Teratogene Noxen: Prävention von Embryonalfehlbildungen

Eingeordnet in Biologie

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 9,16 KB

Teratogene Noxen und Prävention abnormaler Embryonalentwicklung

QUELLE: INTERPSIQUIS. 2004 (2004)

Autorin: Iris M. Motta, BA in Psychologie. Prof. JTP. Universidad Argentina John F. Kennedy. Sekretärin des Postgraduiertenkurses in Dynamischer Neuropsychologie der Universität Kennedy. Sekretärin der Biopsicopedagogía Arg.

E-Mail: [email protected]

Zusammenfassung

Die biopsychosoziale Gesundheit eines Menschen beruht weitgehend auf einer korrekten embryonalen und perinatalen Entwicklung. Um dies zu ermöglichen, ist die Umsetzung effektiver Strategien der Primärprävention erforderlich. Viele dieser Strategien hängen von der globalen Gesundheitspolitik ab, ebenso viele jedoch von Wissen und dem Bewusstsein für notwendige Verhaltensänderungen, um die Lebensbedingungen im Allgemeinen und während der Schwangerschaft im Besonderen zu verbessern.

Angehörige der Gesundheitsberufe dürfen Faktoren, die die normale Entwicklung sowie die Folgen – seien sie biotisch, psychisch oder sozial-kognitiv – verändern, nicht ignorieren. Um wirksame therapeutische Maßnahmen zu ergreifen und Bedürfnisse frühzeitig zu erkennen, untersuchen wir die breite Palette von Faktoren, die Missbildungen oder Dysfunktionen des zentralen Nervensystems verursachen können.

Historischer Kontext und die Rolle der Prävention

Seit alters her befasst sich der Mensch mit der Zukunft. In allen Kulturen gab es soziale Charaktere, denen die Gabe der Prophetie zugeschrieben wurde. Diese dienten dazu, den Geist vor der Angst der Ungewissheit zu beruhigen. In unserer jüdisch-christlichen Kultur fehlen diese Zeichen nicht. Die Bibel ist vielleicht das größte Beispiel für Geschichten, in denen Personen die Pflicht hatten, andere zu warnen. Abgesehen von übernatürlichen Enthüllungen zogen viele die Aufmerksamkeit auf wahrnehmbare Daten der Realität, deren Folgen katastrophal waren, weil sie im Widerspruch zu Naturgesetzen standen.

Heute ermöglichen wissenschaftliche Daten die Vermeidung zukünftiger Schäden. Kardiovaskuläre Risikofaktoren sind bekannt, ebenso wie Faktoren, die Entwicklungsstörungen beeinflussen. Eltern sorgen sich um die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes. Vieles ist bekannt und kann verhindert werden. Wir müssen die Notwendigkeit einer wirksameren Primärprävention erkennen, um zu einer gesünderen Menschheit beizutragen. Oft hängen Maßnahmen von gesundheitspolitischen Entscheidungen ab, aber wir dürfen nicht zulassen, dass Unwissenheit die Prävention verhindert.

Definition von Noxen und Teratogenese

Das Wort Noxe leitet sich vom lateinischen nocivus (schädlich) ab. Noxen können postnatal (Trauma, Infektionen) oder pränatal auftreten und die normale Schwangerschaftsentwicklung beeinflussen. Der Begriff Teratogenese stammt vom griechischen teratos (Monster). Ursprünglich bezog er sich auf grobe strukturelle Fehlbildungen, heute umfasst er auch subtile Entwicklungsstörungen wie intrauterine Wachstumsverzögerungen, Verhaltensstörungen und funktionelle Mängel.

Ein Teratogen ist jeder chemische, physikalische oder infektiöse Agens sowie Mangelzustände, die während der Embryonal- oder Fetalperiode morphologische oder funktionelle Störungen hervorrufen können. Die Teratologie ist die Wissenschaft, die Ursachen und Mechanismen abnormaler Entwicklung untersucht.

Häufigkeit und Ursachen von Anomalien

Schätzungsweise 2–4 % der Neugeborenen weisen wichtige strukturelle Veränderungen auf; dieser Anteil steigt auf 8–10 %, wenn man die Entwicklung bis zum 5. Lebensjahr berücksichtigt. Viele Teratogene zeigen ihre funktionellen Konsequenzen erst später. Trotz des Wissens bleiben 40–70 % der Ursachen von Missbildungen unbekannt. Bekannt ist, dass Erbkrankheiten 15–20 %, Chromosomenstörungen 5 % und ökologische Faktoren (wie Drogen) 2–4 % ausmachen.

Oft erfolgt eine ärztliche Konsultation erst, wenn die Frau bereits mehrere Wochen schwanger ist und die kritische Phase der Zelldifferenzierung bereits begonnen hat. Die experimentelle Teratologie versucht, das Wissen über Teratogene zu erweitern, wobei Tierversuche aufgrund unterschiedlicher Genotypen nicht immer direkt auf den Menschen übertragbar sind (siehe das Beispiel Contergan/Thalidomid).

