Sprachliche Varietäten und Textlinguistik
Eingeordnet in Lehre und Ausbildung
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 5,04 KB
Kulturelle und sprachliche Varietäten
Diastratische Varietäten
Diastratische Varietäten (soziale Varietäten) werden durch Faktoren wie Alter, Geschlecht, sozioökonomischen Status, Ausbildung und Beruf beeinflusst. Diese lassen sich in physische und soziale Faktoren unterteilen:
- Physische Faktoren: Hierzu gehören Varietäten, die durch Unterschiede des Geschlechts oder des Alters veranlasst werden. Viele dieser Unterschiede spiegeln die gesellschaftliche Rolle der Sprecher und ihre Funktion in der Gesellschaft wider. Man unterscheidet Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Männer und Frauen anhand ihrer Merkmale.
- Soziokulturelle Faktoren: Diese werden durch den Beruf der Sprecher, ihre Ausbildung und ihr Sprachregister bestimmt. Im Allgemeinen verwenden Gruppen mit höherem sozialem und wirtschaftlichem Status Varietäten, die näher an der Norm liegen; diese gelten als Prestigevarietäten im Vergleich zu benachteiligten Gruppen, die stärker von der Norm abweichen.
Das Alter und die Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Gruppen führen zur Entstehung spezialisierter Sprachen, die als Jargon bezeichnet werden. Fachjargon dient dazu, den Gruppenzusammenhalt zu stärken und sich von anderen abzugrenzen. Es gibt zudem den Slang (oder Argot) als Varietät von Randgruppen, die eine Form der verschlüsselten Kommunikation entwickeln, um Außenstehende auszuschließen. Diese Ausdrucksweisen umfassen unter anderem die Gaunersprache (Rotwelsch) und die Jugendsprache.
Sprachregister (Diaphasische Varietäten)
Alle Sprecher verwenden die Sprache je nach Situation unterschiedlich. Die Fähigkeit, die Sprache an die jeweilige Kommunikationssituation anzupassen, nennt man Register. Der Sprecher wählt die Art des Sprechens nach Faktoren wie der Beziehung zwischen Hörer und Sprecher, dem Rahmen, dem Kanal und dem Thema aus. Wir unterscheiden Register wie formal-informell, allgemein-spezifisch oder mündlich-schriftlich.
Unterschiede zwischen formalem und informellem Register
- Formales Register: Verwendung von Aussagesätzen, präzise Aussprache, präziser Wortschatz, Nutzung von Formeln, förmlichen Anreden und gehobenen Ressourcen.
- Informelles Register: Verwendung ausdrucksstarker Ressourcen, entspannte Aussprache, vager Wortschatz (unscharfe Formulierungen), Suche nach Affinität und Zuneigung.
Das Konzept des Textes und seine Eigenschaften
Ein Text ist eine sprachliche Einheit, die über den Satz hinausgeht und einen bestimmten kommunikativen Zweck verfolgt. Er besteht aus Aussagen, die eine sinnvolle Botschaft vermitteln. Alle Texte müssen die Grundsätze der Angemessenheit, der Kohärenz und der Kohäsion erfüllen.
Angemessenheit (Adäquatheit)
Dies ist die Eigenschaft, durch die ein Text an die kommunikative Situation, den Kontext und den Diskurs angepasst wird. Ein Sprecher gilt als kommunikativ kompetent, wenn er die Fähigkeit besitzt, das Richtige zur richtigen Zeit auf dem richtigen Weg und der Situation entsprechend zu sagen.
Kohärenz (Inhaltlicher Zusammenhang)
Kohärenz bezeichnet die inhaltliche Verbindung der verschiedenen Teile, sodass die Elemente eine logische Beziehung zueinander aufbauen. Dadurch wird der Text zu einer Sinneinheit, in der alle Aussagen auf eine Hauptidee ausgerichtet sind. Die Grundidee wird durch Sekundärideen gestützt. Diese Informationsstruktur wird als thematische Progression bezeichnet und kann auf drei Arten erfolgen:
- Beibehaltung eines Themas, bei dem die Kernidee bleibt und neue Informationen hinzugefügt werden.
- Ableitung neuer Ideen, die Teil des Hauptthemas sind.
- Verknüpfung von Ideen durch Themenwechsel.
Die äußere Struktur erlaubt es uns, verschiedene Teile auf den ersten Blick zu unterscheiden, da ein Text meist in Absätze unterteilt ist. Er kann aber auch in Kapitel, Einheiten, Strophen oder Theaterakte und Szenen gegliedert sein.
Kohäsion (Sprachlicher Zusammenhalt)
Die Kohäsion betrifft den sprachlichen Zusammenhalt, der durch formale Verknüpfungsmittel (Kohäsionsressourcen) erreicht wird. Die wichtigsten Ressourcen sind:
- Phonische Rekurrenz: Wiederholung von Klängen und Formen.
- Grammatische Rekurrenz: Wiederholung grammatischer Kategorien oder Schemata.
- Lexikalische Substitution: Wiederholung von Bedeutung durch Synonyme, Antonyme usw.
- Grammatische Substitution: Wiederholung von Bedeutung durch Pronomen oder Adverbien.
Um übermäßige Wiederholungen zu vermeiden, nutzt man die oben genannten Substitutionen sowie die Ellipse, bei der sprachliche Elemente weggelassen werden, die keine neuen Informationen zum Text beitragen.