Strukturfonds und Kohäsionsinstrumente der Europäischen Union
Zusammenfassung
Der Text beschreibt die historische Entwicklung der EU-Strukturfonds von der EGKS bis zu den IMP sowie die wichtigsten Kohäsionsinstrumente wie EFRE, ESF, EAGFL, FIAF, Kohäsionsfonds und EIB. Außerdem werden die Grundsätze der Strukturpolitik, die Einteilung der Förderregionen in Zielkategorien und die Transeuropäischen Netze erläutert. Lernende erfahren, wie die EU regionale Ungleichgewichte abbauen will.
Kernpunkte
- EFRE wurde 1973 mit der ersten EU-Erweiterung eingeführt und setzt das Prinzip der Umverteilung zwischen stärker und schwächer entwickelten Regionen um.
- Der Kohäsionsfonds richtet sich an Mitgliedstaaten, deren BIP pro Kopf weniger als 90 % des EU-Durchschnitts beträgt.
- Der ESF fördert Beschäftigung, berufliche und geografische Mobilität sowie Unternehmensgründungen, mit besonderem Fokus auf Arbeitnehmer unter 25 Jahren.
- Die Strukturpolitik beruht auf den Grundsätzen der Konzentration, Programmplanung, Partnerschaft, Zusätzlichkeit und Evaluierung.
- Die ärmsten Regionen fallen unter Ziel 1 und erhalten die höchste Förderpriorität.
- Transeuropäische Netze sind Infrastrukturprojekte, die zwei oder mehr Mitgliedstaaten verbinden und natürliche Barrieren überwinden sollen.
Historische Entwicklung der EU-Strukturfonds
Die Europäische Union hat im Laufe der Zeit verschiedene strukturelle Instrumente entwickelt:
- EGKS (1951): Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl diente als erster Strukturfonds, der auf die Sektoren Kohle und Stahl ausgerichtet war.
- ESF und EAGFL (1958): Mit dem Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft wurden der Europäische Sozialfonds (ESF) und der Europäische Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL) als politische Instrumente geschaffen.
- EFRE (1973): Im Zuge der ersten EU-Erweiterung wurde der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) eingeführt. Er etablierte das Prinzip der Umverteilung zwischen stärker entwickelten und rückständigen Regionen.
- IMP (1986): Anlässlich des Beitritts von Spanien und Portugal wurden die Integrierten Mittelmeer-Programme (IMP) aufgelegt, um Griechenland, Italien und Frankreich zu unterstützen.
Die wichtigsten Kohäsionsinstrumente
- EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung): Dient dem Abbau regionaler Ungleichgewichte in der Gemeinschaft und setzt das Prinzip der Umverteilung zwischen den Regionen um.
- ESF (Europäischer Sozialfonds): Fördert Beschäftigungsmöglichkeiten, die geografische und berufliche Mobilität sowie die Finanzierung von Maßnahmen zur Schaffung stabiler Arbeitsplätze und zur Unterstützung von Unternehmensgründungen. Ein besonderer Fokus liegt auf Arbeitnehmern unter 25 Jahren.
- EAGFL (Europäischer Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft): Unterstützt die Anpassung von Anbaumethoden und sichert die landwirtschaftliche Produktion.
- FIAF (Finanzinstrument für die Ausrichtung der Fischerei): Bündelt finanzielle Mittel für Strukturmaßnahmen im Bereich der Fischerei und Aquakultur.
- Kohäsionsfonds: Stärkt den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt durch die Finanzierung von Umweltprojekten und transeuropäischen Netzen. Er richtet sich an Mitgliedstaaten, deren Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf weniger als 90 % des EU-Durchschnitts beträgt.
- EIB (Europäische Investitionsbank): Fördert Investitionen in den am stärksten benachteiligten Regionen innerhalb und außerhalb der EU und unterstützt kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
Grundsätze der Strukturpolitik
- Grundsatz der Konzentration: Die Mittel werden nach einheitlichen Kriterien auf die am stärksten benachteiligten oder dünn besiedelten Regionen konzentriert.
- Grundsatz der Programmplanung: Die Strukturpolitik wird auf der Grundlage mehrjähriger Pläne (6 bis 10 Jahre) umgesetzt, wobei die verschiedenen Fonds koordiniert werden.
- Grundsatz der Partnerschaft: Die Mitgliedstaaten sind für die Vorlage der Programme bei der Kommission verantwortlich, nachdem diese mit den beteiligten regionalen und lokalen Stellen abgestimmt wurden.
- Grundsatz der Zusätzlichkeit: Die EU-Mittel ersetzen nicht die nationalen Mittel, sondern ergänzen sie. Probleme, die auf einer niedrigeren Ebene gelöst werden können, sollen nicht an eine höhere Instanz delegiert werden (Subsidiaritätsprinzip).
- Grundsatz der Evaluierung: Die EU verfolgt eigene Ziele, die nicht immer mit denen der Mitgliedstaaten übereinstimmen. Durch Gemeinschaftsinitiativen werden eigene Pilotprojekte entwickelt und bewertet.
Regionalpolitik und Strukturmaßnahmen
Die Förderregionen werden in verschiedene Zielkategorien eingeteilt (z. B. Ziel 1, Ziel 2). Die ärmsten Regionen erhalten die höchste Förderpriorität (Ziel 1). In Spanien gehören dazu beispielsweise Kastilien-La Mancha, Kastilien und León, Andalusien, Galicien, Ceuta, Melilla, die Kanarischen Inseln und Murcia.
Regionen in äußerster Randlage
Für die französischen Überseedepartements (Guadeloupe, Martinique, Réunion), die Kanarischen Inseln (Spanien) und Madeira (Portugal) gelten aufgrund ihrer Abgelegenheit besondere Entwicklungsmaßnahmen. Der Vertrag von Maastricht empfiehlt spezifische Bestimmungen, um diese Unterschiede auszugleichen. Diese Regionen fallen in der Regel unter Ziel 1 und profitieren von angepassten Maßnahmen, wie z. B. einer Überprüfung der Fiskalpolitik.
Transeuropäische Netze (TEN)
Die Transeuropäischen Netze (TEN) sind Infrastrukturprojekte, die zwei oder mehr EU-Mitgliedstaaten verbinden, um natürliche Barrieren wie die Alpen, die Pyrenäen, den Ärmelkanal oder die skandinavischen Gebirge zu überwinden. Beispiele für Projekte, die von der EU mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden, sind Hochgeschwindigkeitsbahnstrecken, Pipeline-Verbindungen und zentrale Telekommunikationsnetze.
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PDF Word HTMLHäufige Fragen
Was ist der Kohäsionsfonds der EU?
Der Kohäsionsfonds stärkt den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt durch die Finanzierung von Umweltprojekten und transeuropäischen Netzen. Er richtet sich an Mitgliedstaaten, deren BIP pro Kopf weniger als 90 % des EU-Durchschnitts beträgt.
Was bedeutet der Grundsatz der Zusätzlichkeit?
Nach diesem Grundsatz ersetzen EU-Mittel nicht die nationalen Mittel, sondern ergänzen sie. Er ist eng mit dem Subsidiaritätsprinzip verbunden.
Welche Förderpriorität haben die ärmsten Regionen?
Die ärmsten Regionen erhalten die höchste Förderpriorität und werden als Ziel 1 eingestuft. In Spanien gehören dazu unter anderem Andalusien und Galicien.
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