Zeitliche Abhängigkeit der teratogenen Wirkung

Die Mechanismen der Teratogenese umfassen Zelltod ohne Regeneration, Verzögerung der Mitose oder Differenzierung sowie Hemmung der Zellmigration. Die Phase der maximalen Anfälligkeit liegt zwischen dem 17. und 57. Tag nach der Befruchtung (die ersten 10 Wochen). In dieser Zeit findet die Organentwicklung statt. In den ersten 4 Wochen führt eine schwere Aggression meist zum Abort (Alles-oder-Nichts-Prinzip), während spätere Schäden zu Fehlbildungen ohne Fehlgeburt führen können.

Niedriges Geburtsgewicht und seine Folgen

Ein niedriges Geburtsgewicht kann durch Frühgeburt oder intrauterine Wachstumsretardierung entstehen. Diese Kinder haben ein höheres Risiko für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie neurologische Störungen. In der neuropsychologischen Forschung zeigen diese Patienten oft weiche neurologische Symptome, Aufmerksamkeitsdefizite und Probleme in der Visuoperzeption.

Genetik und Familienanamnese

Die Familienanamnese vor der Schwangerschaft ist entscheidend. Ein mütterliches Alter über 35 Jahre erhöht das Risiko für Chromosomenstörungen wie das Down-Syndrom. Ein väterliches Alter über 60 Jahre steigert das Risiko für Achondroplasie. Bestimmte ethnische Gruppen haben Prädispositionen für Krankheiten wie Sichelzellenanämie oder Mukoviszidose. Genetische Veränderungen können Proteine beeinflussen und Krankheiten wie Phenylketonurie, zystische Fibrose oder das Fragile-X-Syndrom verursachen.

Chemische Faktoren und Suchtmittel

  • Rauchen: Erhöht das Risiko für Fehlgeburten, Fehlbildungen und niedriges Geburtsgewicht durch Kohlenmonoxid und Nikotin.
  • Alkohol: Kann zum Fetalen Alkoholsyndrom (FAS) führen, das durch Wachstumsretardierung, Mikrozephalie und kognitive Defizite gekennzeichnet ist.
  • Koffein: Moderater Konsum gilt als sicher, hoher Konsum wird jedoch mit niedrigem Geburtsgewicht assoziiert.
  • Drogen: Marihuana, Kokain und Heroin haben schwerwiegende Folgen, von kranio-spinalen Missbildungen bis hin zu Entzugssymptomen beim Neugeborenen.
  • Lösungsmittel und Pestizide: Stoffe wie Benzol oder PCB sowie Pestizide (z. B. Agent Orange) wirken hochgradig teratogen und können das Erbgut dauerhaft schädigen.

Medikamenten-Klassifizierung (FDA)

Die FDA unterteilt Medikamente nach ihrem Risiko:

  • Kat. A: Sicher (z. B. einige Schilddrüsenhormone).
  • Kat. B: Kein Risiko in Tierstudien nachgewiesen (z. B. Paracetamol, Penicillin).
  • Kat. C: Nutzen muss Risiko rechtfertigen (z. B. Aspirin, Diazepam).
  • Kat. D: Hinweise auf Teratogenität, aber in Extremsituationen akzeptabel (z. B. Lithium, Phenobarbital).
  • Kat. X: Kontraindiziert (z. B. Östrogene, Chinin).

Physikalische Einflüsse und Strahlung

Strahlung kann die DNA direkt oder indirekt über freie Radikale schädigen. Die Auswirkungen reichen vom Tod des Embryos in der Frühphase bis hin zu Funktionsstörungen des ZNS und erhöhtem Krebsrisiko in späteren Phasen. Auch abgereichertes Uran aus modernen Waffen stellt eine langfristige globale Gefahr für das Erbgut dar.

Mütterliche Ernährung und Stoffwechsel

Eine ausgewogene Ernährung (2200–2500 kcal) ist essenziell. Mangelernährung führt zu neurologischen Defiziten und beeinträchtigt die Plastizität des Gehirns. Besonders wichtig ist die Supplementierung von Folsäure, um Neuralrohrdefekte (wie Spina bifida) zu verhindern. Diabetes mellitus der Mutter erhöht das Risiko für Fehlbildungen um das Vierfache, wenn er nicht kontrolliert wird.

Medizinische Komplikationen und Infektionen

  • Blutgruppenunverträglichkeit: Rh-Inkompatibilität kann zu Anämie und fetalem Tod führen (Prävention durch Impfung).
  • Psychosozialer Stress: Kann das Risiko für Frühgeburten erhöhen.
  • Infektionen: Röteln, Windpocken, Toxoplasmose, Syphilis und HIV sind hochgefährlich für den Fötus und erfordern eine engmaschige Überwachung oder Impfung vor der Schwangerschaft.
  • Präeklampsie und Eklampsie: Bluthochdruckerkrankungen, die die Sauerstoffversorgung des Fötus gefährden.

Bibliographische Referenzen

1. Wörterbuch der spanischen Sprache. 22. Auflage.
2. Sadler, TW. Medical Embryology. Panamericana, 1998.
3. Portellano Perez, JA. Neuropsychologische Entwicklung bei niedrigem Geburtsgewicht, 2000.
4. O'Rahilly, R., Müller, F. Human Embryology & Teratology. Wiley-Liss, 1996.
5. Fejerman, N. Pädiatrische Neurologie. Panamericana, 1998.

Verwandte Einträge: