Theater der Neuzeit: Entwicklung, Typen und nationale Schulen

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Theater

Das Theater ist ein rasch wachsendes Genre und erfüllt umfassendere soziale Funktionen in der gesamten Neuzeit, besonders im 17. Jahrhundert. Es wurde zu einem der wichtigsten Bereiche der Kultur der Neuzeit, verbunden mit der humanistischen Bildung und dem Dialog mit Don Quijote und seinen Derivaten. Die von Cervantes verwendete Verisimilitudo führt zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Ritterromantik. Das Theater verwendet gewöhnliche Figuren, nicht nur Randgestalten wie im Schelmenroman, und nutzt alltägliche Zeit- und Raumdarstellungen. Es gibt viele Typen von Episoden, in denen verschiedene Gattungen behandelt werden. Im zweiten Teil sind die Figuren bereits bekannt; sie haben eine Vorgeschichte, und die Charaktere wissen, dass diese veröffentlicht wurde. Ein Unterscheidungsmerkmal zwischen der Ritterromantik und dem Schelmenroman in Don Quijote ist der kontinuierliche Austausch von Worten zwischen der Hauptfigur und ihren Gesprächspartnern, wodurch dieser Dialog die Handlung verändert.

Mittelalterliche Einflüsse und Entwicklung

Das mittelalterliche Theater war stark vom Hof beeinflusst und eng mit Hofzeremonien wie Geburtstagen und Festtagen verknüpft, wurde später jedoch davon getrennt. Das Theater erschien außerdem als Unterhaltung auf der Straße, bei der dramatische Handlung, Tänze und Tierdressuren verbunden waren; dies ist eine mittelalterliche Tradition. Ein dritter Typ war das Theater als religiöse Feier.

Vom Straßenstück zum konsumorientierten Theater

Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Theater zu einer Form des Konsums: Die Nachfrage kam zunehmend von bürgerlichen, urbanen Mittelschichten. Elemente aller drei Stände wurden integriert, und mediale Sektoren stärkten die populäre Nachfrage nach Theater. Allmählich entstanden feste Spielstätten für das Theater.

Internationale Einflüsse und reisende Ensembles

In England, Spanien und Frankreich entstanden nationale Theater, die Elemente aus Italien übernahmen. Reisende Ensembles bewegten sich durch ganz Europa und brachten pädagogische Modelle sowie Formen der Darstellung mit; in einigen Fällen ließen sie sich dauerhaft nieder. Ein weiteres wichtiges Instrument für wandernde Gruppen war das Bühnenbild: Italienische Bühnenbildner waren stark nachgefragt, insbesondere bei Palastaufführungen.

Commedia dell'arte und Oper

Neben der Oper kam auch die Commedia dell'arte aus Italien nach Europa; sie wurde exportiert und erreichte ihren großen Triumph im 18. Jahrhundert.

Prototypen der Repräsentationsorte im 16. Jahrhundert

  • Humanistischer Typ: Ein theoretisches Modell, das die Lehren der Antike aufnimmt und diese zeitweise konstruktiv in die Praxis umsetzt. Es handelt sich um ein abgestuftes, halbrundes Gebäude mit einer vorgebauten Bühne, das perspektivische Straßenszenen mit Häusern darstellt. Der Unterschied zum alten Modell besteht darin, dass es geschlossen und zugleich offen wirkt. Es kann antike römische Werke und deren Nachahmungen darstellen. Beispiele sind das Teatro Olimpico in Vicenza von Palladio und das Teatro Palatin in Parma (das ein neues Element im Bogen der Szene beinhaltet).
  • Allgemeine oder gemeinsame Typen:
    • Geschlossene Salons: In Frankreich und England wurden Räume, die für Bälle genutzt wurden, wiederverwendet; in Shakespeares England wurden auch kirchliche Räume für Theateraufführungen umgenutzt.
    • Offene Struktur (Innenhoftyp): Vor allem in Spanien und auch in England gab es offene Räume mit Sitzplätzen, Galerien und einer Bühne an einer der kurzen Seiten des Innenhofs. Im zentralen Bereich der Bühne gab es häufig eine Öffnung mit einem Vorhang (tiring house oder Haus der Illusionen/Träume), die für überraschende Effekte genutzt wurde.

Nationaltheater, Sprache und Propaganda

Aufkommende Nationaltheater wurden als Mittel der Macht und Propaganda in Politik und Religion eingesetzt. Nationaltheater entwickelte sich weniger als reines Spektakel, sondern häufig als verbale Leistung, weil zwei Faktoren zusammenkamen:

  • Fokussierung auf die Sprache: Situationen werden so gestaltet, dass die Sprache und das Erzählen im Mittelpunkt stehen. In Frankreich ist dies besonders ausgeprägt: Ereignisse werden dort oft erzählt statt vollständig auf der Bühne dargestellt.
  • Institutionelle Voraussetzungen: In England und Frankreich standen viele Theater unter Schirmherrschaft der königlichen Höfe, auch wenn sie von freien Gesellschaften getragen wurden. In Spanien war Mäzenatentum weniger ausgeprägt; hier gab es eine andere Organisation der Schauspielkompanien.

Versformen und dramatische Modelle

In England und Frankreich wurde Theater häufig in Versen verfasst und an feste rhythmische Muster gebunden. In England dominierte der Blankvers (jambischer Pentameter), ohne Reim, aber mit deutlich erkennbarem Rhythmus. In Frankreich war das Alexandrinergedicht mit seiner eher monotonen Wiederholung und oft reimender Struktur prägend (z. B. Alexandrinische Couplets). In Spanien gab es dagegen einen Rhythmus von acht Silben, der in parlandoähnlichen Passagen oder in heroischen Versstrophen verwendet wurde. Spanische Werke, etwa von Lope de Vega, blieben häufig beim Modell der drei Akte, während das englische und französische Theater flexiblere Strukturen zuließ.

Figurenentwicklung und dramatische Darstellung

In der Regel neigten englische und französische Dramen eher zur psychologischen Entwicklung von Figuren; in Spanien folgte man häufiger stereotypen Kodices, bei denen das Innenleben der Figur weniger in Kommunikation mit dem äußeren Handlungsraum gebracht wurde. Im französischen Trauerspiel wird oft gesagt, dass das, was auf der Bühne präsentiert wird, Reflexionen der Figuren über Erlebtes sind. Im englischen und spanischen Theater hingegen wird die Aktion häufiger direkt gezeigt. Außerdem werden im englischen und spanischen Theater die Einheiten von Zeit und Raum häufiger nicht strikt eingehalten.

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