Strategien der Lagerlogistik und Beschaffung
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1. Zentrale Lagerhaltung im Mittelstand
Warum sind zentrale Lager die im Mittelstand vorherrschende Lagerform? Beschreiben Sie kurz Vor- und Nachteile.
Vorteile zentraler Lagerhaltung:
- Möglichkeit der vollständigen Automatisierung
- Geringere Materialvorräte
- Mindestbestand niedriger als die Summe aller Mindestbestände bei dezentraler Lagerung
- Niedrigere Kapitalbindung
- Bessere Raumausnutzung
- Höherer Materialumschlag: Dadurch geringere Verderblichkeit
- Wirtschaftlicherer Personaleinsatz → weniger Personal
- Effizientere Nutzung der Lagereinrichtungen
Nachteile zentraler Lagerhaltung:
- Keine Nähe zur Fertigung oder zum Kunden gewährleistet → Transport dauert länger, höherer Planungsaufwand, potenziell höhere Belastung der Umwelt
- Keine sachgemäße/stofforientierte Lagerung möglich, vor allem problematisch bei Chemikalien, Gefriergut etc.
- Umweltbedingungen wie Heizung, Belüftung und Befeuchtung sind standardisiert und nicht auf spezielle Produkte abgestimmt
2. Schwerkraftgetriebene Durchlaufregale
Beschreiben Sie einen typischen Anwendungsfall für ein schwerkraftgetriebenes Durchlaufregal und begründen Sie dies kurz.
- Das Durchlaufregal hat eine natürliche Neigung.
- Güter rücken auf Paletten oder Kartons selbstständig nach.
- Eine Seite dient als Einlagerungsort, die andere Seite als Auslagerungsort.
- Ermöglichung des FiFo-Prinzips (First-in-First-out) → geeignet für Produkte mit Mindesthaltbarkeitsdatum.
- Ebenfalls geeignet für die Teilebereitstellung an Montagelinien, da Teile leicht zugänglich sind.
- Kostensenkend beim Kommissionieren durch verkürzte Wege und Einsparung von Personal → Kommissionierungsverfahren.
3. Funktionen der Lagerverwaltung
Welche wichtigen Funktionen müssen in einer Lagerverwaltung enthalten sein? Bitte kurz beschreiben.
- Lagerabbild: Was ist im Lager enthalten? Abbildung der verschiedenen Detaillierungsstufen (Palette, Behälter, Stück, Gewicht).
- Einlagerungsfunktion: Steuerung der Einlagerung (z. B. Schnelldreher nach vorne, nicht in die hinterste Ecke).
- Auslagerungsfunktion: Berücksichtigung von Terminen, FIFO und Reduzierung von Lagerbewegungen.
- Optimierung der Reihenfolge von Ein- und Auslagerungsvorgängen.
- Zuordnung von Einlagerungsaufträgen zu Leerfächern und von Auslagerungsaufträgen zu Ladeeinheiten.
- Veranlassung und Überwachung von Fahranweisungen für die Regalförderzeuge.
- Reibungslose Identifikation und Kontrolle der Ein- und Auslagerung von Lagerhilfsmitteln.
- Führung des Lagerabbildes (Leerfächer und belegte Fächer).
- Fortschreibung aller Mengen der ein- und ausgelagerten Artikel.
4. Schutz vor Stillstand im Hochregallager
Welche Möglichkeiten hat der Anwender eines automatisierten Paletten-Hochregallagers, sich vor einem völligen Betriebsstillstand aufgrund einer partiellen Störung zu schützen? Nennen Sie drei Möglichkeiten und erläutern Sie diese kurz.
- Kämpf: Artikel werden über alle Lagergassen verteilt. Wenn eine Gasse ausfällt, kann über die anderen weitergearbeitet werden.
- Instandhaltungsverträge: Abschluss guter Verträge, bei denen Handwerker schnell reagieren müssen.
- Präventive Instandhaltung: Durch vorbeugende Wartungen und Inspektionen werden Störungen schon vor dem Auftreten vermieden.
