laut Sapir-Whorf: „Die Realität wird weitgehend durch die Sprachgewohnheiten der Gemeinschaft geformt, weshalb verschiedene Gemeinschaften in verschiedenen Welten leben.“ Dies bedeutet, dass die Welt, in der Menschen leben, durch die Sprache, die sie sprechen, beeinflusst wird, da diese die Interpretation der Welt prägt.
  • Andere Autoren glauben, dass ein Sprecher, obwohl er die Vorurteile seiner Sprache erbt, um die Realität zu verstehen, sich davon befreien kann, um die Realität so zu sehen, wie sie ist.
  • Einige Autoren argumentieren, dass das Denken sich nicht ohne Sprache entwickelt und dass jedes Denken „Sprachdenken“ ist, weil wir mithilfe der Sprache denken.
  • Andere Autoren, wie Piaget, argumentieren, dass Sprache ein Beispiel menschlicher Intelligenz ist. Sie unterscheiden zwischen sprachlichem Denken und nicht-sprachlicher Intelligenz, der sogenannten sensomotorischen Intelligenz, welche die Fähigkeit ist, Probleme durch Verhalten zu lösen.

6. Tierische Kommunikation und Sprache

Die Theorie des Aristoteles

Tiere haben eine Stimme und Laute, um Gefühle und Emotionen auszudrücken. Wie Aristoteles sagte: „Der Mensch besitzt den Logos (Vernunft).“ Daher ist der Mensch das Tier, das „mit Vernunft spricht“, weshalb der Mensch die Sprache vernunftgeleitet nutzt.

Erkenntnisse der Ethologie

Die Ethologie lehrt uns, dass Tiere durch Zeichensysteme kommunizieren. Einige davon sind phonetische Zeichen (Laute). Es gibt Zeichensysteme, die genetisch kodiert sind (z. B. bei Bienen). Wir wissen, dass einige höhere Tiere ihre eigenen, nicht-genetischen Zeichensysteme haben, die von einer Spezies zur anderen variieren.

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