Theodizee: Leid, Epikur, Leibniz, Voltaire und Hans Jonas
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Grundfragen der Theodizee
Einführung: Die Theodizee untersucht, wie Leid und Übel mit der Existenz eines allmächtigen, allgütigen und allwissenden Gottes vereinbar sind. Im Folgenden werden zentrale Fragestellungen und klassische Antworten dargestellt.
- Theodizee-Problem: Wie kann ein allmächtiger, allgütiger Gott Leid und Übel in der Welt zulassen?
- Leid als Problem für den Glauben: Leid stellt die Idee eines guten und mächtigen Gottes infrage.
- Eigenschaften Gottes im klassischen Theismus:
- Allmacht: Gott kann alles tun.
- Allgüte: Gott ist vollkommen gut.
- Allwissenheit: Gott weiß alles.
- Widerspruch von Leid zu Gott: Wenn Gott allmächtig und allgütig ist, warum lässt er dann das Leid zu?
Epikur – Das Allmachts-Dilemma
- Theodizee-Formulierung: Wenn Gott allmächtig und allgütig ist, warum gibt es dann Leid und Übel?
- Vier Möglichkeiten laut Epikur:
- Gott will das Böse verhindern, kann es aber nicht.
- Gott kann das Böse verhindern, will es aber nicht.
- Gott will das Böse nicht und kann es nicht verhindern.
- Gott kann das Böse verhindern, tut es aber nicht.
Leibniz – Die beste aller möglichen Welten
- Erklärung des Leids: Leid ist notwendig für ein größeres Wohl und Teil der „besten aller möglichen Welten“.
- Drei Arten von Übel:
- Metaphysisches Übel: Unvollkommenheiten der Welt.
- Physisches Übel: Leiden und Schmerz.
- Moralisches Übel: Böses Handeln.
Voltaire – Kritik an Leibniz
- Kritik an Leibniz: Das beobachtete Leid ist zu groß, um als notwendig für ein größeres Wohl zu gelten.
- Candide: Voltaire zeigt in seinem Buch die Absurdität der Theorie durch übertriebenes Leid.
- Erdbeben von Lissabon (1755): Ein katastrophales Ereignis, das Leibniz’ Theorie infrage stellt.
- Beispiel: Naturkatastrophen, die schwer mit einer guten und allmächtigen Gottheit vereinbar sind.
Hans Jonas – Gottes Ohnmacht nach Auschwitz
- Auschwitz als theologisches Problem: Extremes Leid stellt das Bild eines allmächtigen Gottes infrage.
- Gottes Allmacht: Nach Jonas kann Gott nicht in der klassischen Form allmächtig sein.
- Gott kann nicht eingreifen: Jonas schlägt vor, dass Gott sich freiwillig beschränkt haben könnte, um den Menschen freien Willen zu lassen.
- Begründung für Jonas’ Theorie: Gott hat sich selbst beschränkt, um den Menschen Freiheit und Verantwortung zu geben.
- Beispiel: Der freie Wille der Menschen ermöglicht sowohl Gutes als auch Böses.
Vergleich der Theorien
- Epikur, Voltaire, Jonas: Sehen das Leid als Widerspruch zu einem allmächtigen, allgütigen Gott.
- Leibniz: Versucht, das Leid mit der Existenz Gottes zu erklären, indem er es als notwendig für ein größeres Wohl interpretiert.
- Hauptunterschiede:
- Epikur und Voltaire stellen die Existenz eines allmächtigen Gottes infrage.
- Leibniz glaubt, das Leid ist Teil eines höheren Plans.
- Jonas glaubt, Gott hat sich selbst beschränkt, um den freien Willen der Menschen zu bewahren.
im Schach gibt es Opferzüge, die für den späteren Sieg notwendig sind. So ist auch das Leid in Leibniz’ Theorie notwendig, um das höhere Ziel des größten Guten zu erreichen.