- Installation von Warneinrichtungen: Diese machen rechtzeitig auf einen Ausfall aufmerksam, sodass Fehler behoben werden können, bevor es zum Stillstand kommt. Zudem können eingegangene Paletten und Kartons auf Systemkompatibilität geprüft werden.
- Absicherung der Datenübertragung: Regelmäßige und zeitnahe Speicherung der Daten, damit bei einem Systemausfall der manuelle Zugriff auf die Produktstandorte möglich bleibt.
5. Beschaffung von AX- und CZ-Teilen
Wenn Sie bei einer ABC/XYZ-Klassifizierung Ihrer Einkaufsteile CZ-Teile und AX-Teile erhalten, wie würden Sie diese Teile beschaffen bzw. worauf müssen Sie achten?
AX-Teile:
- Wertige, wichtige Teile für die Produktion, bei denen der Bedarf genau planbar ist.
- Einrichtung einer fertigungssynchronen Anlieferung (Just-in-Time), um die Kapitalbindung zu verringern.
- Produkte mit hohem Verbrauchswert und hoher Prognosegenauigkeit.
- Die Beschaffung kann automatisiert erfolgen, da Prognosewerte genau und Bedarfe bekannt sind.
CZ-Teile:
- Hohe Teilevielfalt, aber geringer Wert (ca. 10 % des Bestandswerts).
- Ziel: Den administrativen Aufwand minimieren.
- Entweder Kapitalbindung akzeptieren (großes Lager) oder Kapitalbindung auslagern (Konsignationslager).
- Produkte mit niedrigem Verbrauchswert und niedriger Prognosegenauigkeit.
- Einfache Lagerhaltung.
5. Beschaffung von AX- und CZ-Teilen (Wiederholung)
Wenn Sie bei einer ABC/XYZ-Klassifizierung Ihrer Einkaufsteile CZ-Teile und AX-Teile erhalten, wie würden Sie diese Teile beschaffen bzw. worauf müssen Sie achten?
AX-Teile:
- Wertige, wichtige Teile für die Produktion, wobei dem Lieferanten genau gesagt werden kann, wann sie benötigt werden.
- Fertigungssynchrone Anlieferung zur Verringerung der Kapitalbindung.
- Hoher Verbrauchswert und hohe Prognosegenauigkeit.
- Automatisierte Beschaffung aufgrund genauer Prognosewerte.
CZ-Teile:
- Hohe Teilevielfalt bei geringem Wert.
- Aufwand minimieren.
- Großes Lager oder Konsignationslager nutzen.
- Niedriger Verbrauchswert und niedrige Prognosegenauigkeit.
- Lagerhaltung.
6. Maßnahmen im Einkaufsportfolio
Welche Maßnahmen würden Sie ergreifen, wenn die strategische Positionierung Ihrer Kaufteile in der linken, oberen Ecke der Einkaufsportfolio-Matrix (geringe Lieferantenmacht / hohe Nachfragemacht) liegen würde? Nennen Sie 5 Maßnahmen.
Die empfohlene strategische Aktion lautet „Abschöpfen“.
- Preisreduzierung erzwingen: Nutzung der Macht gegenüber dem Lieferanten, ohne die Beziehung zu gefährden.
- Eigenfertigung verringern/vermeiden: Da Preise gedrückt werden können, lohnt sich Eigenfertigung oft nicht.
- Kontakt zu neuen Lieferanten: Markt sondieren, um stets den niedrigsten Preis zu erzielen.
- Menge verteilen: Risikostreuung auf verschiedene Lieferanten, um Abhängigkeiten zu vermeiden.
- Bestände niedrig halten: Minimierung der Kapitalbindungskosten; Lagerhaltung vorrangig beim Lieferanten durchsetzen.
7. Zentraler vs. dezentraler Einkauf
Nennen Sie jeweils 5 Merkmale, die für den zentralen bzw. dezentralen Einkauf sprechen.
Zentraler Einkauf:
- Niedrigere Kosten durch Einsparung von Personal.
- Größere Macht gegenüber Lieferanten durch Bündelung der Volumina.
- Standardisierung und Vereinfachung der Abwicklung.
- Nutzung von Best-Practice-Methoden.
- Möglichkeit zur Umsetzung eines strategischen Einkaufs.
Dezentraler Einkauf:
- Hohe Flexibilität und schnelle Reaktion auf lokale Änderungen.
- Spezialisierung durch Kenntnis lokaler Prozesse und Bedingungen.
- Größere Verantwortung für die lokale Produktion.
- Gesteigertes Einkaufsbewusstsein für den tatsächlichen Bedarf.
- Sinnvoll für Produkte mit geringer Wertschöpfung oder lokaler Verfügbarkeit.
8. Schritte des Low-Cost-Country-Sourcing (LCCS)
Welche 6 Schritte sind notwendig, um ein LCCS erfolgreich durchzuführen?
- Outsourcing: Entscheidung über die Fertigungstiefe.
- Bedarfsanalyse: Identifizierung der Bedarfe und Festlegung von Spezifikationen.
- Auswahl der Bedarfsgüter: Segmentierung, Analyse des Transaktionsvolumens und Durchführung eines Total Cost of Ownership (TCO) Vergleichs zwischen Inland und LCC.
- Lieferantenauswahl: Identifizierung von LCC-Lieferanten und Festlegung von Auswahlkriterien (z. B. Sozialstandards).
- Lieferantenbewertung: Kontrolle, Auditierung und Messung der Performance mittels KPIs.
- Lieferantenentwicklung: Qualifizierung, Verhaltenskodex und Richtlinien für Lieferanten.
9. Chancen und Risiken des LCCS
Nennen Sie jeweils 4 Chancen und 4 Risiken des Low-Cost-Country-Sourcing.
Risiken:
- Preis-/Kursrisiko: Unvorhersehbare Kostensteigerungen durch Wechselkursschwankungen.
- Compliance-Risiko: Andere Standards und Arbeitsbedingungen in LCC.
- Kreditrisiko: Zahlungsschwierigkeiten oder Insolvenz des Lieferanten.
- Qualitätsrisiko: Abweichendes Qualitätsverständnis führt zu fehlerhaften Teilen.
Chancen:
- Niedrigere Kosten: Günstigeres Lohnniveau und Produktionsfaktoren.
- Steuervorteile: Einsparungen in Ländern mit niedrigem Steuerniveau.
- Subventionen: Staatliche Förderungen nutzen.
- Marktmacht: Druck auf lokale Lieferanten zur Erhöhung der eigenen Verhandlungsmacht.
10. Lieferantenbewertung für AX-Teile
Sie sollen ein Bewertungssystem für AX-Teil-Lieferanten aufbauen. Nennen Sie 5 Kriterien mit Gewichtung (5 = hoch, 1 = niedrig).
- Gewichtung 5 – Produktqualität: Hohe Qualität ist zwingend für einen reibungslosen Produktionsablauf.
- Gewichtung 4 – Liefertermintreue: Da AX-Teile oft Just-in-Time geliefert werden, ist Pünktlichkeit essenziell.
- Gewichtung 3 – Mengentreue: Die exakte Anzahl an Teilen muss für die Produktion verfügbar sein.
- Gewichtung 2 – Lieferfrist: Zeitnahe Lieferung nach Bestellung reduziert die Kapitalbindung.
- Gewichtung 1 – Preis: Spielt eine untergeordnete Rolle, da die Wertigkeit hoch und die Lieferfrequenz oft geringer ist.
6. Maßnahmen im Einkaufsportfolio (Wiederholung)
Welche Maßnahmen würden Sie ergreifen, wenn die strategische Positionierung Ihrer Kaufteile in der linken, oberen Ecke der Einkaufsportfolio-Matrix liegen würde?
Die empfohlene strategische Aktion lautet „Abschöpfen“.
- Preisreduzierung erzwingen aufgrund der hohen Nachfragemacht.
- Eigenfertigung verringern oder vermeiden.
- Mit neuen Lieferanten in Kontakt bleiben für optimale Preise.
- Mengen auf verschiedene Lieferanten verteilen.
- Bestände niedrig halten und Lagerhaltung zum Lieferanten verlagern.